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Pal Dardai wechselt 1997 von Budapest zu Hertha BSC © getty

Im Sport1.de-Interview spricht Pal Dardai über den Start in die Gruppenphase der Europa League und die Ursachen der Hertha-Krise.

Von Guido Huber

München - Die Erfolge von gestern sind Vergangenheit und abgehakt.

Hertha BSC ist nicht mehr Tabellenvierter wie zum Ende der Vorsaison, sondern 17.

Pal Dardai versucht das seinen Berliner Mannschaftskameraden mit deutlichen Worten zu vermitteln.

Und der Routinier im Hertha-Trikot hat sich für diese Woche nicht weniger vorgenommen als die Wende zu schaffen.

Zuerst soll gegen den FK Ventspils in der Europa League (ab 18.45 Uhr LIVE) ein Sieg gelingen, dann muss gegen Freiburg in der Bundesliga der nächste Dreier her. Im Klartext: "Wir werden, laufen, kämpfen, kratzen und beißen."

Was bei vielen Fußballern wie Worthülsen klingt, kann man dem Kämpfer Dardai getrost abnehmen.

Im Sport1.de-Interview spricht Pal Dardai über die Aufgabe in der Europa League, die Ursachen der Hertha-Krise und verrät seinen Pläne für die Zeit nach der aktiven Karriere.

Sport1.de: Herr Dardai, zum Auftakt in der Gruppenphase der Europa League geht es zu Hause gegen den FK Ventspils. Was haben Sie sich für die Partie vorgenommen?

Dardai: Wir haben zur Zeit eine schwere Phase, haben viele Spiele verloren. Als Sportler müssen wir aber damit klar kommen. Ich glaube, es wird nicht einfach. Trotzdem brauchen wir so schnell wie möglich einen Sieg.

Sport1.de: Mit Lissabon und Heerenveen kommen noch stärkere Gegner auf Sie zu - besteht die Gefahr, dass man den lettischen Gegner Ventspils unterschätzt?

Dardai: Nein, denn das gibt es meiner Meinung nach nicht mehr im Fußball. Auch im Pokal ist es schwierig, wenn es gegen einen Regionalligisten geht. Alle Mannschaften sind athletisch, alle Mannschaften können 90 Minuten laufen und kämpfen.

Sport1.de: Welche Chancen sehen Sie für Ihr Team in der Europa League?

Dardai: Also, wir sind sind vom Verletzungspech verfolgt. Kringe und Raffael fallen im Moment ja aus. Kacar ist auch verletzt. Mit 12, 13 Spielern kann man vielleicht drei bis vier Spiele durchstehen. Doch dann braucht man eine Pause und man muss auch rotieren. Deswegen kann ich nicht sagen: "Wir kommen ganz sicher weiter".

Sport1.de: Muss Ihrer Meinung nach im Winter personell nachgelegt werden?

Dardai: Das ist nicht mein Zuständigkeitsbereich, aber ich denke, das ist auch eine finanzielle Sache. Zu allererst ist wichtig, mit den Leuten, die da sind, bis zum Winter hart zu arbeiten. Wenn wir aus dieser Woche und auch aus dem Spiel gegen Freiburg gut heraus kommen, dann wird auch keiner mehr über den Abstieg sprechen.

Sport1.de: In der Liga steht derzeit auf dem 17. Tabellenplatz. Wo sehen Sie die Probleme?

Dardai: Diese Saison ist es so: Wir verlieren die Spiele alle knapp mit einem Tor. Das tut richtig weh. Da ist es mir lieber, eine große Klatsche zu bekommen und dann zwei-, dreimal zu gewinnen, als immer mit einem Tor zu verlieren. Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Wir müssen von der bequemen Rolle vom letzten Jahr, als es so gut lief, wegkommen.

Sport1.de: Was heißt das konkret?

Dardai: Jeder muss noch besser werden, noch mehr kämpfen und laufen, weil es nur an kleinen Dingen liegt. Eine wichtige Sache ist natürlich, dass wir noch mehr Stürmer-Tore brauchen. Wir versuchen die Stürmer zu unterstützen, vielleicht liegt es auch an unseren Pässen.

Sport1.de: Die Stürmer Marko Pantelic und Andreji Voronin haben den Verein verlassen. Wie sehr fehlen sie Hertha?

Dardai: Na ja, wenn man auf die Statistik schaut, haben wir nicht weniger Torchancen als letzte Saison. Deswegen fehlen die jetzt besonders. Aber als wir Luizao und Bobic hatten, wären wir fast abgestiegen, trotz der großen Namen. Es bringt also nichts, jetzt klug daher zu reden. Die Probleme sind die: Die Spieler sollen sich klar sein, dass die letzte Saison beendet ist. Und wir brauchen uns nicht mehr anhören, wie schön und toll alles war.

Sport1.de: In der Bundesliga spielen Sie dann am Sonntag in Berlin gegen den Aufsteiger SC Freiburg. Wie gehen Sie in das Match?

Dardai: Wir werden, laufen, kämpfen, kratzen und beißen und alles tun, was nötig ist. Dann holen wir den Sieg über den Kampf. Immer wenn es nicht läuft, muss man einfach ein Stück mehr laufen. Dann hat man auch das Publikum hinter sich.

Sport1.de: Letzte Saison bekamen die Fans 55.000 Liter Freibier, weil Sie gewettet hatten, dass in den letzten fünf Heimspielen jeweils nicht mehr als 55.000 Zuschauer kämen. Können die Anhänger auch in dieser Spielzeit auf Freibier hoffen?

Dardai: Ja, das Bier habe ich letzte Saison spendiert (lacht). Aber das hängt von einem spontanen Moment hab. Damals war ja klar, dass ich die Wette verliere und das habe ich auch gern gemacht. Aber im Moment gibt es leider nichts zu feiern, es gibt viel zu arbeiten und erst wenn es zu einer Situation kommt, in der man feiern kann, gibt es auch wieder den passenden Wett-Moment.

Sport1.de: Sie sind 33 Jahre alt. Streben Sie bald einen führenden Vereinsposten an wie ihr früherer Teamkollege Michael Preetz?

Dardai: Ich will so lange spielen wie möglich - und solange der Verein das will. Ansonsten unterschreibe ich meinen letzten Vertrag, gehe noch zwei Jahr zu den Amateuren, hole meinen Trainerschein und bleibe bei Hertha BSC. Man wird dann sehen, ob ich ein großer Trainer werde.

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