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Martin Harnik schoss in dieser Saison sieben Tore in 22 Bundesliga-Spielen © getty

Bei SPORT1 spricht Stuttgarts Martin Harnik über den Abstiegskampf, den Torwartwechsel und das Europa-League-Duell mit Benfica.

Von Matthias Becker

München/Stuttgart - Martin Harnik zählt in dieser Saison zweifellos zu den wenigen Lichtblicken beim VfB Stuttgart.

Im vergangenen Sommer aus der Zweiten Liga von Fortuna Düsseldorf gekommen, avancierte der Stürmer zum Top-Joker seines neuen Teams.

Trotzdem stecken die Schwaben schon seit Monaten im Tabellenkeller fest.

Im Interview mit SPORT1 spricht der 23-Jährige über die aktuelle Situation im Abstiegskampf, den Torwartwechsel von Sven Ulreich zu Marc Ziegler und das Europa-League-Duell mit Benfica Lissabon (ab 20.50 Uhr im LIVE-TICKER).(DATENCENTER: Europa League)

SPORT1: Herr Harnik, wie frustrierend ist das: Endlich sind Sie Stammspieler, treffen regelmäßig - und trotzdem kommt der VfB nicht aus dem Keller.

Martin Harnik: Das ist natürlich total enttäuschend. Unabhängig von meiner eigenen Leistung zählt zurzeit nur die Mannschaft. Wir kommen trotz guter Spiele nicht zu Punkten und Siegen.

SPORT1: In Leverkusen und Lissabon gab es trotz klarer Leistungssteigerungen Niederlagen. Kann man sich mit Blick auf die Leistung noch Mut machen oder fällt das bei zurückgehender Zahl der Spiele immer schwerer?

Harnik: Die Lage ist absolut bedrohlich, keine Frage. Das wissen auch alle. Aber wenn wir unsere Leistungen so bringen wie in den letzten beiden Spielen, dann wird die Belohnung hoffentlich schon bald folgen. Wir machen es den Gegnern wieder schwer, das war eine Zeit lang nicht so.

SPORT1: Vor dem nächsten "Endspiel" in der Bundesliga gegen Frankfurt steht erstmal das Rückspiel gegen Lissabon an. Wie funktioniert dieser Spagat?

Harnik: Da muss man differenzieren. Die Mannschaft hat sich letztes Jahr mit einem großen Aufwand qualifiziert. Deshalb möchten wir so weit kommen wie möglich. Dass die Bundesliga wichtiger für die Zukunft ist, ist klar, aber wir gehen in dieses Spiel rein, um ins Viertelfinale zu kommen.

SPORT1: Wie hoch schätzen Sie die Chancen gegen Benfica ein?

Harnik: Im Hinspiel gehörte die erste Halbzeit uns, die zweite Benfica. Gegen Leverkusen haben wir uns dann über 90 Minuten stark gezeigt, das haben wir jetzt auch gegen Benfica vor. Wenn uns das gelingt, sollte ein Weiterkommen drin sein.

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SPORT1: Die Offensive des VfB ist die viertbeste der Bundesliga, aber defensiv hakt es. Trainer Bruno Labbadia wechselt nun den Torwart. Wie wurde das in der Mannschaft aufgenommen?

Harnik: Sven Ulreich geht sehr professionell mit der Entscheidung um. Er hat sich im Training wieder voll reingehauen und lässt sich nicht hängen. Wir sind als Mannschaft natürlich für ihn da, genauso wie für Marc Ziegler, auf dem jetzt auch ein großer Druck lastet. Aber insgesamt müssen wir uns keine Sorgen um die beiden machen. Das sind beides super Typen, die sich auch gegenseitig unterstützen. Und in erster Linie zählt der Mannschaftserfolg, das ist allen Beteiligten klar.

SPORT1: War der Wechsel richtig?

Harnik: Wir müssen gemeinsam verhindern, so viele Gegentore zu bekommen, denn unser Tor schießen wir fast in jedem Spiel. Das würde gegen Benfica ja auch reichen.

SPORT1: Aber woran hakt es denn im Defensivverhalten?

Harnik: Da ist die ganze Mannschaft gefragt. Man kann nicht sagen, dass die Offensive reif für die Champions League und die Defensive reif für die Zweite Liga ist. Wir müssen vorne anfangen zu verteidigen. Man braucht nicht die einzelnen Mannschaftsteile auseinanderzunehmen. Wenn wir vorne weniger Bälle verlieren, gibt es hinten auch weniger zu tun.

SPORT1: Hätte sich der VfB in dieser Saison eigentlich viel Ärger ersparen können, wenn Sie immer von Beginn an gespielt hätten?

Harnik: Ich habe mir die Einsätze in der Startelf erarbeitet. Wenn man aus der Zweiten Liga kommt und neu dabei ist, bekommt man eben nicht gleich eine Stammplatzgarantie. Ich war auch nicht von Verletzungen verschont. Deshalb war es immer gerechtfertigt - egal ob ich von der Bank gekommen bin oder von Beginn an gespielt habe. Die Einsätze jetzt habe ich mir erarbeitet und verdient und möchte das natürlich auch beibehalten.

SPORT1: Es lag also nicht daran, dass alle drei VfB-Trainer dieser Saison Sie als klassischen Joker gesehen haben?

Harnik: Das lag an der Situation - und die Konkurrenz ist ja auch noch da. Ich hatte unter jedem Trainer auch meine Chancen von Beginn an. Im Moment nutze ich sie.

SPORT1: Sind Sie nach den starken Auftritten zuletzt jetzt gesetzt?

Harnik: Nein, ich muss meine Leistung immer wieder bestätigen. Natürlich hoffe ich, dass ich auch gegen Lissabon wieder anfangen darf. Diesen Startplatz versuche ich dann zu verteidigen und zu rechtfertigen.

SPORT1: Europa League schön und gut, aber überlebenswichtig ist für den VfB die Liga. Was ist vor dem Frankfurt-Spiel anders als vor anderen "Endspielen" zuvor?

Harnik: Nach dem Nürnberg-Spiel gab es eine Reaktion. Intern hat sich eine Eigendynamik entwickelt, es ist nochmals ein Ruck durch die Mannschaft gegangen und man sieht, dass wir uns nicht aufgeben. Ich hoffe, dass wir diesen Trend fortsetzen können. Dann werden wir unsere Punkte auch holen.

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