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Artur Wichniarek (l.) wurde von den Hertha-Fans zuletzt ständig ausgepfiffen © getty

Hertha BSC Berlin beendet in Heerenveen mit einem Last-Minute-Sieg seine schwarze Serie und macht sich Mut für das Duell mit Köln.

Heerenveen - Ein Hauch von Wende liegt kurz vor dem 20. Jahrestag des Mauerfalls in der Berliner Luft.

Als selbst Sorgenkind Artur Wichniarek wieder einmal das Tor getroffen hatte und die Spieler mit ihren erlösten Fans Versöhnung feierten, war das Selbstvertrauen der maladen alten Dame Hertha BSC urplötzlich zurück.

Die Kampfansagen für das Bundesliga-Kellerduell mit dem 1. FC Köln (So., ab 17 Uhr LIVE) ließen nicht lange auf sich warten.

"Das ist ein Endspiel. Wir dürfen definitiv nicht verlieren, wir werden kämpfen bis zum Umfallen. Das ist jetzt unser Weg, der richtige Weg", sagte Kapitän Arne Friedrich nach dem 3:2 (1:2) beim niederländischen Pokalsieger SC Heerenveen.

Volle Konzentration auf Köln

Der erste Sieg seit dem 27. August nach zwölf Pflichtspielen ohne Erfolgserlebnis eröffnet der Hertha alle Chancen auf den Einzug in die Zwischenrunde der Europa League. (DATENCENTER: Europa League)

Die Aussichten im Europapokal waren allerdings zweitrangig. Als der Mannschaftsbus in die friesische Nacht davonbrauste, war das Motto vorgegeben:

Alle Kraft für den Abstiegskampf. "Das ist ein ganz, ganz stark richtungsweisendes Spiel. Wir wollen unbedingt gewinnen und müssen alles dafür geben", sagte Hertha-Trainer Friedhelm Funkel mit Blick auf die Partie gegen Köln.

Wichniarek tritt gegen Favre nach

Gewinnen? So richtig wussten die Hertha-Spieler gar nicht mehr, wie sich das anfühlt. Schallend lachend stieg Wichniarek in den Bus und winkte nach dem späten Siegtreffer (90.+1) fröhlich den Fans zu, die ihn zuletzt ständig ausgepfiffen hatten.

"Niemand kann wissen, wie ich mich in den letzten Wochen gefühlt habe. Aber meine Freunde und ich selbst haben an mich geglaubt. Das ist für uns alle ein glücklicher Moment", sagte der Pole.

Für Wichniarek war das erste Tor im 13. Spiel seit der Rückkehr aus Bielefeld eine Befreiung. Als Begründung, wieso es zuvor nicht gelaufen war, kam nochmal ein Nachtreten gegen seinen früheren Trainer.

"Wir haben ganz anders trainiert, das bringt uns weiter. Wir sind ja keine Automaten, jetzt kommt die Spritzigkeit zurück", sagte "König Artur" und wiederholte damit seine Angriffe gegen Lucien Favre.

Fans lassen Frust raus

In Heerenveen aber wollte Wichniarek in erster Linie einen "Neustart für die ganze Mannschaft" erkannt haben.

Alles auf Null und von vorn beginnen - wie einfach wäre das, wenn nicht schon elf Spiele gespielt wären. Die Hertha hat ganze vier Punkte. Da kann es nicht schaden, dass "die Fans uns wieder unterstützen".

Die 80 Minuten zuvor sah das in Heerenveen aber noch ganz anders aus. Die 300 unverdrossenen Anhänger, die die 650 km lange Reise in die verregnete niederländische Provinz am Ijsselmeer angetreten hatten, ließen nach dem frühen 0:1 den Frust raus.

Feuerwerkskörper wurden gezündet, im Block brannte eine niederländische Fahne. Am Ende war alles wieder gut, doch der Friede ist fragil.

"Nervenanspannung sehr hoch"

"Die Nervenanspannung bei allen Beteiligten war sehr hoch", sagte Sportdirektor Michael Preetz.

Umso wichtiger, dass Funkel auch in der Bundesliga endlich die Wende einleitet. Denn Abstiege hat er häufig genug erlebt. Zuletzt 2002 - mit dem 1. FC Köln.

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