Eine einmalige Chance
Es war im Juni, am Vortag des EM-Finales in Kiew, als Michel Platini erstmals öffentlich von seiner Vision erzählte.
Der Gedanke, eine EM 2020 in 12 oder 13 Städten über Europa verteilt auszutragen, gefalle ihm ausgesprochen gut, erklärte der UEFA-Präsident damals.
Die Reaktionen reichten von "origineller Vorschlag" bis "Schnapsidee".
Nun ist es offiziell: Platinis Vision wird zur Realität. Mit allem Für und Wider.
Zum 60-jährigen EM-Jubiläum in einem Dutzend oder mehr Ländern zu spielen, soll das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb Europas stärken.
Eine schöne Geste.
Ob der Fußball aber Europa einen kann, steht auf einem anderen Blatt. Die EM 2012 hat gerade erst gezeigt, wie groß die Unterschiede tatsächlich noch sind.
Das Turnier in Polen und der Ukraine litt darunter, dass beide Länder ihr eigenes Turnier veranstalteten - was auch der Transportproblematik geschuldet war.
Es sei einfacher, von Paris nach London oder von Madrid nach Berlin zu fliegen, als von Danzig nach Charkow, führen die UEFA-Verantwortlichen an. Man kann ihnen kaum widersprechen. Auch die Suche nach Unterkünften dürfte kaum schwieriger werden als 2012.
Dass 2020 angesichts der vielen verschiedenen Austragungsorte eine echte EM-Stimmung aufkommen kann, ist allerdings (noch) schwer vorstellbar.
"Ob zehn, zwölf, 13 oder 14 Städte das Turnier austragen, werden wir noch sehen", sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino am Donnerstag.
Bleibt die Frage, in welchen Städten gespielt wird. Deutschland werde sich auf jeden Fall mit einer Stadt bewerben, erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.
Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hofft auf München, als Favorit dürfte aber Berlin gelten. Das birgt, genau wie die Frage, wo das Endspiel ausgetragen werden soll, Konfliktpotenzial.
Bis 2020 dürfte zumindest der neue Flughafen in der deutschen Hauptstadt endlich fertig sein.
Bereits vorhandene Infrastruktur soll genutzt werden, so ein Argument der UEFA. Man müsse "keine Flughäfen oder zehn Stadien" in einem Land bauen, meinte Platini im Juni.
Klingt vernünftig in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Aber auch nicht ganz uneigennützig.
Viele ausrichtende Nationen könnten dem UEFA-Boss nämlich auch viele Stimmen für seine Wiederwahl bescheren.
Ob Pro oder Contra: Die EM 2020 birgt ein einmalige Chance. Am Ende wird es darauf ankommen, was die Beteiligten aus dieser Chance machen.