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Gegen Valencia im UEFA-Cup hatte Eddy Schmitt (l.) vier Mal Grund zum Jubeln © getty

Gegen Valencia erlebte der Karlsruher SC 1993 im Uefa-Cup eine Sternstunde. Edgar Schmitt wurde zum Helden des Wildparks.

Von Nils Reschke

Wohl ein jeder Sportreporter träumt davon. Von diesem alles entscheidenden Aufschlag, diesem einen goldenen Moment. Oder aber eben von einer unvergesslichen Europapokal-Nacht.

Nun, die Fußball-Saison 1993/94 hielt gleich zwei ganz besondere Begegnungen für die Geschichtsbücher bereit. (DATENCENTER: Europa League 2009/10)

Die eine spielte sich im Dezember im Bremer Weserstadion ab, wo der SV Werder den RSC Anderlecht trotz 0:3-Pausenrückstandes noch 5:3 in die Knie zwang. Doch schon einen Monat zuvor stand der Wildpark Kopf.

Eine Sternstunde im Europapokal

Jörg Dahlmann, der Mann vor dem Mikro, konnte sein Glück nicht fassen.

Und er ließ es jedem Zuschauer, der an diesem Abend wie entfesselt vor dem Fernseher saß, auch wissen: "Wie aus einem Guss. Eine Sternstunde im Europapokal. Das ist nicht möglich, das ist unglaublich, unfassbar, ich raffe es nicht! Liebe Leute, wie schön kann Europapokal sein. Lieber KSC, wir danken euch!"

Dabei war gerade einmal erst eine gute Stunde verstrichen. Und doch hatte Karlsruhe soeben das 6:0 gegen den großen FC Valencia markiert, gegen den die Badener noch im Hinspiel 1:3 verloren hatten.

Und ein Mann, der gerade sein viertes Tor in diesem Spiel geschossen hatte, wurde nach dem Schlusspfiff auf Schultern getragen. 92318(DIASHOW: Deutsche Europacup-Wunder)

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Superstar Predrag Mijatovic und zwei Mal Liuboslav Penev hatten am 20. Oktober 1993 im Estadio Luis Casanova dem KSC schon den vermeintlichen Todesstoß versetzt.

Doch dann hielt der Stürmer aus Rittersdorf mit seinem Tor in der 80. Minute die Karlsruher Hoffnungen am Leben: Edgar Schmitt, von dem bis dato nur wenige Notiz genommen hatten, was wenig verwunderlich war.

Schmitt war ein echter Spätzünder, unterschrieb erst mit 28 Jahren seinen ersten Profivertrag.

Doch um ein Haar wäre der KSC-Angreifer niemals bei dieser denkwürdigen Partie dabei gewesen. Es ist müßig, heute darüber zu diskutieren, ob es jemals zu diesem "Wunder vom Wildpark" gekommen wäre.

Aus Looping-Schmitt wird Euro-Eddy

Eine Woche vor dem Rückspiel überstand Schmitt einen schweren Autounfall.

Wer den Schaden hatte, brauchte für den Spott nicht zu sorgen: Der Boulevard taufte ihn Looping-Schmitt, weil sich sein Wagen bei dem Crash gleich vier Mal überschlug.

Vier Mal ließ es Edgar Schmitt dann allerdings auch an jenem denkwürdigen 2. November krachen! Nach einem genialen wie unwiderstehlichen Außenrist-Pass von Manni Bender und einem perfekten Volleyschuss stand es 2:0 für den KSC.

Der Karlsruher Wildpark und Coach Winnie Schäfer waren nicht mehr zu bändigen, Euro-Eddy war geboren.

Und er hebt und hebt und...

Was angesichts des rauschenden Torfestivals gerne schnell vergessen wird:

Im KSC-Kasten zog zuvor Oliver Kahn, der seine glorreiche Karriere im darauf folgenden Sommer bei den Bayern fortsetzen sollte, Valencias Offensive mit drei ganz starken Paraden den Zahn.

Und noch vor der Pause traf Rainer Schütterle mit einem tollen Lupfer zum 3:0. "Zugabe! Zugabe!" schallt es von den Rängen. Ins Mikrophon faselt Dahlmann wie paralysiert: ?"Ein klasse Heber. Ach, ich liebe Leute, die Heber machen. Und er hebt und hebt und hebt und hebt ? hinein ins Tor."

Vier Wörter: Das Wunder vom Wildpark

Als direkt nach dem Seitenwechsel dann auch noch Waleri Schmarov zum 4:0 einnetzte, brachen alle Dämme.

Das Stadion sang "Eviva Espana", Euro-Eddy machte sein zweites Doppelpack an diesem Abend und Slaven Bilic setzte diesem unfassbaren Europapokal-Match in der Schlussminute die Krone auf.

"7:0 ? das muss man sich auf der Zunge zergehen lasssen", jubelte Jörg Dahlmann. "Ein wunderschöner Abend in Karlsruhe. Danke Karlsruher SC, ihr habt wunderbar gespielt."

Und Michael Wittwer, einer der Europacup-Helden, antwortete einst auf die Frage, welche drei Wörter er mit dem Valencia-Spiel verbinde: "Das Wunder vom Wildpark, vier Wörter!"

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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