Die Schnapsideen des Herrn Präsidenten
Nun ist sie also mit dem Endspiel in Kiew Geschichte, die erste Europameisterschaft in Osteuropa.
"Creating History together" - gemeinsam Geschichte schreiben - lautete das Motto der Endrunde in Polen und der Ukraine.
Ganz so toll war es dann doch nicht, was weniger an den Organisatoren lag: Fast alles lief reibungslos, die Stimmung in beiden Ländern war gut, die Stadien bestens.
Trotzdem kann eine Austragung in zwei Ländern so nicht funktionieren. Und das gar nicht einmal, weil die Ukraine auf dem direkten Weg zurück in eine Fast-Diktatur ist, in der eine ehemalige Ministerpräsidentin wie Julia Timoschenko nur wenige Kilometer vom Stadion in Charkow entfernt aus fadenscheinigen Gründen im Gefängnis einkaserniert ist.
Das kann man der UEFA nur bedingt vorwerfen, denn die Vergabe an die Ukraine erfolgte ja unmittelbar nach der orangenen Revolution.
Was man dem Dachverband und vor allem seinem Präsidenten Michel Platini aber vorwerfen kann, ist die Tatsache, dass er sich auch nach dem Rückfall in totalitäre Zeiten für nicht zuständig erklärte und kein einziges Wort zur Verteidigung der Menschenrechte fand.
Das Verhalten passt aber zum umtriebigen Franzosen. Denn er hat es auch nicht für nötig befunden darauf zu drängen, dass eine EM in zwei Ländern auch zwingend eine Organisation aus einem Guss vorsehen muss: Mit offenen Grenzen und beiderseitiger enger Zusammenarbeit.
Stattdessen spielten sowohl Polen als auch die Ukraine ihre eigene EM aus und kümmerten sich nicht darum, was im Nachbarland geschah.
Was vor allem zu Lasten der Fans ging, nicht nur beim stundenlangen Warten an den Grenzen.
Die Konsequenz müsste also sein, die Endrunden nur noch in ein Land zu geben oder höchstens in eng zusammenarbeitende Länder wie beispielsweise 2000 Belgien und den Niederlanden.
Das allerdings sieht der feine Herr Platini ganz anders. Er will jetzt sogar 2020 eine EM-Endrunde in 13 verschiedenen Ländern austragen lassen. Heute Sofia, morgen Bukarest, übermorgen Skopje.
Der Effekt: Keine Stimmung, kein Zusammenhalt, keine vernünftige Organisation.
Monsieur Platini sieht das freilich etwas pragmatischer: 13 Länder als EM-Gastgeber sind 13 Stimmen für ihn als Präsidenten bei der nächsten Wahl.
So hat der ehemalige Weltstar schon das Amt übernommen, als er sich von den zahlreichen Nationen küren ließ, die seine Ausweitung der EM ab 2016 von 16 auf 24 Teilnehmer als große Chance werteten.
Das Kräftemessen der europäischen Topteams wird dadurch ebenso verwässert wie eine Endrunde in 13 Ländern.
Es wird spannend zu sehen, ob der DFB und andere große Verbände zumindest die neueste Schnapsidee Platinis verhindern können.