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Der Teamgeist, den Buffon beschwört: Andres Iniesta (M.) gegen fünf Gegenspieler © imago

Der Titelverteidiger will die historische "Kirsche auf der Torte", Italiens Keeper Buffon sieht Parallelen zur WM in Deutschland.

Aus der Ukraine berichtet Thorsten Mesch

Kiew - Spanien will seine Erfolgsgeschichte weiterschreiben, Italien zurück an die Spitze.

Das EM-Finale am Sonntag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) verspricht jede Menge Spannung und hochklassigen Fußball.

Das Duell des amtierenden Welt- und Europameisters mit dem viermaligen Weltmeister und Europameister von 1968 hat schon in der Gruppenphase in Danzig die Fans begeistert, in Kiew erfährt es eine Neuauflage.

Prandelli adelt Spanien

"Spanien ist die beste Mannschaft der Welt und das Team, das es zu schlagen gilt", lobte Italiens Trainer Cesare Prandelli auf der Abschluss-Pressekonferenz am Samstag den Gegner.

Im Gruppenspiel hatte seine Mannschaft dem Titelverteidiger ein 1:1 abgerungen, im Finale wollen die Italiener den Champion entthronen. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

"Spanien hat vielleicht eine etwas größere Chance. Sie haben zuletzt alle großen Titel gewonnen und haben große individuelle Qualität", sagte Torwart Gianluigi Buffon.

Buffon verweist auf 2006

"Aber unsere Stärke ist, dass wir alle an einem Strang ziehen", ergänzte Buffon, bei dem Erinnerungen an die WM 2006 in Deutschland aufkommen.

"Die Gefühle sind ähnlich wie 2006, und wir haben dasselbe Vertrauen in uns", erklärte der ehemalige Welttorhüter, der vor sechs Jahren in Deutschland mit der "Squadra Azzurra" den Titel gewann.

Damals hatte die Italiener keiner auf der Rechnung, doch sie schalteten im Halbfinale das DFB-Team aus und schlugen Frankreich im Endspiel. In diesem Jahr war Italiens Fußball ebenfalls von einem Manipulationsskandal geplagt, und die als Außenseiter geltende Mannschaft schlug Deutschland.

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"Ich hoffe, dass wir bei diesem Turnier bis zum Ende die Überraschungsmannschaft bleiben", meinte Buffon.

"Wir haben großen Respekt vor Spanien. Aber wir wissen, dass wir Fußball spielen können, wenn der Moment gekommen ist", betonte Prandelli.

Staatschef schickt einen Brief

Er machte kein Hehl aus seiner Freude über den Brief, den er vor dem Finale von Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano für sein Team bekam. "Wir sind sehr stolz und hoffen, die Erwartungen erfüllen zu können", meinte der Coach.

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Spaniens Trainer Vicente del Bosque will mit seiner Mannschaft das Kunststück schaffen, das bisher noch niemandem gelungen ist. Nach der EM 2008 und der WM 2010 können die Spanier den dritten Titel in Folge gewinnen.

"Wir haben eine Mannschaft, die nichts von ihrem Geist oder ihrem Hunger verloren hat", erklärte del Bosque.

Spanien kann Geschichte schreiben

"Wir haben eine fantastische Generation von Spielern, um Geschichte zu schreiben. Das wollen wir fortsetzen", betonte Mittelfeldstar Xavi.

Und Abwehrspieler Sergio Ramos findet: "Selbst wenn wir verlieren würden, hätten wir Geschichte geschrieben. Aber ein Sieg wäre die Kirsche auf der Torte."

Spanien gilt zwar als Favorit, aber die Spieler wehren sich gegen diese Rolle.

"Wir denken in keinem Augenblick, dass wir Favoriten sind", meinte Kapitän Iker Casillas. "Im Gegenteil: Beide haben dieselben Chancen", ergänzte der Keeper, für den es "keine Überraschung" ist, dass beide Teams im Endspiel zum zweiten Mal in diesem Turnier aufeinandertreffen.

Casillas warnt vor Italien

"Italien hat eine sehr gute Mannschaft, sie haben gegen Deutschland ihre Qualität gezeigt", erklärte Casillas.

"Italien hat gegen uns sehr gut gespielt", meinte Xavi. "Sie wollen den Ball, unser Spiel basiert auf Ballbesitz. Das wird der Knackpunkt des Spiels", erklärte der Barca-Profi.

"Ihre Stärke ist nicht nur Ballbesitz, sondern auch die schnelle Balleroberung. Wir müssen die Momente erwischen, in denen wir Überzahl schaffen", meinte Prandelli.

Was die Fans angeht, dürften die Spanier in Überzahl sein. Mehr als 11.000 werden zum Endspiel erwartet.

Italien hat allerdings Beistand von ganz oben. Nach dem Sieg über Deutschland wünscht der Papst alles Gute.

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