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Im Finale unterliegt die Squadra Azzurra allerdings Spanien mit 0:4. Nationalcoach Cesare Prandelli tröstet seinen Halbfinal-Helden
Cesare Prandelli (l.) übernahm die italienische Nationalmannschaft nach der WM 2010 © getty

Italiens Trainer Prandelli zieht trotz Final-Pleite ein positives EM-Fazit. An der UEFA übt er Kritik. Seine Zukunft ist geklärt.

Aus der Ukraine berichtet Thorsten Mesch

Kiew - Andrea Pirlo musste sich immer wieder die Tränen aus dem Gesicht wischen.

Sein großer Traum, nach dem WM-Triumph 2006 auch den EM-Titel zu gewinnen, war im Strudel des spanischen Passwirbels (Bericht) untergegangen.

Und so musste Italiens Mittelfeld-Magier mit ansehen, wie Spaniens Kapitän Iker Casillas den Pokal in den Himmel über Stadion in Kiew stemmte. (580982DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Balotelli wütend und beleidigt

Mario Balotelli hielt es nicht aus. Wütend stürmte der Angreifer in Richtung Kabine und stieß dabei einen italienischen Betreuer zur Seite. Erst Minuten später ging er beleidigt auf das Spielfeld zurück.

Der Stachel der Enttäuschung saß tief bei den Spielern der Squadra Azzurra, die nach dem 2:1-Halbfinalsieg gegen Deutschland und dem 1:1 im Gruppenspiel gegen Spanien mit großen Hoffnungen ins Finale gegangen war.

"Fantastische EM gespielt"

Dennoch zog Trainer Cesare Prandelli ein positives Fazit. "Wir haben eine fantastische EM gespielt. Meinem Team würde ich in diesem Turnier acht von zehn Punkten geben", sagte Prandelli.

"Die Jungs haben hart füreinander gearbeitet, sie haben exzellenten Teamgeist bewiesen. Ich bin absolut stolz auf meine Mannschaft", erklärte der 54-Jährige. (Stimmen zum Spiel)

Doch eine Sache ärgerte den sympathischen Coach, der mit seinen dunklen Augen und seiner verschmitzten Ausstrahlung ein bisschen an den Münchner TV-Serienhelden Monaco Franze erinnert.

Kritik am Spielplan

"Das Einzige, was wir bedauern müssen, ist, dass wir vor dem Finale nicht ein paar mehr Tage Pause bekommen haben. Wir haben uns im Gruppenspiel gegen die Spanier hervorragend geschlagen - aber da waren wir auch alle fit", klagte Prandelli über den Spielplan. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

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Eine Halbzeit und eine Viertelstunde lang hielten Italiens Spieler gegen die großartig aufspielenden Spanier ordentlich mit, hatten vor der Pause einige gefährliche Szenen und nach dem Seitenwechsel auch zwei gute Torchancen.

Doch Antonio di Natale, der für Antonio Cassano ins Spiel gekommen war, vergab beide.

Halbe Stunde in Unterzahl

Bereits in der 57. Minute hatte Prandelli mit der Hereinnahme von Thiago Motta für Riccardo Montolivo sein Wechselkontingent erschöpft. Doch Motta verletzte sich kurz darauf und so musste Italien eine halbe Stunde lang in Unterzahl spielen.

"Als Motta raus musste und wir nur noch zehn Spieler auf dem Feld hatten, war es vorbei. Danach hatten wir gegen den Weltmeister nichts mehr im Tank", erklärte Prandelli.

De Rossi zieht den Hut

"Wir hatten körperliche Probleme, aber wir haben nicht deshalb verloren, sondern weil Spanien einfach klar besser war", sagte Daniele de Rossi. (KOMMENTAR: Melodie der Künstler)

Gegen die "stärkste Mannschaft von allen" verloren zu haben, "ist für uns ein kleiner Trost", meinte Montolivo.

[kaltura id="0_dg691ehy" class="full_size" title="Spanien feiert furioses Finale"]

Italien wiedererstarkt

Ein größerer Trost dürfte die Erkenntnis sein, dass Italien nur zwei Jahre nach dem Debakel bei der WM 2010 in Südafrika schon wieder zu den besten Teams des Kontinents gehört.

Vater des Aufschwungs ist Prandelli, der nach der WM den Trainerposten von Marcello Lippi übernommen hatte, das Team umkrempelte und ihr einen offensiven Stil verordnete.

Nach dem Halbfinal-Sieg gegen Deutschland hatte der Coach mit Rücktrittsgedanken für Verunsicherung gesorgt, doch nach dem Finale sorgte er für Klarheit.

Prandelli will Projekt vorantreiben

"Die Nationalmannschaft ist ein schwieriges, aber faszinierendes Projekt. Dieses Projekt muss weitergehen, wir wollen es vorantreiben", sagte Prandelli.

Trost bekamen Prandelli, Pirlo und Co. von den italienischen Medien und vom Staatsoberhaupt (Die Pressestimmen).

"Weine nicht, Italien!", titelte "Tuttosport": "Wir fahren erhobenen Hauptes heim. Ihr seid trotzdem Champions."

Am Montag besuchen die Vize-Europameister Staatspräsident Giorgio Napolitano in seinem Palast in Rom. Dann wird womöglich auch Pirlo wieder lächeln können.

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