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Huub Stevens (l.) führte Piotr Trochowski und Co. zweimal in den UEFA-Cup © imago

Sport1.de-Experte Huub Stevens analysiert vor dem Duell gegen Standard Lüttich die Probleme bei seinem ehemaligen Verein.

Von Mathias Frohnapfel und Martin Hoffmann

München - Es sind turbulente Zeiten beim Hamburger SV vor dem Europa-League-Hinspiel gegen Standard Lüttich (ab 20.50 Uhr LIVE) .

Sport1.de-Experte Huub Stevens hat mit dem Klub aber ganz andere Dinge erlebt. Der HSV war Tabellenletzter in der Bundesliga, als der niederländische Coach ihn 2007 übernahm.

Innerhalb von 15 Spielen bewahrte Stevens die Hanseaten nicht nur vor dem Abstieg, er führte sie noch über den Umweg UI-Cup ins internationale Geschäft.

Doch der Retter von damals sieht die aktuelle Situation des HSV mit Sorge, er ist gut genug mit den Eigenheiten des Klubs vertraut.

"Vom richtigen Fußballgeschehen wenig Ahnung"

"Ich finde, beim HSV gehen zu viele Leute in die Öffentlichkeit, die das gar nicht tun müssen", erklärt er gegenüber Sport1.de.

Dort müsse sich eigentlich nur Trainer Bruno Labbadia äußern, findet Stevens.

Stattdessen "erscheinen bestimmte Leute wieder, die vom richtigen Fußballgeschehen wenig Ahnung haben. Sie tun so, als ob sie den Trainer stützen würden. Aber das ist nicht so", sagt Stevens.

Erinnerungen an Beiersdorfer

"Das war bei Sportdirektor Didi Beiersdorfer auch so", erinnert sich der Coach: "Das ist schade für die Fans und auch den Verein."

Aus Stevens' Sicht hat es "einfach zu lange gedauert, einen neuen Sportdirektor zu benennen".

Und mit Blick auf den baldigen Amtsantritt von Urs Siegenthaler meint Stevens: "Der neue Sportdirektor sollte auf jeden Fall entsprechende Freiräume bekommen, die Fehler von damals dürfen nicht wiederholt werden."

"Keine unabdingbaren Treueschwüre"

Ob Labbadia noch eine Rolle spielt, wenn Siegenthaler seine Arbeit aufnimmt, erscheint zunehmend fraglich.

"Fakt ist, dass wir, wie bei der Verpflichtung, weiterhin das Ziel haben, langfristig mit Bruno Labbadia zu arbeiten", sagt Hamburgs Vorstandschef Bernd Hoffmann nun in der "Welt".

Im selben Atemzug kommt aber die Einschränkung: "Sie wissen, dass es in diesem Geschäft keine unabdingbaren Treueschwüre gibt."

Chance auf Wiedergutmachung

Die Europa League ist aber Labbadias große Chance, das schwindende Vertrauen wieder zu festigen - gerade mit Blick auf das Heimfinale in Hamburg.

Ein Erfolgserlebnis gegen Lüttich würde die Lage nach der bitteren Niederlage in Mönchengladbach beruhigen, das weiß auch Stevens.

"Gegen Lüttich können die Spieler jetzt zeigen, dass sie Qualität haben. Das Spiel ist eine Chance für sie."

Trainerwechsel mit Wirkung

Stevens kennt Lüttichs Qualitäten, er ist in der ersten K.o.-Runde mit Salzburg an den Belgiern gescheitert (DATENCENTER: Europa League).

"Das ist eine fußballerisch gute Mannschaft, die unter dem neuen Trainer Dominique D'Onofrio gut organisiert auftritt", sagt Stevens.

D'Onofrio hat im Februar die Nachfolge des Rumänen Laszlo Bölöni angetreten. Stevens sieht die Spieler seitdem "in einer besseren Verfassung als vor dem Trainerwechsel".

Hamburg für Stevens Favorit

Lüttich habe spielstarke Akteure wie Mittelfeldspieler Axel Witsel oder die Stürmer Dieumerci Mbokani, Igor de Camargo und den einmal fast in Hamburg gelandeten Milan Jovanovic.

"Das sind alles Leute, die gut mit der Kugel umgehen können", warnt Steven.

Trotzdem sieht er seinen Ex-Klub als Favoriten: "Ich glaube, dass der HSV mehr Qualitäten hat als Standard Lüttich. Doch Lüttich ist ein gefährlicher Außenseiter."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Hamburger SV: Rost - Demel, Boateng, Mazhijsen - Aogo - Jarolim, Ze Roberto - Pitroipa, Trochowski - van Nistelrooy, Petric

Lüttich: Bolat - Camozzato, Victor Ramos, Felipe, Pocognoli - Mangala, Nicaise - Witsel, de Camargo, Jovanovic - Mbokani

Schiedsrichter: Atkinson (England)

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