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Auch Ze Roberto (l.) konnte sich in der Offensive gegen Fulham nur selten durchsetzen © getty

Die Hamburger setzen nach der Nullnummer gegen Fulham auf die Europacup-Arithmetik. Offensiv-Probleme geben Anlass zur Sorge

Von Andreas Kloo und Sven-Arne Görn

München/Hamburg - "Die beste Möglichkeit, Träume zu verwirklichen, ist aufzuwachen!", stand auf dem großen Spruchband, das die HSV-Fans vor dem Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Fulham entrollten.

Doch so richtig wachten die Hamburgerbeim 0:0 gegen die Engländer in den 90 Minuten nicht auf.

Zu sehr lähmte die Angst vor einem Gegentreffer die Offensivbemühungen: "Wir wollten einen Treffer markieren, mussten aber aufpassen, nicht in einen Konter zu laufen" erklärte Trainer Bruno Labbadia hinterher.

So scheuten die Hanseaten bei ihren Angriffen das letzte Risiko. Der HSV dominierte zwar, konnte sich aber gegen die kompakten Gäste nur wenig Torchancen erarbeiten.

Nach dem 0:0 muss das Team nun erstmals in der K.o-Runde ohne Vorsprung im Rücken die Reise zum Rückspiel antreten.

"Werden unser Tor machen"

Dennoch ist dem Team nicht bange.

Mladen Petric setzt darauf, dass Fulham zu Hause die Defensivtaktik aufgeben und mehr riskieren muss.

"Das wird uns dann sicher entgegenkommen und wenn wir die Räume clever nutzen, werden wir auch in London bestehen und unseren Traum vom Finale schaffen."

Auch Frank Rost will diesen Traum noch nicht begraben:

"Uns war eh klar, dass wir das hier heute nicht schon entscheiden", sagt der Torhüter im Gespräch mit SPORT1und ergänzt: "Wir sind auswärts immer für ein Unentschieden oder sogar einen Sieg gut."

Joris Mathjisen zieht sogar die Statistik heran: "In den letzten drei Europapokal-Auswärtsspielen haben wir insgesamt acht Tore erzielt - auch in London werden wir unser Tor machen, da bin ich sicher. Und im Rückspiel zählt jedes Tor doppelt."

Probleme im Sturm

Dennoch stellt sich die Frage, wer im Rückspiel das wichtige Auswärtstor erzielen soll.

Petric entwickelte bei seinem Kurzeinsatz nach seinem Muskelfaserriss nicht die gewohnte Durchschlagskraft. Paolo Guerrero fehlt durch seine Sperre in der Bundesliga die Spielpraxis. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ohnehin war er wegen seines Kreuzbandrisses und der anschließenden Probleme mit seiner Flugangst lange ausgefallen. Dem neuen Stürmerpaar van Nistelrooy und Guerrero fehlte so sichtlich die Bindung zueinander.

Marcus Berg ist seit Wochen außer Form. Auch das Mittelfeld strahlt derzeit zu wenig Torgefahr aus.

Trochowski gesperrt

Zu allem Überfluss fällt im Rückspiel auch noch Piotr Trochowski aus. Nach einem taktischen Foul in der Schlussphase gegen Damien Duff sah er seine dritte Gelbe Karte und ist in London gesperrt.

Zumindest besteht die Hoffnung auf ein Comeback von Eljero Elia. Der Offensivmann kehrt nach seiner Knöchel-OP gegen Hoffenheim wohl erstmals wieder in den Kader zurück.

"Ich trainiere mittlerweile jeden Tag mit dem Ball, mir geht es super", berichtet Elia über seinen aktuellen Fitnesszustand.

"Endspiel ums Endspiel"

Die Verletzungsprobleme beim HSV sind sicherlich auch Folge des Hamburger Mammut-Programms.

Die Partie gegen Fulham war das 50. Pflichtspiel der Norddeutschen in dieser Saison.

So wirkte das Team in den entscheidenden Situationen auch mental nicht ganz auf der Höhe. Flanken kamen zu ungenau, die Torschüsse waren zu schwach.

HSV-Boss Bernd Hofmann glaubt dennoch weiterhin an ein Heimspiel im eigenen Stadion:

"Die Chancen auf den Finaleinzug liegen weiter bei fünfzig Prozent. Bei Fulham haben wir nun ein Endspiel ums Endspiel."

Löw auf der Tribüne

Auch für Trainer Labbadia dürfte die Begegnung beim FC Fulham allerdings ein Endspiel sein.

Bei einer Niederlage ? so scheint mittlerweile klar ? sind seine Tage in Hamburg am Ende der Saison gezählt. Nur der Triumph in der Europa League kann den 44-Jährigen wohl noch retten.

Ein möglicher Nachfolger saß gegen Fulham bereits auf der Tribüne.

Bundestrainer Joachim Löw beobachtete zusammen mit Assistent Hansi Flick und Torwarttrainer Andi Köpke seine WM-Kandidaten Boateng, Trochowski und Aogo.

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