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Ricardo Moniz wurde nach der Entlassung von Labbadia zum Cheftrainer © getty

Ricardo Moniz feiert im wichtigsten Spiel der Saison seine Premiere als HSV-Coach. Gegen Fulham setzt er auf alte Tugenden.

Aus London berichtet Mathias Frohnapfel

London - Die Anweisung gellte über den ganzen Platz:

"Du musst schneller da sein", forderte Ricardo Moniz (Portrait) von seinem Verteidiger Jerome Boateng.

Ein kurzer Blickkontakt und die Übung lief weiter.

Moniz hat sich nicht verändert, seit er am Montag zum Cheftrainer beim HSV aufgestiegen ist.

Auch beim Abschlusstraining vor dem Alles-oder-Nichts-Spiel (ab 20.50 Uhr LIVE) im Londoner Stadtteil Fulham, achtete er akribisch genau auf jeden einzelnen Pass.

So wie er es eben als Techniktrainer unter Bruno Labbadia auch gemacht hat (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

Anspannung? Zumindest äußerlich ist sie dem 45-Jährigen nach den turbulenten Tagen beim HSV nicht anzumerken.

"Ich bin noch immer der gleiche wie vorher, das habe ich auch den Spielern gesagt. Ich habe jetzt nur mehr Verantwortung", erklärte er auf SPORT1-Nachfrage.

Und fügte an: "Ich habe mich nicht geändert in den vergangenen beiden Tagen, ich schaue, wo ich helfen und stimulieren kann."

Große Vorfreude

"Nur Freude" empfindet Moniz vor der großen Partie. "Soll ich lügen und sagen, dass es keine fantastische Erfahrung ist, in der Europa League im Halbfinale zu stehen?"

Die Feuertaufe für den Niederländer könnte allerdings im Halbfinale der Europa League kaum heftiger ausfallen.

Nach dem 0:0 im Hinspiel müssen die Hanseaten bei dem äußerst kompakten und bärbeißigen Team in der Premier League bestehen. Schon Juventus (4:1) und Wolfsburg (2:1) haben die "Cottagers" hier das Fürchten gelehrt.

Und die Hamburger kommen nach der 1:5-Blamage von Hoffenheim mit angeknackstem Selbstvertrauen. Das will Moniz jetzt als erstes aufrichten. Und er bemüht sich, den Druck zu dosieren.

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Das Finale in der eigenen Stadt erreichen zu können, ist aus seiner Sicht zwar "eine unglaubliche Motivation und historische Chance".

Aogo meldet sich fit

Andererseits warnt er in der internationalen Presserunde: "Das darf nicht zur Obsession werden". Soll heißen, die Profis dürfen auf keinen Fall verkrampfen.

Immerhin hat sich Dennis Aogo fitgemeldet.

Der Linksverteidiger musste wegen Magen-Darm-Problemen am Mittwoch zuhause bleiben, reiste aber am Donnerstagmorgen nach London nach.

Auf die äußeren Bedingungen in Fulham konnten sich die Hamburger bereits einstellen. "Das Spielfeld ist hier nicht so groß wie in Hamburg, eventuell ist das ein Vorteil für Fulham", hat Abwehrspezialist Joris Mathijen beobachtet.

Das unter Denkmalschutz stehende Stadion mit Platz für 25.700 Zuschauer wirkt verglichen mit der Arena in Hamburg wie eine überdimensionierte Puppenstube.

Er hofft auf eine offenere Auseinandersetzung als im Hinspiel, in dem die Engländer sich in der Verteidigung einigelten.

"Sie müssen jetzt mehr machen als letzte Woche", befindet Mathijsen, der kritisch zur Entlassung von Trainer Labbadia sagt: "So etwas ist auch immer eine Niederlage für die ganze Mannschaft."

"Sind auswärts gefährlich"

Zeit zum Nachsinnen bleibt aber aktuell nicht. "Wir sind Profis, das Leben geht weiter. Und wie oft steht man schon im Halbfinale der Europa League?"

Sein neuer Chefcoach macht dem Team ebenso Mut, verweist auf eine Europa-League-Stärke des HSV in dieser Saison.

"Wir sind immer in der Lage, auswärts ein Tor zu schießen."

Moniz geht auch aus einem anderen Grund zuversichtlich ins Endspiel ums Endspiel. Sein letzter Auftritt im Stadion des FC Fulham endete mit einem Sieg, Moniz arbeitete damals noch als Assistenzcoach von Martin Jol beim Stadtrivalen Tottenham.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Fulham: Schwarzer - Konchesky, Hangeland, Smalling, Hughes - Etuhu, Murphy, Davies - Duff, Gera - Zamora (Dempsey)

Hamburg: Rost - Demel, Boateng, Mathijsen, Rincon (Aogo) - Jarolim, Ze Roberto - Tesche, Pitroipa - van Nistelrooy, Petric

Schiedsrichter: Züneyt Cakir (Türkei)

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