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Am ersten Spieltag der Europa League wurden auch in Berlin Torrichter eingesetzt © imago

Das Experiment der UEFA mit zwei zusätzlichen Torrichtern funktioniert am ersten Europa-League-Spieltag nur teilweise.

Frankfurt/Main - "Überflüssig", "nutzlos", "nicht fehlerlos": Mit teilweise harscher Kritik haben Trainer, Spieler und Medien auf die Torrichter-Premiere in der Europa-League reagiert.

Besonders bei Werder Bremen zeigte man sich nach einer strittigen Entscheidung in der Schlussphase des Spiels bei CD Nacional Funchal/Portugal (3:2) alles andere als zufrieden.

"Vorher habe ich eigentlich gedacht, das könnte Sinn machen. Aber nach dem heutigen Eindruck finde ich sie überflüssig", sagte Nationaltorwart Tim Wiese nach der Premiere.

Elfmeter nicht erkannt

Erhitzt hatte die Gemüter ein vom norwegischen Unparteiischen Svein Oddvar Moen nicht gegebener Elfmeter beim Stande von 2:2. Der Bremer Aaron Hunt war an der Strafraumgrenze gefoult worden.

"Im Grundsatz finde ich die Torrichter ja gut, aber dann müssen sie auch solche Sachen sehen wie diesen klaren Elfmeter", sagte Hunt.

Und Kapitän Torsten Frings ergänzte: "Eigentlich haben sie nicht viel gebracht, aber vielleicht muss sich das Ganze noch einspielen."

Nach dem Willen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) haben die hinter den Toren postierten Unparteiischen die Aufgabe, Strafraum und Strafraumnähe zu beobachten und dürfen auch den Platz betreten, so lange sie hinter dem letzten Spieler (Torwart) bleiben.

Pacult lehnt Experiment ab

Mit dem Referee sind sie per Funkmikrofon verbunden. Um zu verdeutlichen, dass die Torrichter keine Entscheidungsbefugnis besitzen, tragen sie keine Fahne.

Bereits vor der Begegnung gegen den Hamburger SV (3:0) hatte Rapid Wiens Trainer Peter Pacult seine Ablehnung gegenüber den zwei zusätzlichen Schiedsrichter offen demonstriert.

"Für mich sind es erstmal nur zwei Pinguine mehr auf dem Platz", sagte der ehemalige Bundesliga-Profi und -Trainer von 1860 München.

Labbadia zufrieden

Dagegen zog sein Gegenüber Bruno Labbadia ein positives Fazit der Neuerung. "Sie sind nicht aufgefallen, also waren sie gut", sagte der HSV-Coach nach der deftigen Niederlage.

Auch ansonsten hatten die Torrichter bei den meisten Spielen nur wenige heikle Szenen zu bewerten. Im Spiel zwischen Athletic Bilbao und Austria Wien (3:0) leistete sich das Schiedsrichtergespann allerdings eine krasse Fehlentscheidung.

Krasse Fehlentscheidung in Bilbao

Nach einer Schwalbe des Spaniers Markel Susaeta zeigte der niederländische Schiedsrichter Kevin Blom bereits nach sieben Minuten auf den Punkt und schickte die Gäste damit möglicherweise vorzeitig auf die Verliererstraße.

"Die Torrichter können funktionieren, aber sie sind auf jeden Fall nicht fehlerlos", kommentierte die italienische Sporttageszeitung "Tuttosport" den Fall.

Euphorie in Österreich

Vor dem neuen Test traten die sportlichen Ergebnisse teilweise in den Hintergrund.

Während die italienischen Medien Hohn und Spott über ihre Hauptstadtklubs AS Rom (0:2 beim FC Basel) und Lazio (1:2 gegen RB Salzburg) ausschütteten, feierte Österreich die Siege Rapids über die "Piefkes" aus Hamburg und den Erfolg des Meisters aus Salzburg in Rom.

Italien schimpft über Römer Klubs

"Lazio und AS - was für eine Blamage", titelte die römische Tageszeitung "Corriere della Sera": "Das waren Niederlagen gegen zwei Mannschaften, die nicht unbedingt zu den prestigeträchtigsten in Europa zählen."

Dagegen kannte die Freude in Österreich keine Grenzen. "Überhebliche Hamburger - topeingestellte Rapidler: Österreichs Rekordmeister fertigt HSV 3:0 ab", schrieb die Tageszeitung "Österreich".

Auf deren Online-Portal lief schon eine Diskussion darüber, ob die Triumphe Rapids und Salzburg nur eine Eintagsfliege gewesen sind.

Krawallen in Belgrad und Basel

Überschattet wurde der Auftakt der Europa League aber einmal mehr von Krawallen. In Belgrad wurde ein französischer Fan vor dem Spiel zwischen Partizan und dem FC Toulouse mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Er musste aufgrund von schweren Kopf- und Brustverletzungen zunächst wiederbelebt werden und befindet sich in einem kritischen Zustand.

Glimpflicher gingen in Basel die Randale zwischen Schweizer und italienischen Hooligans ab.

Jedoch musste die Polizei Tränengas und Gummigeschosse einsetzen, um die Fangruppen zu trennen. Dabei wurden drei Polizisten verletzt. Außerdem wurden elf Rowdys festgenommen.

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