

Dauerfeuer-Ronaldo köpft Portugal ins Halbfinale
Aus Polen berichtet Mathias Frohnapfel
Warschau - Er rannte, er rackerte, traf zweimal den Pfosten und versetzte sein Team schlussendlich in einen Freudentaumel:
Mit seinem Kopfballtreffer hat Portugals Kapitän Cristiano Ronaldo (79.) Tschechien mit 1:0 im EM-Viertelfinale in die Knie gezwungen ( DATENCENTER: Der EM-Spielplan).
"Wir waren die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen. Jetzt stehen wir im Halbfinale und sind sehr glücklich", sagte Ronaldo.
Portugal steht so nach einer teilweise zähen Partie als erster Halbfinalist fest. In der Runde der letzten Vier trifft die Seleccao nun am kommenden Mittwoch in Donezk auf den Sieger der Partie Spanien gegen Frankreich.
Leistungssteigerung nach der Pause
Der Sieg war vor allem aufgrund der Leistungssteigerung nach der Pause verdient. Die Tschechen erwischten zwar einen guten Beginn, waren aber im zweiten Durchgang so gut wie gar nicht mehr zu sehen.
"Wenn wir weiter das tun, was nötig ist, können wir alles erreichen. Wir haben das Halbfinale erreicht, das ist ein Traum. Aber wir werden weiter für unseren ganz großen Traum arbeiten", sagte Ronaldos Mannschaftskollege Nani.
Rosicky nicht rechtzeitig fit
Michal Bilek nahm in der tschechischen Startelf nur eine Änderung vor, für Daniel Kolar spielte im Warschauer Nationalstadion Vladimir Darida.
Spielmacher Tomas Rosicky musste wegen Achillessehnenbeschwerden auf der Bank Platz nehmen.
Paulo Bento ließ indes seine erfolgreiche Formation vom Sieg über die Niederlande unverändert.
Anders als erwartet dominierten vor 56.000 Zuschauern zu Beginn aber die Tschechen, während in den ersten 20 Minuten von Portugal wenig zu sehen war.
Tschechien mit starkem Beginn
In manchen Szenen durchpflügten Tomas Hübschman und Jaroslav Plasil beinahe ungestört mit großen Schritten das Mittelfeld.
Die Tschechen waren in den Zweikämpfen anfangs präsenter, so dass sogar Cristiano Ronaldo im eigenen Strafraum retten musste (17.).
Wenig später verpasste Milan Baros um eine Fußbreite die Führung für Tschechien nach Daridas Vorarbeit (18.).
Ronaldo kämpft sich ins Spiel
Erst langsam kämpften sich die Portugiesen ins Spiel, die erste gefährliche Aktion gehörte Ronaldo, jedoch setzte sich der Kapitän zuvor im Zweikampf mit Michal Kadlec unfair ein (25.), weshalb sein Schuss nicht gezählt hätte.
Doch nach einer guten halben Stunde ließ das tschechische Starttempo nach, Ronaldo setzte sich akrobatisch ein, verpasste aber per Fallrückzieher klar (33.).
"Die ersten 20 Minuten waren sehr intensiv, und wir haben gut auf die Tschechen reagiert. Wir wurden immer dominanter. In der zweiten Halbzeit haben wir große Qualitäten gezeigt. Wir haben den Sieg verdient", betonte Bento.
Pfostenknaller vor der Pause
Die Portugiesen mussten wechseln, da Helder Postiga sich am Oberschenkel verletzte. Für ihn kam der Ex-Bremer Hugo Almeida (40.) und es folgte Portugals beste Phase:
In einem Laufduell zog David Limbersky seinen Gegenspieler Nani zu Boden, Schiedsrichter Howard Webb war das für einen Elfer aber zu wenig (42.).
Quasi mit dem Pausenpfiff verfehlte Ronaldo dann seinen dritten Turniertreffer, als er nach herrlicher Annahme den Ball aus spitzem Winkel an den Pfosten setzte (45.).
Portugal bleibt spielbestimmend
Nach der Pause blieb Portugal am Drücker, Almeida zielte aber per Kopf nach Flanke von Raul Meireles zu ungenau (46.).
"In der zweiten Halbzeit haben wir Energie und Ordnung verloren, und Portugal konnte häufiger durchstoßen. Deshalb ist irgendwann das Tor gefallen. Wir haben gegen einen Gegner verloren, der besser war als wir", erklärte Bilek.
Dann rettete erneut der Außenpfosten für die nun wankenden Tschechen nach einem sehenswerten Ronaldo-Freistoß (48.).
Es dauerte etwas, ehe Nani die nächste Chance hatte. Doch Champions-League-Sieger Cech parierte den Versuch aus 14 Metern großartig (58.). Von den Tschechen war jetzt nur etwas bei den Gegenstößen zu sehen, der dribbelstarke Pilar fand dabei keine Anspielstation in der Spitze (60.).
Cech im Blickpunkt
Stattdessen entwickelte sich immer mehr eine Partie Portugal gegen Cech. Und Chelseas-Keeper zeichnete sich immer wieder wie gegen Joao Moutinho (64.) und Nani (75.) aus.
Die Tschechen überstanden auch den bangen Moment, als der schön freigespielte Nani nur um Zentimeter das Tordreieck verfehlte (72.), weil Kadlec im letzten Moment das Bein dazwischen hatte.
Ronaldo köpft die Führung
Doch ewig hielt dieses Bollwerk nicht. Die Portugiesen hatten jetzt immer mehr Platz und nutzten ihn.
Per knallharter Flanke bediente so Moutinho Superstar Ronaldo, der mit seinem Kopfballaufsetzer Cech keine Chance ließ (79.).
Portugals Legende Luis Figo tanzte jetzt auf der Tribüne Samba, Ronaldo schickte Handküsse in die TV-Kamera, sein Team feierte euphorisch und behielt weiterhin die Oberhand.
Ronaldo verpasste es zwar in der nächsten Aktion nachzulegen, Portugals Sieg und Halbfinaleinzug geriet aber nicht mehr in Gefahr.