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Nur Leverkusens Abwehr ist besser als Naldo, Per Mertesacker, Tim Wiese (v.l.) und Co. © getty

Vor dem dritten Europa-League-Gruppenspiel bei Austria Wien herrscht bei Werder Bremen eitel Sonnenschein - und das nicht von ungefähr.

Von Martin van de Flierdt

München - In diesen Tagen wird in Bremen fleißig mit Zahlen gespielt.

Vor dem dritten Gruppenspiel in der Europa League bei Austria Wien (ab 18.45 Uhr LIVE) ist Werder seit 13 Pflichtspielen unbesiegt.

Torhüter Tim Wiese hat in der Bundesliga seit 619 Minuten kein Gegentor mehr hinnehmen müssen und braucht nur noch 22 Minuten, um den Vereinsrekord von Oliver Reck aus der Meistersaison 1987/88 zu brechen.

Und schließlich könnte ein dritter Erfolg in der Europa League die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf schon so gut wie in die K.o.-Runde bringen.(DATENCENTER: Europa League)

Sport1.de nennt die wesentlichen Gründe für den Höhenflug der Bremer.

Stabilität in der Abwehrzentrale

Schon im Vorjahr glänzte Schlussmann Wiese mit sehenswerten Paraden in Serie, er erhielt aber auch viel zu häufig die Gelegenheit dazu.

Mit 20 Gegentoren war Werder nach neun Liga-Spieltagen die Schießbude der Liga.

Das Personal der Viererkette hieß - sofern nicht verletzungsbedingt variiert - Clemens Fritz, Per Mertesacker, Naldo und Sebastian Boenisch. Wie heute. Doch statt 20 stehen zum vergleichbaren Zeitpunkt nur sechs Gegentreffer zu Buche.

"Der Trainer hat am Anfang der Saison sehr viel mit Naldo und mir gesprochen. Dabei hat er uns deutlich dargestellt, wie es besser geht", berichtete Mertesacker der Syker "Kreiszeitung". "Das Ergebnis sieht man jetzt im Spiel."

Da Rechtsverteidiger Fritz zudem nach einer kompletten Vorbereitung endlich wieder konstant spielt und der talentierte Linksverteidiger Boenisch seine Fehlerquote deutlich reduziert hat, steht Werders Defensive derzeit wie eine Eins.

Abkehr vom Hurra-Fußball

An der Defensivreihe liegt es jedoch nicht allein, dass die Flut an Gegentoren der Vergangenheit angehört. "Wir arbeiten insgesamt viel besser nach hinten", sagt Torsten Frings.

"Das hat uns letztes Jahr komplett gefehlt. Wir haben uns als Mannschaft vorgenommen, das Tor bis aufs Blut zu verteidigen."

Schaaf stellt fest, dass "jeder auf seiner Position gut funktioniert und bereit ist, weite Wege zu gehen. Wir stehen besser gestaffelt auf dem Platz."

Schaafs Korrektur weg vom Hurra-Fußball habe "unheimlich gefruchtet", findet auch Sportdirektor Klaus Allofs.

Neben der Führungsqualität von Frings haben auch Rückkehrer Tim Borowski, der durchaus noch Luft nach oben hat, und Entdeckung Philipp Bargfrede zur neuen Kompaktheit beigetragen.

Kreativ-Trio schultert Diegos Erbe

War Werders Offensivspiel im Vorjahr noch ausrechenbar, weil wesentlich auf Diego ausgerichtet, so müssen Bremens Gegner in dieser Saison gleich drei Spieler auf dem Schirm haben, die zum entscheidenden Geistesblitz in der Lage sind.

"Mal schaut man nur auf Mesut Özil, aber Aaron Hunt ist da. Dann schaut man auf Hunt, und Marko Marin ist da", beschreibt Allofs die neuen Bremer Optionen.

Özil hat seine überragende Form aus dem Finale der Vorsaison über die U-21-EM bis in die laufende Spielzeit konserviert.

Hunt, zu Saisonbeginn nicht zwangsläufig für die erste Elf vorgesehen, zeigt nach einer schier unendlichen Verletzungsserie, was in ihm steckt, wenn er mal gesund bleibt: Nach 15 Pflichtspieleinsätzen hat er bereits fünf Tore und vier Torvorlagen auf dem Konto.

Marin blüht auf, seit er als "freischaffender Künstler" weitgehend ohne Deckungsaufgaben im Sturm um Claudio Pizarro herumwuseln darf.

Torgarant Pizarro trifft und trifft

Die Rückholaktion des Peruaners hat sich als eminent wichtiges, wenn nicht sogar entscheidendes Puzzleteil des Bremer Erfolgs herausgestellt.

Seit seiner Premiere am 3. Spieltag erzielte Pizarro sechs von den elf seither markierten Bremer Ligatreffern.

In der Europa League kamen vier Treffer in vier Spielen hinzu. Weil der 31-Jährige so zuverlässig zur Stelle ist, fällt bislang nicht ins Gewicht, dass ein zweiter torgefährlicher Stürmer fehlt.

Marin glänzt bislang ausschließlich als Vorbereiter. Hugo Almeida fiel wegen eine Blinddarmoperation mit anschließenden Komplikationen seit dem vierten Spieltag aus. Auch Markus Rosenberg ist gerade erst wieder fit.

Und Neuzugang Marcelo Moreno Martins zeigt sein Können bislang eher in der bolivianischen Auswahl als in Bremen.

Zuletzt traf er beim 2:1-Erfolg seiner Landesauswahl gegen Brasilien. "Vielleicht hat er zu Hause Automatismen, die er bei uns noch nicht gefunden hat", vermutet Allofs.

"Aber dort gibt es eben auch keinen Pizarro und keinen Marin."

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