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Hamburgs Mladen Petric (r.) und Jonathan Pitroipa sind am Boden zerstört © imago

Die Hamburger sind nach dem verpassten Europa-League-Finale am Boden. Kapitän David Jarolim findet kaum einen klaren Gedanken.

Aus London berichtet Mathias Frohnapfel

London - Englische Ordner können sehr unnachgiebig sein.

Dabei wäre am späten Donnerstagabend Jerome Boateng am liebsten hinter den Werbetafeln der UEFA verschwunden und ab zum Mannschaftsbus.

Doch der Ordner versperrte ihm den Weg. Hier entlang bitte.

Der Nationalspieler musste dann nach der 1:2-Pleite in Fulham dicht an den wartenden Journalisten vorbei.

Tieftraurige HSV-Spieler

Wortlos, ausdruckslos und abgrundtief traurig. Es war so etwas wie der letzte unangenehme Schlussakt eines Horrorabends.

Mit einem Bein waren die Hamburger nach ihrer 1:0-Führung schon im Finale gewesen, umso härter traf sie das Ausscheiden aus der Europa League. Das Endspiel im eigenen Stadion war perdu.(DATENCENTER: Das Halbfinale)

Manche wirkten auch ganz abwesend, so als ob man irgendwie aufwachen könnte aus diesem Albtraum.

"Ich kann das noch nicht ganz fassen. Das muss man erstmal verarbeiten", sagte David Jarolim. 231096(DIASHOW: Hamburgs Spieler in der Einzelkritik)

Das heißt, mit jedem Satz tastete der HSV-Kapitän nach Worten für das Unerklärliche, sprach von einem "Kampfspiel" und davon, dass der HSV "sehr konzentriert" begonnen habe.

Dann schaute er in der Mixed Zone außerhalb des Stadions "Craven Cottage" an den Reportern vorbei ins Leere.

"Der schlimmste Moment in meiner Karriere"

"Es ist schwer für uns zu sprechen. Das ist der schlimmste Moment in meiner Karriere." Der Hamburger Routinier hätte es nicht sagen brauchen, man sah es ihm an.

Interimstrainer Ricardo Moniz versuchte derweil mit einer Analyse seiner Gefühle Herr zu werden. Nach der Pause habe der HSV die Kontrolle verloren.

"Wir haben uns zu weit zurückgezogen. Das darf man gegen englische Mannschaften nicht machen."

Die Folge: Die "Cottagers" verbissen sich in Hamburgs Abwehr, drehten durch Simon Davies und Zoltan Gera die Partie.

Keine große Hoffnung in der Liga mehr

Moniz hatte das Team erst am Montag vom geschassten Bruno Labbadia übernommen, der Finaleinzug blieb ihm versagt.

Dabei kämpften die Rothosen leidenschaftlich, ließen nach der Führung durchaus ansehnlich den Ball zirkulieren.

Torschütze Petric hatte sich zumindest äußerlich gut eineinviertel Stunden nach Schlusspfiff gefasst und klagte über den abrupt unterbrochenen Spielfluss in Hälfte zwei.

"Wir müssen uns an die eigene Nase packen, weil wir es verpasst haben, die Entscheidung zu suchen", bemängelte der Kroate.

Und kommentierte imSPORT1-Interview den Endspurt in der Bundesliga: "Wir können leider nicht mehr viel erreichen."

In der Liga ist der HSV aktuell Siebter. Der Abstand zu Stuttgart auf Platz sechs, der in dieser Saison schon zur Europa League reicht, beträgt fünf Punkte.

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Kaum Chancen auf das internationale Geschäft

Sehr viel spricht daher dafür, dass das Liga-Urgestein am Saisonende ohne internationalen Platz dasteht.

"Theoretisch haben wir noch die Chance", meinte Ze Roberto. So richtig glauben mochte das an diesem Abend im Londoner Westen aber kaum einer.

Wie soll der HSV bereits am Samstag mit Power ins Spiel gegen Nürnberg gehen?

Beantworten konnte in diesem Moment ohnehin keiner, warum zum Saisonende beim HSV mal wieder fast alles in Scherben liegt.

"Wir haben erst gut gespielt, dann hatten wir viele Verletzte, auch das hat uns aus dem Rhythmus gebracht", versuchte Ze Roberto zumindest einen ersten Ansatz zu geben.

Zamora: "It was hard"

Die bittere Wahrheit: Wenn in der Nordbank Arena am 12. Mai das große Europa-League-Finale steigt, bleibt für den HSV nur die Statistenrolle.

Der FC Fulham wird sich stattdessen mit Atletico Madrid messen und gewiss nicht wieder mit dem Bus anreisen.

Stürmer Bobby Zamora lachte dröhnend, als ihn SPORT1 auf die Auswirkungen der Vulkan-Aschewolke anspricht.

"It was hard", fasste er anschließend den Coup gegen Hamburg zusammen.

"Sie haben ähnlich wie wir gespielt, waren sehr gut organisiert, ganz schwer zu knacken. Wir haben am Ende unser Glück erzwungen - wie schon in der ganzen Saison zuvor."

Denkwürdiger Abend im Craven Cottage

Auch sein Trainer Roy Hodgson lobte den Charakter des Teams, das auf der Tribüne ebenso Klubbesitzer Mohamed Al-Fayed wie Schauspieler Hugh Grant in Verzückung versetzt hatte.

Tieftraurige HSV-Profis und wieder auferstandene Whites:

Das 1896 erbaute Craven Cottage unmittelbar am Themse-Ufer hat einen weiteren denkwürdigen Abend erlebt.

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