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Lorenz-Günther Köstner trainierte auch Unterhaching und Köln in der Bundesliga © getty

Der Interimscoach nimmt Wolfsburgs Aus in der Europa League auf seine Kappe. Sein Nachfolger soll noch im April benannt werden.

Wolfsburg - Auf das Europacup-Aus folgte der vorweggenommene Abgesang:

Mit einer ungewöhnlichen Selbstanklage bereitete Übergangstrainer Lorenz-Günther Köstner vom Deutschen Meister VfL Wolfsburg seinen schon längst besiegelten Abschied zum Saisonende vor.

"Wenn die Mannschaft nicht mit dem nötigen Biss ins Spiel gegangen ist, muss ich das auf meine Kappe nehmen. Ich habe nicht die richtigen Mittel gefunden - auch nicht bei den Auswechslungen. Das tut mir leid", sagte Köstner.

Dagegen nahm er seine Spieler nach dem 0:1 (0:1) im Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Fulham, das nach dem 1:2 im Hinspiel das Ende aller Europa-League-Träume bedeutete, kurioserweise aus der Schusslinie.

"Die Mannschaft hat bis zum Schluss alles versucht. Ich kann ihr nichts vorwerfen", sagte der 58-Jährige: "Das Erreichen des Viertelfinals ist ein gutes Ergebnis, deshalb sollte sich das Team von diesem Ausscheiden nicht lähmen lassen."

Köstner selbst diente dabei allerdings überhaupt nicht als gutes Vorbild für eine Wolfsburger Schlussoffensive in der Bundesliga, wo der VfL als Fünfter oder Sechster immer noch den erneuten Einzug ins internationale Geschaft schaffen kann.

Kein Wort der Kritik an den Spielern

Allzu demütig nahm er den blutleeren Auftritt seiner Spieler gegen die keinesfalls unbesiegbaren Engländer hin. Keine Spur von Enttäuschung über das leidenschaftslose Spiel, kein Wort der Kritik an der mangelnden Kampfbereitschaft.

Nicht einmal die Spieler wollten sich so leicht aus der Verantwortung stehlen. "Wir hatten alle Zeit, den frühen Rückstand noch umzubiegen. Aber da kam einfach zu wenig", sagte Torwart Diego Benaglio, der als bester Wolfsburger sein Team vor einer höheren Niederlage bewahrte.

Beim 0:1 durch Bobby Zamora nach 22 Sekunden war er allerdings machtlos. Mittelfeldspieler Christian Gentner zeigte sich ebenfalls selbstkritisch: "Nach dem frühen Tor haben wir zu kopflos gespielt, keine Struktur ins Spiel bekommen und nicht ruhig genug agiert."

Steigerung ist nötig

Um zumindest die Hoffnungen in der Bundesliga zu erhalten, ist bereits am Sonntag im Gastspiel beim 1. FC Nürnberg eine deutliche Leistungssteigerung nötig.

"Es wird auch in der Bundesliga nicht einfach, die Qualifikation für das internationale Geschäft noch zu erreichen. Und mit so einer Leistung wie gegen Fulham werden wir schon gar nicht bestehen können", sagte Spielmacher Zvjezdan Misimovic.

Sollte der Sprung in die Europa-League-Plätze noch gelingen, würde Köstner, so grotesk es klingt, sogar noch als Erfolgscoach in die Vereinsgeschichte eingehen.

Als "Erfolgscoach" in Erinnerung?

Mit einem Punkteschnitt von 1,9 Zählern aus zehn Ligaspielen unter seiner Regie ist er bis jetzt jedenfalls der statistisch gesehen erfolgreichste Trainer der "Wölfe" - noch vor Meistermacher Felix Magath (1,8).

Und doch ist das Ende seiner Amtszeit eingeläutet: Köstners Nachfolger wird wohl spätestens in drei Wochen präsentiert werden.

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