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Bruno Labbadia kam im Sommer 2009 zum Hamburger SV © getty

Nach dem 3:1-Erfolg bei Standard Lüttich steht der HSV im Europa-League-Halbfinale. Und nutzt die Gelegenheit zur Medienkritik.

Von Martin van de Flierdt

München - Er nahm den Kopf weit zurück, dann nickte er mit dem Schwung aus dem Oberkörper und drehte jubelnd ab.

Torschütze Mladen Petric dürfte den Treffer zum 0:1 des Hamburger SV im Rückspiel des Europa-League-Viertelfinals bei Standard Lüttich ähnlich erlebt haben (19.).

Doch die Rede ist von seinem Trainer Bruno Labbadia, der - ganz im Stile des gereiften Torjägers - den Ball von der Seitenlinie aus mit ins Tornetz wuchtete.

"Ich war sehr entspannt", meinte Labbadia später nach dem 3:1-Erfolg seiner Mannschaft. In diesem Moment wirkte er dann tatsächlich gelöst, anders als es zuvor am Platzrand den Anschein gehabt hatte.

Letzteres hatte durchaus seine Gründe, denn nach den jüngst wenig berauschenden Auftritten des HSV in der Bundesliga war die Begegnung in Lüttich medial zum "Endspiel" für den Trainer ausgerufen worden.

"Die Bewertung war so, als sei ich der Blindeste", fand Labbadia. Dabei habe er im Vorjahr Bayer Leverkusen ins DFB-Pokal-Finale geführt und nun den HSV in die Vorschlussrunde der Europa League, nur noch einen Schritt vom erträumten Endspiel im eigenen Stadion entfernt.(DATENCENTER: Ergebnisse der Viertelfinals)

Aber die Stimmung im Klub werde dargestellt "wie bei einem Tabellenletzten". "Die größte Krisenmannschaft Deutschlands", sagte der Coach mit einem Anflug von Sarkasmus, "steht im Halbfinale."

Nun gegen Fulham

Dort geht es am 22. und 29. April gegen den FC Fulham, der den VfL Wolfsburg ausgeschaltet hat. Einen gewaltigen Anteil am Vorstoß ins Semifinale hatte Mladen Petric, dem neben dem eingangs erwähnten Kopfball zum 0:1 ein sensationeller Fallrückzieher zum 1:2 (35.) glückte.

Zu einem Zeitpunkt, zu dem Standard nach dem Ausgleichstor von Ivan de Camargo (32.) in die Partie hineinzukommen drohte.

"Natürlich war Robbens Tor schön", sagte Petric befragt danach, ob sein Treffer aus ästhetischer Sicht dem Knaller des Münchner Niederländers in Manchester Stand halte. "Aber meins war es ein Stückchen mehr, keine Frage."

Guerreros Tor nach harter Woche

Das dritte Hamburger Tor fiel nüchtern betrachtet in die Kategorie "Aufhübschen eines ohnehin ansehnlichen Resultats". Da der Torschütze allerdings den Namen Paolo Guerrero trug (90.+3), war es doch bemerkenswert.

"Ich habe mich vor allem für einen Spieler gefreut, der sieben Monate verletzt war", sagte Labbadia und wischte damit die Flaschenwurf-Affäre zur Seite, aufgrund derer der von einem Kreuzbandriss genesene Peruaner in der vergangenen Woche einen öffentlichen Spießrutenlauf hatte absolvieren müssen.

"Wir müssen schauen - beide Seiten - welche Grenzen wir bereits überschritten haben", gab Labbadia zu bedenken. Torhüter Frank Rost stimmte ihm dahingehend zu.

Rost mit Medienschelte

Es sei schon erstaunlich, "dass selbst seriöse Medien wie beispielsweise der Spiegel" sich einseitig zu Sachverhalten äußerten, ohne die Hintergründe zu kennen. Wobei er betonte, dass er damit niemandem verbieten wolle, eine Meinung zu haben. Nur müsse sie eben fundiert sein.

Nach Ansicht des DFB-Kontrollausschusses erfordert der Flaschenwurf eine Sperre von fünf Spielen, die die Bundesliga-Saison für Guerrero beendet. Beim HSV denkt man, dass sich der Ausschuss von der öffentlichen Diskussion strafverschärfend hat beeinflussen lassen.

"Wir werden Einspruch einlegen", kündigte Vereinssprecher Jörn Wolf an. "Es wäre ein Traum, wenn ich vor Saisonende noch einmal in der Liga spielen dürfte", sagt Guerrero selbst.

"Es war eine schwierige Woche für mich und eine Sache, die ich jetzt vergessen will. Zum Glück habe ich ein Tor schießen können. Wir sind weiter und ganz Hamburg ist glücklich."

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