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Heynckes bezog mit Bayer gegen Villarreal die erste Pleite der Europacup-Saison © getty

Das Spiel bei Villarreal könnte der letzte Europa-Trip des Leverkusener sein: Der Abgang zu den Bayern scheint besiegelt.

Von Christian Paschwitz und Martin Volkmar

München - Jupp Heynckes Äußerungen könnten sich durchaus doppeldeutig verstehen lassen.

"Es ist für mich immer wieder schön zurückzukommen", sagte Bayer Leverkusens Trainer SPORT1 vor dem Achtelfinal-Rückspiel seiner Mannschaft beim FC Villarreal. (ab 20.50 Uhr im LIVE-TICKER).

"Hier habe ich Freunde...", ergänzte der 65-Jährige - und meinte: "Ja, es ist durchaus etwas Spezielles. Ich habe schließlich einige Jahre meines Lebens hier verbracht."

Wertschätzung für Spanien - und Bayern?

Natürlich: Mit seiner Wertschätzung spielte Heynckes darauf an, mal wieder ein wichtiges Spiel auf spanischem Boden anzugehen.

Dort wo "Don Jupp" CD Teneriffa und Athletic Bilbao trainierte und mit Real Madrid einst die Champions League gewann.

Heynckes Worte lassen sich aber ebenso auf den FC Bayern übertragen, wo er aller Wahrscheinlichkeit nach ab der kommenden Saison das Sagen haben wird.

Entscheidung wohl am Montag

Wieder einmal, nachdem Heynckes bereits von 1987 bis 1991 sowie als Übergangslösung nach dem Rauswurf von Jürgen Klinsmann an der Säbener Straße als Trainer verpflichtet wurde.

Offiziell gibt es vor Leverkusens wichtigem Rückspiel zu der pikanten Personalie verständlicherweise nur dürre Statements der Verantwortlichen.

Doch spätestens nach am Montag soll die Entscheidung verkündet werden: Und nach SPORT1-Informationen wird sich Heynckes erneut für München entscheiden.

Heynckes deutet Abschied erstmals an

In Villarreal deutete er zumindest erstmals seinen Abschied an.

Auf die Frage, was passieren müsse, damit der Trip zu Villarreal nicht seine letzter Europacup-Einsatz mit Leverkusen ist, antwortete der Routinier zweideutig:

"Wir müssen mit zwei Toren Unterschied gewinnen..." (DATENCENTER: Europa League)

Was übersetzt bedeutet: Ansonsten ist die Werkself ausgeschieden nach dem 2:3-Hinspiel - und Heynckes in der nächsten Saison im internationalen Geschäft bei Leverkusen nicht mehr mit von der Partie. (356632DIASHOW: Europa League).

Rolfes beschwört zu kämpfen

Auch wenn Bayer-Kapitän Simon Rolfes via "kicker" noch einmal alle im Klub beschwört, den Coach mit aller Macht zu halten ("Es wäre fahrlässig, wenn man nicht um Jupp Heynckes kämpft").

Doch intern scheint man das Tauziehen mit den Münchnern sowieso schon längst verloren gegeben zu haben.

Die Enttäuschung über die Hinhaltetaktik und Geheimniskrämerei wächst zusehends.

Holzhäuser gernervt

"Mich belastet das", bekennt Wolfgang Holzhäuser zur Hängepartie um Heynckes.

Den Geschäftsführer ärgert es vor allem, dass trotz der immer konkreter werdenden Spekulationen aus München bisher kein Kontakt zum Werksverein gesucht wird:

"Wenn es sich bewahrheiten sollte, dass er zu den Bayern geht, wie es jetzt aussieht, hätte ich mir schon gewünscht, wenn die Münchner mal angerufen hätten."

Den drohenden Fortgang kommentiert Holzhäuser gleichwohl trotzig: "Auch wenn er nicht weitermacht, wird Bayer 04 weiter existieren."

Dutt soll Nachfolger werden

Inzwischen ist es ein offenes Geheimnis, dass Robin Dutt vom SC Freiburg der Top-Favorit für das Heynckes-Erbe ist.

Von Heynckes, dem Bayer einen Zwei-Jahres-Vertrag anbietet, hat der Klub inzwischen die Zustimmung eingeholt, parallel mit anderen Trainern verhandeln zu dürfen.

Bevor das Dauerthema endlich beendet ist, stehen aber zunächst die schweren Aufgaben gegen Villarreal und am Sonntag in der Liga gegen Schalke an.

Rolfes von Beginn an - Ballack auch?

In Spanien will Bayer trotz der Hinspielniederlage das frühe K.o. aller deutschen Teams in der Europa League verhindern.

Dabei setzt Heynckes vor allem auf Rolfes, der nach seiner Pause zuletzt beim 1:0 in Mainz wieder in der Startelf steht.

Auch Michael Ballacks Chancen auf einen einen Einsatz von Beginn stehen gut nach der Gelb-Sperre von Arturo Vidal.

Das Viertelfinale hat Bayer trotz der schweren Ausgangslage noch immer vor Augen:

"Wir müssen als Kollektiv auftreten, defensiv stabil stehen und möglichst ein frühes Tor erzielen. Dann könnte Villarreal ins Wanken geraten", meinte Heynckes bei SPORT1.

Verweis ausgerechnet auf Bayerns Aus

Ausgerechnet das Champions-League-Aus der Bayern macht ihm Mut:

"Das Spiel gegen Inter Mailand hat doch gerade erst wieder gezeigt, was alles möglich ist. Ich habe selbst schon viele Situationen dieser Art erlebt und bin nicht selten mit positiven Ergebnissen daraus hervorgegangen", so der Coach.

Auch beim "Gelben U-Boot", zuletzt in der spanischen Liga eher dürftig mit einem 1:1 gegen Kellerkind Gijon, wähnt man sich noch lange nicht weiter.

Torjäger Nilmar, der im Hinspiel zweimal getroffen hatte, sagt skeptisch: "Alles kann passieren."

Nur bei Heynckes' Wechsel zu Bayern brennt wohl nichts mehr an.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Villarreal: Diego Lopez - Mario Gaspar, Gonzalo Rodriguez, Musacchio, Capdevila - Borja Valero, Cani, Bruno, Cazorla - Nilmar, Rossi

Leverkusen: Adler - Schwaab, Hyypiä, Reinartz, Kadlec - Rolfes, Ballack (Bender) - Sam, Renato Augusto, Castro - Derdiyok (Kießling)

Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande)

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