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Slavek (l.) und Slavko waren die Maskottchen der EM 2012 in Polen und der Ukraine © getty

Tolle Gastgeber, doch Probleme beim Transport. Das Finale hat für vieles entschädigt. SPORT1 wirft einen Blick zurück auf die EM.

Aus der Ukraine berichtet Thorsten Mesch

Kiew/Danzig - Wenn eine große Sportveranstaltung vorbei ist, stellt sich die Frage, was in Erinnerung bleibt.

Von herausragenden Ereignissen wie den Olympischen Spielen in Barcelona oder der WM 2006 in Deutschland schwärmen Sportler, Fans und Journalisten heute noch.

Die EM in Polen und der Ukraine ist zum Glück viel besser verlaufen, als es viele Kritiker vorher befürchtet hatten.

Es gab zwar hier und da Probleme, vor allem im Transportwesen, aber alles in allem lässt sich ein positives Fazit ziehen.

"Wir sind stolz auf die EM"

"Wir sind stolz auf die EM", sagte Turnierdirektor Krzystof Pohorecki. "Viele haben nicht wirklich daran geglaubt, dass wir es schaffen, und wir haben es geschafft."

Sportlich wurden nicht alle Erwartungen erfüllt, besonders die der beiden Gastgeberländer, deren Mannschaften schon in der Vorrunde ausschieden. (580882DIASHOW: Die Tops und Flops der EM)

SPORT1 wirft einen Blick zurück auf das Turnier.

Stimmung:

In Polen wurden die ausländischen Gäste freundlich und mit viel Herz aufgenommen. "Wir haben uns von unserer besten Seite gezeigt", sagte Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz.

"Die Polen leben diese EM und sind stolz darauf, dieses Turnier ausrichten zu können. Sie haben sehr viel Positives für ihr Image getan", meinte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach vor dem Abschied der deutschen Delegation aus Danzig.

Spanier und Iren in Feierlaune

In Danzig und Sopot sorgten besonders die irischen und spanischen Fans für eine außergewöhnliche Stimmung.

In der Stadt und in den Kneipen gab es nie irgendwelche Probleme, im Gegenteil. Alle feierten zusammen. (581452DIASHOW: Spanien feiert)

Die Iren feierten auch noch und sagen voller Inbrunst, als Ihr Team gegen Spanien in der Schlussphase 0:4 zurücklag. Es war ein absoluter Gänsehautmoment des Turniers.

Völlig zu Recht wurden Irlands Fans von der UEFA für ihr vorbildliches Verhalten ausgezeichnet.

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In der Ukraine war die Atmosphäre einen Tick gedämpfter als in Polen, abgesehen von den Spielen der Gastgebermannschaft.

Deutschland gegen Niederlande als Highlight

Ein Highlight war sicher das Spiel zwischen Deutschland und den Niederlanden in Charkow, aber auch die schwedischen Anhänger haben in ihrem Fancamp in Kiew Partystimmung verbreitet.

Die Fanzones in den Spielorten waren gut bis wunderschön, vor allem in Lwiw konnte man fast vergessen, dass man ja eigentlich wegen des Sports dort war.

In Kiew wurde der Prachtboulevard komplett zur Partymeile umfunktioniert. Auch in Warschau wurde dort einiges geboten.

Organisation:

Die meisten Stadien, vor allem in Warschau, Donezk und Kiew, hatten absolutes EM-Format. Lediglich das Metalist-Stadion in Charkow fiel gegenüber den anderen ab.

Das große Problem war häufig der Transport. Die Abfertigung in den Flughäfen war besonders bei den Flügen von Lwiw und Charkow zurück nach Danzig katastrophal.

Der Flughafen in Kiew war einer Finalstadt nicht würdig.

Die Zugverbindungen in Polen waren gut, in der Ukraine gab es Probleme, weil die Schnellzüge erst kurz vor der EM bereit waren und die Tickets vorher nicht verkauft wurden.

[kaltura id="0_dg691ehy" class="full_size" title="Spanien feiert furioses Finale"]

Autofahren als Abenteuer

Fahrten mit dem Auto konnten zum Abenteuer werden, von Danzig nach Warschau hingegen kam man, wenn auch über weite Strecken ohne Autobahn, gut voran.

Das Stadion in Lwiw war weit außerhalb des Zentrums und nur mit Bussen erreichbar. In Danzig fuhr die Straßenbahn zum Stadion ausgerechnet an Spieltagen nicht.

In Kiew hingegen liegt das Stadion direkt neben dem Zentrum, in Warschau mussten die Fans nur von der Innenstadt über die Wisla gehen.

Ausschreitungen in Warschau

Doch genau hier gab es die einzigen heftigen Ausschreitungen der EM, als beim Spiel Polen gegen Russland auf einer Brücke polnische und russische Hooligans aneinandergerieten.

Ansonsten verlief zum Glück alles friedlich

Insgesamt bleibt jedoch die Frage nach dem Sinn, ein Turnier in zwei Länder zu vergeben, wenn diese so gut wie nichts miteinander verbindet.

Polen und die Ukraine, so der Eindruck, haben sich eher noch auseinander dividiert als dass sie einander nähergekommen wären.

Sportliches Niveau:

Spanien hat verdientermaßen seinen Titel verteidigt und durch die Leistung beim 4:0 im Endspiel gegen Italien auch die beste Antwort auf die Kritik an der Spielweise der "Seleccion" gegeben. (BERICHT: Und am Ende gewinnt immer Spanien)

Die deutsche Mannschaft hat, abgesehen vom Halbfinale, eine gute EM gespielt.

DFB-Elf mit Verbesserungsbedarf

Taktisch und in der Defensive hat das Team von Bundestrainer Joachim Löw noch Verbesserungsbedarf.

Im Vergleich zu Spanien fehlen vor allem noch die Balance zwischen den Mannschaftsteilen und die Abgebrühtheit in kritischen Situationen.

Italien hat mit offensiverem Fußball als in der Vergangenheit überrascht, auch Portugal hat nach Anlaufschwieirgkeiten eine gute EM gespielt.

Frankreich und besonders England fehlt dagegen noch ein großes Stück zum Niveau der Top-Teams.

Enttäuschend war der Auftritt der polnischen Mannschaft, der größte Flop waren die Niederländer.

Unverständliche Technik-Ablehnung

Nicht nachvollziehbar ist, warum sich die UEFA, und vor allem ihr Präsident Michel Platini, weiter gegen die Einführung von Torlinientechnik wehren.

Dass zusätzliche Schiedsrichter nicht die Lösung sind, hat das Spiel Ukraine gegen England bezeigt.

Das Niveau war insgesamt hoch, aber bis auf das Finale und ein paar Ausnahmen war der gebotene Fußball wenig spektakulär. Das Endspiel hat für vieles entschädigt.

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