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Spanien gewann als erstes Team überhaupt drei große Titel in Folge © getty

Mit dem Triumph über Italien untermauert Spanien seine Vorherrschaft und bricht Rekorde. Prinz Felipe feiert mit.

Aus der Ukraine berichtet Thorsten Mesch

Kiew - Fernando Torres und Xabi Alonso tanzten mit ihren Kindern im silbernen Konfettiregen auf dem Rasen.

Gerard Pique rief: "Wo ist Mama?"

Dann erblickte Spaniens Verteidiger seine Mutter und holte sie auf den Rasen.

Torwart Iker Casillas umarmte seine Freundin und TV-Reporterin Sara Carbonero und tat dem 4:0-Triumph im Finale gegen Italien das, was er immer tut: (Spielbericht)

Spaniens Kapitän streckte den Siegerpokal in den Himmel. (580982DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Ein Traum erfüllt sich

Wie schon 2008 in Wien, als Spanien seinen ersten Titel seit 1964 gewann. Und wie schon 2010 in Johannesburg, als die "Seleccion" die erste Weltmeisterschaft folgen ließ.

Europameister, Weltmeister und wieder Europameister - in Kiew vollbrachten die Spanier das, was noch niemandem gelungen war und unmöglich schien. (Stimmen zum Spiel)

Spaniens Nationalmannschaft erfüllte sich diesen Traum und machte sich damit unsterblich. (KOMMENTAR: Melodie der Künstler)

Kronprinz Felipe gratuliert

"Sie sind wirklich unschlagbar", sagte Kronprinz Felipe, der in der Kabine gratulierte wie auch Tennis-Superstar Rafael Nadal.

Dann gab der Sohn von König Juan Carlos sein Telefon an Vicente del Bosque, denn sein Vater wollte dem Nationaltrainer seine Glückwünsche aussprechen.

Große Gesten nach einem großartigen Triumph.

Botschaft in der Finanzkrise

"Wir freuen uns, dass wir den Menschen in unserem Land diese Momente des Glücks bescheren können", schickte del Bosque seine Botschaft in die von der Finanzkrise geplagte Heimat.

Dort wurden ihre Helden gebührend gefeiert, hunderttausende machten die Nacht auf den Straßen und Plätzen zum Tag.

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"Danke! Danke! Danke!", titelte die Sportzeitung "Marca".

"Könige des Fußballs, Könige von Europa", schrieb "Sport" und "El Pais" jubelte: "Spanien erobert die Dreifach-Krone".

Xavi tanzt mit der Flagge

"Wir haben Geschichte geschrieben und das muss gefeiert werden", sagte Spielmacher Xavi, der um zwei Uhr Ortszeit mit Flagge über den Schultern durch die Mixed Zone des Kiewer Stadions ging.

Im Finale, das gleichzeitig die Neuauflage des EM-Auftaktspiels beider Teams (1:1) war, zeigte Spanien eine Leistung, die hunderte Millionen Fans in der ganzen Welt begeisterte.

Es war phasenweise Fußball in Perfektion, was Xavi zusammen mit seinem kongenialen Partner Andres Iniesta und seinen Teamkollegen auf den Rasen zauberte.

David Silva, Jordi Alba, Torres und Juan Mata vollendeten das Kunstwerk mit ihren Toren.

"Historisches erreicht"

"Wir haben mit dieser Mannschaft etwas Historisches erreicht und sind überglücklich", sagte Silva zu SPORT1.

Und Iniesta, der zum "Man oft he Match" gewählt wurde, meinte: "Es war ein komplettes Spiel. Einfach phantastisch."

Als Linksverteidiger Jordi Alba in der 41. Minute nach einem Sprint über das halbe Spielfeld und einem Steilpass von Xavi den Ball an Italiens Torwart Gianluigi Buffon zum 2:0 vorbei schob, war das Spiel schon so gut wie gelaufen.

"Der erste Treffer hat sie beeindruckt, der zweite war entscheidend", analysierte del Bosque.

Motta gleich wieder raus

Cesare Prandelli versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war.

Italiens Coach wechselte zweimal nach der Pause und brachte als letzte Option schon nach 57 Minuten Thiago Motta für den ausgepumpt wirkenden Deutsch-Italiener Riccardo Montolivo.

Doch nur vier Minuten später verletzte sich Motta so schwer, dass er nicht weiterspielen konnte.

Zu zehnt infolge hatte der Deutschland-Bezwinger keine Chance mehr. Spanien verwaltete zunächst nur die Führung, erzielte dann aber gegen den immer mehr abbauenden Gegner noch zwei Tore.

Das 4:0 war der höchste Sieg in einem EM-Finale. Damit entriss Spanien den deutschen EM-Siegern von 1972 (3:0 gegen die Sowjetunion) auch diese die Bestmarke.

Torres auch Torschützenkönig

Torres, der als bislang einziger Spieler in zwei EM-Endspielen traf (2008 beim 1:0 über Deutschland), gewann mit drei Treffern die Torjägerkrone, weil er weniger Einsatzzeit hatte als Italiens Mario Balotelli oder Mario Gomez, Portugals Superstar Cristiano Ronaldo, Kroatiens Neu-Bayer Mario Mandzukic und Russlands Alan Dsagojew (alle drei Treffer).

Mit nun drei EM-Triumphen zogen die Iberer mit Deutschland als Rekord-Europameister gleich.

Und Casillas, der seit dem 1:1 im Gruppenspiel 510 Minuten ohne Gegentor geblieben war, schnappte sich nach seinem ebenfalls historischen 100. Länderspielsieg den Rekord von Dino Zoff.

Buffon als fairer Verlierer

Seit dem Achtelfinale der WM 2006, als Spanien gegen Frankreich verlor, hat Casillas in allen zehn K.o.-Spielen bei EM oder WM keinen Treffer kassiert.

"Das ist der wunderbarste Moment in unserer Geschichte", sagte der Kapitän nach dem totalen Triumph.

Der "Tricampeon" Spanien beherrscht weiter die Fußballwelt - das erkannte auch Casillas Gegenüber Buffon an:

"Man muss hinnehmen, dass es eine Mannschaft gibt, die besser ist. Die Spanier haben mehr Spieler, die Erfahrungen haben in solchen wichtigen Spielen."

Und Italiens Keeper ergänzte: "Es gibt nichts, was wir uns vorwerfen können, die Spanier waren einfach besser."

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