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Roman Weidenfeller hat seit 2002 für den BVB 189 Bundesliga-Partien absolviert © imago

BVB-Keeper Roman Weidenfeller geht trotz des Vorsprungs vorsichtig ins Rückspiel bei Qarabag Agdam. Bei SPORT1 sagt er warum.

Von Thorsten Mesch

München - Ein Jahr lang haben sie gerackert und Punkte gesammelt wie die Eichhörnchen.

Nun wollen die Dortmunder in Aserbaidschan (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) die Ernte einfahren und in die Europa League einziehen.

Nach dem 4:0-Hinspielerfolg gegen Qarabag Agdam sind die Voraussetzungen ideal.

(276945DIASHOW: Europa-League-Playoffs: Die Hinspiele)

Doch für Keeper Roman Weidenfeller ist es gerade deshalb wichtig, die Spannung aufrechtzuerhalten.

Immer noch schmerzt der Gedanke an Udine. Bei den Italienern erlebte der BVB vor zwei Jahren im Elfmeterschießen unmittelbar vor der Gruppenphase das Aus.

Im SPORT1-Interview spricht Weidenfeller über die extremen Bedingungen in Aserbaidschan, den verpatzten Bundesliga-Start der Schwarzgelben, Erzrivalen Schalke 04 und die Ansprüche ans Torwartspiel.

SPORT1: Herr Weidenfeller, Ihr Team ist mit einer 0:2-Niederlage gegen Leverkusen in die Bundesligasaison gestartet. Wir bewerten Sie das Spiel mit etwas Abstand?

Roman Weidenfeller: Man muss schon ehrlich sagen, dass wir verdient verloren haben. Wir sind schlecht ins Spiel gekommen und haben es Leverkusen zu einfach gemacht. Es ist schade, dass wir verloren haben, aber wir werden deshalb nicht unruhig.

SPORT1: Inwieweit spielt das geringe Alter vieler Spieler eine Rolle?

Weidenfeller: Wir sind so eine junge Mannschaft und darauf sind wir in Dortmund alle stolz. Wir haben ein schlechteres Spiel gemacht und müssen uns gefallen lassen, dass darüber gesprochen wird. Wir sehen unsere Fehler ein und wollen alle jeden Tag dazulernen.

SPORT1: Sie spielen als Torwart hinter einer sehr jungen Abwehr. Wie sehr sind Sie als erfahrener Spieler gefordert, ihren Kollegen zu helfen?

Weidenfeller: Ich versuche, jedem einzelnen die Hilfestellung zu gegen, die er benötigt. Ich beruhige die Spieler oder muntere sie auf. Das ist meine Aufgabe als Torwart, Führungspersönlichkeit und Vize-Kapitän.

SPORT1: Wie beurteilen Sie die Neuverpflichtungen?

Weidenfeller: Ich glaube, dass wir uns auf den richtigen Positionen verstärkt haben und Spieler geholt haben, die auch charakterlich und konzeptionell zu uns passen. Jetzt müssen wir uns finden, dann werden wir auch ein geschlossenes Bollwerk sein.

SPORT1: Sie sind schon seit 2002 beim BVB. Haben Sie Ihr Torwartspiel in den vergangenen Jahren unter den verschiedenen Trainern und mit den verschiedenen Teamkollegen anpassen müssen?

Weidenfeller: Man muss das Spiel immer ein bisschen anpassen. Aber das Wichtigste ist immer noch, seine Arbeit als Torwart zu machen und den Kasten sauber zu halten.

SPORT1: Kann man nach dem 4:0 im Hinspiel der Europa League schon an die nächste Runde denken oder könnte es noch Probleme geben?

Roman Weidenfeller: Wir sind natürlich zunächst glücklich, dass wir mit diesem Vorsprung ins Rückspiel gehen. Wir hatten uns viel vorgenommen und haben es genauso umgesetzt. Das heißt aber nicht, dass es schon entschieden ist. In Aserbaidschan werden wir sehr schwierige Bedingungen vorfinden: über 40 Grad und der Platz soll sehr schlecht sein. Von daher müssen wir dort noch einmal richtig Gas geben um in die Gruppenphase einzuziehen.

SPORT1: Wie schwer fällt es, sich zwischen zwei wichtigen Bundesligaspielen auf solch eine Partie einzustellen?

Weidenfeller: Wir arbeiten ja immer ein Spiel nach dem anderen ab, daher steht am Donnerstag die Qualifikation für die nächste Runde im Vordergrund. Wir haben über zwei Jahre gebraucht, um uns wieder für den Europapokal zu qualifizieren und wir haben Woche für Woche hart dafür gearbeitet, dass wir jetzt in dieser Situation sind. Jetzt wollen wir es uns auch nicht mehr nehmen lassen. Jeder ist voll konzentriert bei der Sache.

SPORT1: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat als Ziel ausgegeben, wieder regelmäßig international mitzumischen. Halten Sie das für möglich?

Weidenfeller: Wir würden uns freuen, wenn es so wäre. Aber wir wissen auch, dass es ein sehr schweres Unterfangen wird. Die anderen Mannschaften haben sehr viel Geld investiert. Wir wollen viel durch unseren Teamgeist und unsere mannschaftliche Geschlossenheit wettmachen.

SPORT1: Sie gehörten in den vergangenen Jahren fast immer zu den besten Torhütern der Liga, wurden aber nicht in die Nationalmannschaft berufen. Vor der WM hat sich Ihr Sportchef Michael Zorc für Sie ins Zeug gelegt, aber es hat dennoch nicht gereicht. Waren Sie enttäuscht?

Weidenfeller: Es freut mich natürlich, dass andere Leute sich für mich ins Zeug gelegt haben. Auf der anderen Seite werde ich versuchen, jeden Tag mein Bestmögliches zu geben, der Mannschaft zu helfen und den einen oder anderen Punkt zu retten.

SPORT1: Sie hatten viele Verletzungen, haben sich aber immer wieder zurückgekämpft. Ist die Nationalmannschaft ein Ziel?

Weidenfeller: Mein Ziel ist es zunächst, verletzungsfrei zu bleiben und dabei zu helfen, Borussia Dortmund nach vorne zu bringen und mit dem BVB langfristig Erfolg zu haben. Ich kann meine Leistung beeinflussen, dafür werde ich alles geben. Alles andere kann ich selbst nicht beeinflussen.

SPORT1: Gucken Sie ab und zu, was momentan beim Erzrivalen Schalke so passiert?

Weidenfeller: Man guckt schon mal rüber, gerade jetzt nach dem Transfer von Raul, der klasse für die ganze Bundesliga ist. Aber auch wegen Christoph Metzelder, der lange Jahre bei uns war und ein sehr guter Freund von mir ist.

SPORT1: Metzelder wurde von den Schalke-Fans nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Was halten Sie davon?

Weidenfeller: Jeder Spieler braucht die Unterstützung der Fans, auch der Metze. Ich weiß aber, dass er seine Aufgaben erfüllen wird und den Schalkern noch Freude machen wird.

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