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Jürgen Klopp (M.) kam 2008 vom FSV Mainz 05 nach Dortmund © getty

Nach der beispiellos unglücklichen Schlappe gegen Sevilla ärgert sich Dortmund über den Unparteiischen - und über sich selbst.

Von Martin Hoffmann

München - Jürgen Klopp hatte am Ende dieses turbulenten Donnerstagsabends die schwerste Aufgabe.

Der Trainer von Borussia Dortmund musste es nach dem 0:1 zum Europa-League-Auftakt gegen den FC Sevilla irgendwie fertig bringen, etwas zu Schiedsrichter Michael Dean zu sagen, ohne die Sanktionsmaschinerie der UEFA weiter zu provozieren (293648die Bilder des Spiels).

In der ersten Aufregung war ihm schon herausgerutscht, dass er dessen Platzverweis gegen Marcel Schmelzer "absolut wahnsinnig" fand.

Später, als das Adrenalin weg war, flüchtete er sich lieber in Ironie und nannte ihn "sehr mutig". Was er aber wirklich von Deans Leistung hielt, verschwieg er mit der Begründung: "Ich bin zu jung, um nie wieder auf der Bank zu sitzen."

Beschimpfungen und Becherwürfe

Viele Dortmunder Fans zügelten sich nicht. Der englische Unparteiische musste sich auf dem Weg in die Kabine heftige Beschimpfungen anhören, Ordnungskräfte schützten ihn mit aufgespannten Regenschirmen vor heranfliegenden Getränkebechern.

Und die Tatsache, dass Deans Wikipedia-Eintrag am Morgen nach dem Spiel mit dem Satz "Worst referee ever!" begann, ist womöglich auch das Werk eines frustrierten BVB-Fans.

Das erste "echte" Europapokal-Heimspiel seit sieben Jahren war ihnen verdorben worden, aber wenigstens hatten sie zur Frustprojektion einen Schurken, der klarer definiert war als in den Spionage-Schinken aus dem Kalten Krieg (DATENCENTER: Europa League).

Dafür sorgten diverse fragwürdige Entscheidungen Deans, allen voran die gelb-rote Karte gegen Schmelzer wegen einer vermeintlichen Schwalbe, die eigentlich ein Ausweichsprung vor einem Foul war.

"Dumm", "komisch" und "ungerecht"

Auch die Dortmunder Spieler ärgerten sich darüber fast einstimmig.

"Eine dumme Karte, die keine war", sah Kevin Großkreutz. "Ungerecht" fand sie Neven Subotic. "Sehr hart" formulierte japanisch-höflich Shinji Kagawa.

Und Keeper Roman Weidenfeller, der beim Gegentor durch Luca Cigarini nicht gut aussah, fand die Schiri-Entscheidungen generell "sehr komisch".

Um dann noch zu versichern: "Das habe ich ihm auch mehrfach gesagt."

"Hätten einfach die Tore machen müssen"

Patrick Owomoyela lenkte den Blick allerdings in eine andere Richtung.

"Wir können uns natürlich über vieles ärgern", meinte der spät eingewechselte Außenverteidiger: "Aber wir hätten einfach die Tore machen müssen."

Genau das war das zweite Problem der Borussia: Dass sie es trotz nahezu beispielhafter Überlegenheit auch noch in Unterzahl, partout nicht schaffte, den Ball im Netz unterzubringen.

Klopp lässt keine Kritik zu

"Eigentlich darf man das Spiel nicht verlieren", realisierte auch Nuri Sahin. Gegen einen Gegner, den man zeitweise "an die Wand gespielt" habe.

Und Klopp hatte nach eigenem Bekunden "noch nie eine Mannschaft mit zehn Mann einen Gegner mit so einem Namen so dominieren sehen".

Sein Team dafür zu schelten, dass es daraus nichts Handfestes machen konnte, kam für den Coach nicht in Frage: "An der Mannschaft gibt es heute nichts zu kritisieren, sollte das doch jemand schaffen, verliert er meinen Respekt."

Demonstrativer Blick nach vorn

Aufbauende Worte, die wohl Not tun für ein Team, das drei Tage nach diesem bitteren Tiefschlag keinen Geringen als den FC Bayern empfängt (So., 17 Uhr im LIVE-TICKER).

Das versuchte aber auch sogleich zu vermitteln, dass es diesen Tiefschlag schon wegstecken würde.

"Nur weil wir ein Spiel verlieren, brechen wir nicht ein", zeigte sich Sahin überzeugt.

Und Großkreutz versicherte: "Wir haben Kraft ohne Ende, sind heiß und wollen Bayern wegfegen."

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