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Der VfB Stuttgart hat fünf von sechs Europa-League-Spielen gewonnen © imago

Vor dem Europa-League-Spiel bei Benfica brennt es in Stuttgart an mehreren Fronten. Fredi Bobic nimmt das Team in die Pflicht.

Stuttgart - In der Mannschaft rumort es, die Vereinsspitze kämpft gegen die Opposition und die sportliche Leitung gegen heftige Kritik:

Angesichts der zunehmenden Belastung im Abstiegskampf der Bundesliga wird die Europa League für den VfB Stuttgart zur Gruppentherapie.

Beim Hinspiel in der Runde der letzten 32 bei Benfica Lissabon am Donnerstag (ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER) will der VfB die internen Querelen ausräumen und mit einem positiven Ergebnis Mut für die schwierige Aufgabe in der heimischen Liga schöpfen.

"Wir planen keinen Betriebsausflug", sagte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic, denn "dazu ist der Europapokal für den Verein zu wichtig".

Marica zieht nicht mit

Ein Satz, der als Warnung vor allem an die Spieler zu deuten ist, denn nach der Pleite gegen den 1. FC Nürnberg (1:4) weht im Schwabenland ein rauher Wind.

Am Dienstag wurde Stürmer Ciprian Marica, der zu viel Defensivaufgaben beklagt hatte, von Trainer Bruno Labbadia "bis auf Weiteres" vom Mannschaftstraining ausgeschlossen.

"Cipi ist nicht bereit, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen", begründete Labbadia die Verbannung des rumänischen Nationalspielers.

Labbadia: Fantastische Herausforderung

Auch im Training zog Labbadia die Zügel an - zumal die Situation sogar zu eskalieren drohte.

So soll Torhüter Sven Ulreich Verteidiger Philipp Degen als "Scheiß-Schweizer" beschimpft haben. Auf eine Strafe verzichtete der Klub erst nach einer Aussprache der Duellanten vor versammelter Mannschaft.

"Lissabon ist ein Spiel für die Moral", sagte Stürmer Cacau angesichts der Streitigkeiten.

Labbadia kommt der Trip nach Portugal daher gerade recht.

"Ein Europapokalspiel ist nie störend, man muss das von der Bundesliga trennen. Wir treffen auf einen internationalen Top-Gegner, das ist eine fantastische Herausforderung", sagte er.

Probleme wegen Okazaki

Wir - das soll nach dem Willen des Klubs endlich auch Zugang Shinji Okazaki einschließen.

Der VfB kämpft mit dessen Ex-Verein Shimizu S-Pulse weiter um die Freigabe und hat Weltverband FIFA um Schlichtung gebeten. Ob Okazaki spielen darf, wird sich erst unmittelbar vor dem Spiel klären.

Opposition positioniert sich

Wohl noch länger wird den VfB die sich formierende Opposition beschäftigen. Eine Gruppe um den ehemaligen VfB-Profi Karl Allgöwer will laut Stuttgarter Medien Präsident Erwin Staudt ablösen und den Aufsichtsrat entmachten.

Als Kandidat für das Präsidentenamt gilt Björn Seemann. Der Geschäftsführer der Stuttgarter Niederlassung der Schweizer Bank Julius Bär will sich bei der nächsten Mitgliederversammlung zur Wahl stellen.

Bobic will "Selbstvertrauen holen"

Auch deshalb braucht die aktuelle Vereinsführung und die sportliche Leitung jedes Erfolgserlebnis - und wenn es in der Europa League ist.

Bobic sieht die Begegnung im Stadion des Lichts als Chance, "Selbstvertrauen zu holen".

Doch das ist in diesen Tagen leichter gesagt, als getan. Gleich vier Stammkräfte stehen Labbadia nicht zur Verfügung:

Arthur Boka, Christian Gentner und Timo Gebhart fallen verletzt aus. Zu allem Überfluss zog sich Pawel Pogrebnyak am Dienstag noch einen Rippenbruch zu und flog erst gar nicht mit nach Lissabon.

Sind aller guten Dinge drei?

Dort kämpft der VfB auch gegen einen Bundesliga-Fluch an. 2007/08 schied der 1. FC Nürnberg im damaligen UEFA-Pokal in der Runde der letzten 32 Teams ebenso in Lissabon aus wie Hertha BSC in der vergangenen Saison.

Sowohl der Club als auch die "Alte Dame" aus Berlin stiegen am Saisonende ab.

Seit der 1:2-Niederlage gegen Schalke 04 in der Champions League und dem damit verbundenen "Abstieg" in die Europa League hat Benfica kein Spiel mehr verloren.

Benfica schon acht Punkte hinter Porto

In der Liga folgten sechs souveräne Siege. Das Team von Trainer Jorge Jesus rangiert hinter Erzrivale FC Porto derzeit auf Rang zwei.

Angesichts von acht Punkten Rückstand auf die Spitze ist die Europa League neben dem portugiesischen Pokalwettbewerb die einzige Gelegenheit auf einen Titelgewinn in der laufenden Saison.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Lissabon: Roberto - Pereira, Luisao, Sidnei, Coentrao - Javi Garcia - Aimar, Gaitan, Salvio - Saviola, Cardozo

Stuttgart: Ulreich - Funk, Tasci, Delpierre, Molinaro - Kuzmanovic - Träsch, Hajnal, Harnik - Cacau, Schipplock

Schiedsrichter: Eric Braamhaar (Niederlande)

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