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Im Mittelpunkt, aber nicht dabei: Bayer Leverkusens Michael Ballack (r.) © getty

Eigentlich sollte es um das Kältespiel in Charkow gehen. Doch bei Leverkusen dreht alles um den deutschen Kapitän im Wartestand.

Von Maik Rosner

München - Am Donnerstag tritt Bayer Leverkusen in der Europa League bei Metalist Charkow an (Do., ab 16.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Ein Spiel bei eisiger Winterkälte steht bevor. Sogar über eine Absage wird spekuliert, weil Temperaturen unter minus 15 Grad drohen und der Schiedsrichter den Anpfiff verweigern könnte.

"Das ist nicht das, was man sich unter Fußball vorstellt. Trotzdem sind wir gerüstet", sagte Sportchef Rudi Völler.

Trotzdem steht die Partie im Schatten eines anderen Themas, dass bei Bayer momentan alle ganz Balla-Balla(ck) macht.

Obwohl Michael Ballack wegen einer Kniereizung nicht mit in die Ukraine reist, dreht sich fast alles um ihn.

Heynckes schweigt

Denn die Zukunft des Nationalmannschafts-Kapitäns ist ungewisser denn je - anscheinend auch im Verein.

Trainer Jupp Heynckes, dessen Verhältnis zu Ballack nicht mehr das Beste sein soll, will sich dazu derzeit nicht äußern.

Völler dagegen meinte diplomatisch: "Wir gehen gelassen mit diesem Thema um. Wir hoffen, dass Michael bald in der Verfassung ist, in der er uns richtig helfen kann. Es ist doch völlig normal, dass ein Spieler seiner Klasse derzeit unzufrieden ist."

Basler: "Der Zug ist abgefahren"

So mancher Experte rät dem 34-Jährigen dagegen inzwischen offen zum Rücktritt.

"In der Nationalelf ist der Zug abgefahren, in Leverkusen wird es schwierig für Ballack", sagte Mario Basler der "Bild":

"Ballack sollte sich überlegen, ob er sich das noch antun muss. Es ist besser, zurückzutreten, als zurückgetreten zu werden."

Sagnol: "Leben nach Karriere auch schön"

Zuvor hatte sich der ehemalige Münchner Mitspieler Willy Sagnol ähnlich geäußert.

"Wenn Michael Ballack sieht, dass er nicht auf sein altes Niveau zurückkommt, sollte er einfach aufhören. Er hat viel erlebt in seinem Fußballer-Leben und sollte ein schönes Bild hinterlassen in Deutschland", sagte der Franzose im SPORT1-Interview:

"Wenn er keinen Spaß mehr auf dem Platz hat, oder jeden Tag Schmerzen, würde ich ihm raten: Das Leben nach der Karriere ist auch schön."

Sätze, die Ballack nur ungern hören wird.

[kaltura id="0_ik28kdv8" class="full_size" title="Ballack auf dem Abstellgleis"]

Toppmöller stützt Ballack

Andere halten weiter zu dem lange verletzten, unter Heynckes aber noch nicht im Team angekommenen Mittelfeldspieler.

"Dass Jupp Heynckes Ballack nicht spielen lässt, ist Luxus. Man hat ihn doch nicht zum Warmlaufen oder für die Ersatzbank gekauft", sagte sein Ex-Coach Klaus Toppmöller.

Der ehemalige Manager Reiner Calmund, der Ballack 1999 erstmals zu Leverkusen geholt hatte, empfiehlt Diplomatie.

Sportdirektor Rudi Völler solle zwischen Heynckes und Ballack vermitteln. Denn beide hätten mit ihren Standpunkten recht.

Calmunds Verständnis

"Ich verstehe 'Balle', dass er als absoluter Leader und Topstar denkt: Ich bin gesund und muss spielen", sagte Calmund. Aber er habe auch Verständnis für Heynckes, "dass er ihn behutsam aufbaut".

Zuletzt in Nürnberg durfte Ballack von Beginn an spielen, am Samstag in Frankfurt blieb er 90 Minuten Reservist 350503(DIASHOW: Der 22. Spieltag).

Nun wirft ihn eine Kniereizung noch weiter zurück, auch seio nächstes Bundesligaspiel ist fraglich.

Und das Thema schwelt weiter. Heynckes ist längst genervt. Denn die Dauerdebatte macht alle Balla-Balla(ck) bei Bayer.

49,9 Prozent gegen DFB-Rückkehr

Der Sport-Informations-Dienst gab derweil eine Umfrage zur Zukunft Ballacks in Auftrag.

Demnach meinten 49,9 Prozent der Befragten, dass der etatmäßige Kapitän der DFB-Auswahl nach seiner langen Verletzungspause nicht mehr für die Nationalelf auflaufen solle.

38,5 Prozent der Befragten würden es dagegen begrüßen, wenn er 34-Jährige noch einmal in die Nationalmannschaft zurückkehrt.

"Rückhalt in Bevölkerung sinkt"

Vermeldet wurde das Umfrageergebnis am Mittwoch übrigens unter der Schlagzeile: "Ballack: Rückhalt in der Bevölkerung sinkt."

Es ging allerdings nicht um einen Bundeskanzler, sondern Fußballer.

Alles irgendwie Balla-Balla(ck) bei Bayer.

Die voraussichtliche Mannschaftsaufstellung:

Leverkusen: Adler - Schwaab, Hyypiä, Friedrich, Kadlec - Bender (Vidal), Rolfes - Sam, Renato Augusto, Castro - Derdiyok (Kießling)

Schiedsrichter: Serge Gumienny (Belgien)

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