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Der Hamburger SV trifft im Viertelfinale auf Standard Lüttich © getty

Trotz vier Gegentoren gegen Anderlecht steht der HSV im Viertelfinale. Jansen nimmt die Pleite mit Humor. Petric ist kritisch.

Brüssel - Bangen, zittern, jubeln - die Unterhaltungskünstler vom Hamburger SV tanzen auf europäischer Fußball-Bühne weiter auf der Rasierklinge und stürzen die Fans von einer Ohnmacht in die nächste.

"Wir sind halt der HSV. Wir machen nun mal nicht die langweiligen Spiele. In so einem Hexenkessel ergeben sich manchmal solche Spiele, das wollen die Fans sehen", sagte Nationalspieler Marcell Jansen nach dem Einzug ins Viertelfinale der Europa League und einem Wechselbad der Gefühle.

In der Runde der letzten Acht treffen die Hanseaten am 1. und 8. April wieder auf ein belgisches Team - Standard Lüttich. (DATENCENTER: Europa League)

Spektakel mit Happy-End

Der HSV lieferte den 1000 mitgereisten Anhängern ungewollt zum wiederholten Male ein Spektakel und schrammte nach dem 3:1-Sieg vor einer Woche am Donnerstag mit dem 3:4 (1:2) im Achtelfinal-Rückspiel beim belgischen Rekordmeister an einem Debakel vorbei. 214851DIASHOW: Die Achtelfinal-Rückspiele

Ganz so unbekümmert wie Jansen blickte Mladen Petric nicht auf die Berg- und Talfahrt, die Hamburg wie schon in der Runde zuvor beim PSV Eindhoven (2:3) das Weiterkommen und damit auch das Finale im eigenen Stadion am 12. Mai hätte kosten können.

"Hätte in die Hose gehen können"

"Das Spiel ging an die Nerven. Die Euphorie ist bei uns nicht ganz so groß. Man muss auch schon auf einige Sachen kritisch schauen. Das hätte gut in die Hose gehen können", sagte der Stürmer, der mit seinem Tor zum 3:4 (75.) die Runde der letzten Acht endgültig sicherte.

Petric sprach an, was alle dachten: So erreicht man nicht das Endspiel. "Das Finale ist das, was die ganze Stadt will. Das ist unser Ziel", sagte der Kroate, der weiß, dass man die Fahrlässigkeiten im Defensivverhalten gegen die noch verbliebenen Spitzenteams in Europa nicht immer ausbügeln kann.

Labbadia erleichtert

Bei Trainer Bruno Labbadia überwog die Erleichterung nach den turbulenten 90 Minuten. "Wir hätten es ein Stück entspannter machen können", sagte der Coach. In der Tat.

Nach wackeligen drei Anfangsminuten kontrollierte Hamburg das Spiel und ging durch Nationalspieler Jerome Boateng (42.) in Führung.

Dann folgte ein "Tiefschlaf", noch vor der Pause kassierte man Gegentore von Romelu Lukaku (44.) und Matias Suarez, der einen von Boateng verschuldeten Foulelfmeter verwandelte (45.+3).

Dem Ausgleich von Jansen (54.) folgten prompt die Gegentore von Lucas Biglia (59.) und Mbark Boussoufa (66.) zum zwischenzeitlichen 2:4.

Petric erlöst den HSV

Dann erlöste schließlich Petric die HSV-Gemeinde. Die Ordnung sei laut Labbadia gut, das Zweikampfverhalten allerdings schlecht gewesen. "Wir müssen uns aber auch am Positiven festhalten: Wir haben die Qualität, jederzeit Tore zu erzielen", sagte der Trainer.

Ob das weiter so gut geht, darf bezweifelt werden.

Defensive bereitet sorgen

Acht Gegentore innerhalb von fünf Tagen, rechnet man das 2:4 in Leverkusen ein, sind bedenklich, viel Zeit, um solche Fehler einzustellen, ist nicht da. Labbadia macht die Defensiv-Schwächen auch daran fest, dass Spieler wie Boateng nach Verletzungspausen keinen "Rhythmus" haben.

Der ehemalige Bundesliga-Profi blickt dennoch optimistisch nach vorne, auch auf das schwere Heimspiel im Kampf um wichtige Punkte für die Europacup-Plätze am Sonntag (ab 15.15 Uhr LIVE) gegen den Zweiten Schalke 04: "Wir haben das Ergebnis geliefert und zwei Runden nach dem Jahreswechsel geschafft. Das sollte uns einen Schub geben für Schalke 04."

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