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Ruud van Nistelrooy erzielte bisher in der Europa League zwei Tore für den HSV © getty

Der Hamburger Stürmer hat sich gegen Lüttich viel vorgenommen. Doch die Drucksituation für das Team könnte kaum größer sein.

Von Mathias Frohnapfel

München - In erster Linie ist Ruud van Nistelrooy Fußballprofi.

Und doch muss auch der Starspieler des HSV aktuell als Diplomat fungieren.

Vorm Alles-oder-Nichts-Spiel bei Standard Lüttich (ab 20.50 Uhr LIVE) hoffen die Hamburger Anhänger auf ebenso ehrliche wie zuversichtliche Worte des Niederländers.

Denn nach der Talfahrt in der Bundesliga soll zumindest in der Europa League keine unliebsame Überraschung mehr folgen.

Vorsprung denkbar knapp

Die Hamburger müssen im Viertelfinale einen knappen 2:1-Erfolg aus dem Hinspiel verteidigen und zeigen, dass sie doch noch mit Herzblut spielen können.

Im Brotgeschäft Bundesliga waren sie davon sowohl beim 0:1 in Gladbach als auch beim 0:0 in Hannover so weit entfernt wie der Elbstrand von der Südsee.

"Es ist nicht so, dass wir in der Bundesliga mit weniger Motivation auf den Platz gehen als in der Europa League", sagte van Nistelrooy der "Bild".

Seine Erklärung ist vielmehr, dass im europäischen Wettbewerb Gegner wie Eindhoven, Anderlecht und Lüttich "mehr mitspielen".

Van Nistelrooy: "Die gute Flanke fehlt"

"Auf den letzten 30, 40 Metern fehlt unserem Spiel der letzte Pass, die gute Flanke", stellt er zudem fest. "Bei den Bällen, die ich im Moment bekomme, habe ich sofort den Gegner im Rücken."

Der 33-Jährige macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, gibt auch zu, dass er sich in Hamburg mehr erhofft habe.

"Man will um den zweiten oder dritten Platz kämpfen. Um die Teilnahme an der Champions League oder den Titel."

Stürmer will kämpfen

Doch Lamentieren nützt nichts. "Jetzt kämpfe ich dafür, unsere Situation besser zu machen", sagt van Nistelrooy - wieder diplomatisch.

Im Hinspiel traf van Nistelrooy für die Hamburger und auch an diesem Abend könnte er für den Klub, die Teamkollegen und den Trainer Gold wert sein.

Es ist hilfreich diese HSV-Bestandteile aufzählen, um klar zu machen, um wieviel es für die Hanseaten geht.

Alles steht auf dem Spiel

Wie im Vorjahr, als man sich unter Trainer Martin Jol denkbar knapp in die Europa League rettete, drohen die Rothosen fast alles zu verspielen.

Aktuell ist angesichts von nur drei Siegen in den vergangenen zwölf Liga-Begegnungen der Job von Trainer Bruno Labbadia in Gefahr.

Die Mannschaft muss sich den Vorwurf gefallen lassen, gerade dann in Krisen zu geraten, wenn es in der Saison ernst wird.

Und der HSV-Vorstand muss sich mal wieder der Diskussionen stellen, ob der Kader ausgeglichen genug besetzt ist.

Hoffmann: Fokussierung fehlte

Vorstandsboss Bernd Hoffmann spricht vorm Viertelfinale in Belgien im "kicker" offen die "fehlende Fokussierung auf einige Bundesligaspiele" an.

Immerhin sei die aber auf der Bühne Europa zu spüren gewesen.

"Ich glaube ohnehin, dass wir insgesamt einen guten Geist in der Mannschaft haben", formuliert Hoffmann.

Spielt Guerrero?

Dass jetzt der Korpsgeist beschworen werden muss, ist kein gutes Zeichen.

Beim HSV sind die Nerven angespannt, wofür der Flaschenwurf von Paolo Guerrero nur ein weiteres Zeichen war.

Das DFB-Sportgericht hat den Stürmer für fünf Spiele gesperrt, in der Bundesliga wird er damit in dieser Saison keine Partie mehr machen.

Gut möglich aber, dass ihm Trainer Labbadia in Lüttich trotzdem aufs Feld schickt.

Angst vor negativer Stimmung

"Wir lassen uns durch den externen Druck nicht von unserem Weg abbringen. Ich hoffe, dass sich nicht jeder von dieser negativen Stimmung beeinflussen lässt", beschwört Trainer Labbadia sein Team.

Die Fans haben derweil unter der Woche am Hamburger Trainingsgelände ein gigantisches Plakat enthüllt. Der Schriftzug "Gemeinsam die Wende schaffen! - Wir für Euch - Ihr für uns" ist deutlich.

In Lüttich werden die Hamburger auf einen äußerst ehrgeizigen Kontrahenten treffen und sollten doch die Aufgabe meistern können.

Trotz aller Krisen: Dieses Selbstvertrauen haben die Hamburger noch. "Wenn jeder 100 Prozent bringt, sind wir besser und werden am Ende lachen", meint Kapitän David Jarolim.

Diplomat und Fußballprofi van Nistelrooy hätte es nicht besser ausdrücken können.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen

Hamburg: Rost - Demel, Boateng, Mathijsen (Rozehnal), Aogo - Jarolim, Ze Roberto (Rincon) - Pitroipa, Torun - van Nistelrooy, Petric

Lüttich: Bolat - Camozzato, Victor Ramos, Mangala, Pocognoli - Goreux, Witsel, Carcela-Gonzalez - de Camargo, Jovanovic - Mbokani.

Schiedsrichter: Pedro Proenca (Portugal)

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