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Hugo Almeida schoss in der Europa-League-Saison drei Tore für Bremen © getty

Bremen liefert gegen Valencia eine spektakuläre Show, jedoch ohne Happy End. Ein strategischer Fehler erweist sich als fatal.

Aus Bremen berichtet Jan Wilke

Bremen - Um 20.51 Uhr war es traurige Gewissheit, auch für die Besucher der Südtribüne: Abpfiff. Kein weiteres Wunder von der Weser.

Das 4:4 zwischen Werder Bremen und dem FC Valencia im Rückspiel des Europa-League-Achtelfinals war zwar gewohnt spektakulär - aus Sicht der Hanseaten aber im negativen Sinne atemberaubend.

Vorne hui, hinten noch mehr pfui: Frei nach diesem Motto unterliefen der aufopferungsvoll kämpfenden Elf von Thomas Schaaf immer wieder Defensiv-Patzer, die die Gäste aus Spanien eiskalt bestraften. Dreimal David Villa (2./45./66.) und Juan Mata (15.) brachten Valencia ins Viertelfinale (DATENCENTER: Europa League).

Für Klaus Allofs unverständlich. "So ein Spiel darf nicht 4:4 ausgehen", erklärte der Bremer Geschäftsführer214851 (DIASHOW: Die Bilder der Achtelfinal-Rückspiele).

Fehlende Cleverness

Man konnte Allofs nicht widersprechen. Trotz der Tore von Hugo Almeida (26.), Torsten Frings (57.), Marko Marin (62.) und Claudio Pizarro (84.) sowie zahllosen Großchancen muss Werder den Traum begraben, die Europa League im Stadion des Erzrivalen Hamburger SV zu gewinnen.

"Wir waren einfach nicht aufmerksam genug. Dass wir heute ausgeschieden sind, ist unverständlich", ärgerte sich Allofs. In der Tat offenbarte Werder gegen Valencia vor allem fehlende Cleverness.

Die Bremer Defensive hielt vor allem in der Anfangsviertelstunde brav Abstand zu den vor dem Spiel hoch gelobten "Zauber-Zwergen" Villa und David Silva in der Offensive der Gäste. Die Folge: ein schnelles 0:2 - das Spiel war im Prinzip vorbei, bevor es richtig angefangen hatte.

Die ungeschriebenen Gesetze

Im Prinzip. Denn nach ungeschrieben Bremer Fußballgesetzen wächst Werder traditionell über sich hinaus, wenn die Lage hoffnungslos erscheint.

Und die Grün-Weißen waren wenig später dank Hugo Almeidas Tor in der Tat für kurze Zeit wieder drin in einem "total verrückten Spiel", wie es der Portugiese im Gespräch mit Sport1.de bezeichnete.

"Wir haben uns so viele Hochkaräter rausgespielt", ergänzte der agile Marko Marin geknickt.

Weil die Bremer diese in Halbzeit eins aber mit Ausnahme von Almeida nicht nutzten, standen sie nach dem 1:3 durch David Villas zweites Tor schon beim Gang in die Kabine vor dem Aus.

Anrennen statt Geduld

Trotzdem fand Werder erneut zurück in eine denkwürdige Partie. Dank der Tore von Frings und Marin hatten die Hausherren gar den Sieg vor Augen. "Werder war stark. Da haben wir etwas Angst bekommen, dass es schief gehen könnte", erklärte Valencias Matchwinner Villa.

Aus der Unsicherheit der Spanier schlug Werder allerdings kein Kapital.

Statt in den fast 30 verbleibenden Minuten geduldig auf Fehler der ebenfalls wackeligen Gäste-Abwehr zu warten, rannten die Grün-Weißen weiter an. Die Strafe folgte prompt.

Der überragende Villa sorgte per Konter mit seinem dritten Tor für den K.o., Pizarros späterer Ausgleich war zu wenig.

"Nicht abgeklärt genug"

Eine Alternative zur bedingungslosen Alternative in der entscheidenden Phase des Spiels sah Hugo Almeida nicht.

"Hier hätte jede Mannschaft weiter Druck gemacht. Wir waren einfach nicht abgeklärt genug", sagte der portugiesische Stürmer.

So blieb Werder am Ende nur eines: die Gewissheit, seinen Fans mal wieder einen außergewöhnlichen Abend geboten zu haben ? nur ohne das sonst so selbstverständliche Happy End.

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