Niederländer wollen van Gaal
Von Andreas Kloo
München - "Ich bin dann mal weg."
Mit diesen Worten werden die Besucher von Louis van Gaals deutscher Website begrüßt.
Seit 14 Monaten sieht die Seite so aus. Damals musste der niederländische Trainer beim FC Bayern seinen Hut nehmen.
Auf der Online-Präsenz steht aber noch ein Satz: "Bis bald. Es dauert nicht lange."
Und tatsächlich scheint die Rückkehr van Gaals auf die Trainerbank näherzurücken.
Konkurrenten sagen ab
Seinen Amtsantritt als Ajax-Sportdirektor konnte Intimfeind Johan Cruyff noch in letzter Minute verhindern. Nun ist van Gaal in die Favoritenstellung für den verwaisten Posten des niederländischen Bondscoachs gerückt ( Bericht).
Denn seine potenziellen Konkurrenten für die Nachfolge des zurückgetretenen Bert van Marwijk sagen einer nach dem anderen ab.
Ronald Koeman erhält keine Freigabe von seinem derzeitigen Verein Feyenoord Rotterdam. Sein Europameisterkollege von 1988, Frank Rijkaard erklärte, seinen Job als Nationaltrainer Saudi-Arabiens fortführen zu wollen.
Und auch Ajax-Coach Frank de Boer erteilte schon mal eine provisorische Absage.
Keine Ausländer erwünscht
Der Kreis der Kandidaten engt sich automatisch ein, da der niederländische Verband angekündigt hat, keinen Ausländer für den Trainerstuhl verpflichten zu wollen:
"Ein Ausländer wäre ein Hohn für das Image unseres Fußballs", sagte KNVB-Direktor Bert van Oostveen.
So bleiben nur noch die üblichen Verdächtigen übrig. Neben den bereits Genannten die Herren Guus Hiddink und Dick Advocaat.
Beide stehen aber - im Gegensatz zu van Gaal - bei Klubs fest unter Vertrag. Hiddink in Machatschkala, Advocaat nach seinem Aus in Russland beim PSV Eindhoven.
In Umfragen vorn
Würde man das niederländische (Fußball-)Volk fragen, wäre die Sache klar. In mehreren Umfragen liegt van Gaal an der Spitze.
Bei der Tageszeitung "De Telegraaf" votieren 24 Prozent für den "Tulpen-General", bei "Voetbal international" sind es 26 Prozent, die sich den 60-Jährigen als Bondscoach wünschen.
Auch Ronald de Boer, einst van Gaals Spieler beim FC Barcelona, glaubt: "Louis hat wohl gute Chancen."
Gullit als Kandidat
Auf der Liste der Konkurrenten stehen nur noch U-21-Coach Foppe de Haan, Ruud Gullit, der derzeit hauptsächlich als TV-Experte aktiv ist, und Co Adriaanse.
Dessen Erfolge als Trainer liegen aber auch schon lange zurück. 2004/05 überraschte er mit dem AZ Alkmaar als UEFA-Cup-Halbfinalist.
Dunkler Fleck 2002
Größtes Argument gegen ein Engagement van Gaals ist der dunkle Fleck, den er in der niederländischen Fußball-Geschichte hinterlassen hat. 2002 verpasste er mit der Elftal die Qualifikation für die WM in Japan und Südkorea.
Sicher ist, dass auf den neuen Bondscoach viel Arbeit zukommt. Nach dem blamablen Vorrundenaus bei der EM steht ein Neuaufbau bevor.
Mit Mark van Bommel hat bereits einer der alten Recken seinen Rücktritt erklärt.
Kuyt will reinen Tisch machen
Ein anderer Routinier, Dirk Kuyt, möchte dagegen auf jeden Fall weitermachen - egal, wie der neue Nationaltrainer heißt: "Ich möchte nichts lieber, als für die Elftal spielen", sagte er dem "Telegraaf".
Bei van Marwijk war er bei der EM außen vor gewesen, nun denkt sich der Angreifer aber wohl: Neue Runde, neues Glück.
Der Fenerbahce-Neuzugang fordert von den Mitspielern nach diversen Vorfällen während der EM eine schnelle Aussprache: "Wir müssen schnell reinen Tisch machen, damit wir mit einer weißen Weste den Neuanfang beginnen können."