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Benedikt Höwedes (l.) spielt bereits seit 2001 für den FC Schalke 04 © getty

Die Königsblauen stehen nach der peinlichen Pleite in Helsinki am Scheideweg. Raul bleibt im Fokus. Ein alter Kumpel lockt.

Von Eric Böhm

München - Ein Anhänger des FC Schalke 04 muss fast schon per Definition ein hohes Maß an Leidensfähigkeit mitbringen.

Denn die Chance auf eine tiefe Enttäuschung ist - trotz vieler Erfolge während der letzten Jahre - immer nur so weit entfernt, wie der nächste Auftritt der Königsblauen.

Die zarte Aufbruchsstimmung nach dem Torfestival gegen indisponierte Kölner (Bericht) hat sich durch das 0:2-Debakel im Hinspiel der Europa-League-Playoffs bei HJK Helsinki (Bericht) in eine Sinnkrise verwandelt (442930DIASHOW: Bilder des Spiels).

"Wir haben eine sehr schlechte Ausgangssituation, ein Ausscheiden wäre eine Katastrophe für uns", beschönigte Manager Horst Heldt nichts.

Verheerende Auswirkungen?

Ein frühzeitiger K.o. hätte - neben den finanziellen Einbußen - vor allem psychologisch potenziell verheerende Auswirkungen (DATENCENTER: Europa League).

Schalke könnte in der Bundesliga schnell wieder in einen ähnlichen Negativstrudel geraten wie in der vergangenen Saison.

"Wir haben uns vom Gegner den Schneid abkaufen lassen, was Aggressivität und Zweikampstärke anbelangt", bilanzierte Torhüter Ralf Fährmann, der mit einigen Paraden schlimmeres verhinderte.

Rangnick bringt keine Stabilität

Die Schalker offenbarten bei dem einsatzfreudigen - aber spielerisch doch limitierten - Finnen erneut eine alarmierende Tendenz.

Auch unter Trainer Ralf Rangnick wirkt die Mannschaft trotz einiger positiver Ausreißer ungefähr so stabil wie ein Kartenhaus im Wirbelsturm.

Nach einem guten Auftritt folgt regelmäßig die Ernüchterung. Ein Gegentor kann das Gefüge jederzeit zum Einsturz bringen und die Köpfe gehen nach unten. Ein dauerhafter Aufschwung erscheint momentan unrealistisch.

[kaltura id="0_cfxa3thv" class="full_size" title="Schalker Schmach in Helsinki"]

Frist für Raul

Zu allem Überfluss ist da ja auch noch das ständige Reizthema Raul.

Der Superstar hatte den Trip nach Finnland nicht mitgemacht - offiziell wegen des stumpfen Kunstrasens.

"Wäre Raul heute dabei gewesen, wäre es nicht einfacher gewesen. Wir haben über weite Strecken die falschen Mittel gewählt", wollte Rangnick bei SPORT1 keine Kritik an seiner Personalentscheidung zulassen.

Das Wechsel-Theater belastet offenbar die Mannschaft. Der spanische Weltstar bekommt jetzt auch eine Frist von 48 Stunden gesetzt, um sich zu erklären.

"Eine Entscheidung wird noch vor dem Spiel gegen Mainz fallen. Wir werden noch vor Sonntag ein klärendes Gespräch führen", sagte Manager Horst Heldt.

Umgang überrascht

Dennoch überrascht der Umgang des Vereins mit dem umworbenen 34-Jährigen. Die individuelle Klasse Rauls sollte für Schalke eigentlich immer eine Qualitätssteigerung bringen.

Vertreter Ciprian Marica blieb bei seinem Startdebüt jedenfalls fast alles schuldig und vergab die größte Chance der "Knappen".

Es scheint fast so, als wären die Verantwortlichen insgeheim gar nicht so traurig, sollte der Rekordtorschütze der Champions League noch vor dem 31. August den Klub verlassen.

Kaum Rückendeckung

Anders ist das Verwirrspiel um das Angebot der Blackburn Rovers nicht zu erklären. Ohne Not bestätigte Heldt öffentlich das Angebot der Engländer und überließ dem Spanier scheinbar emotionslos die Entscheidung.

Um einen tadellosen Sportsmann, Fanliebling und besten Torjäger der letzten Saison würde ein Klub normalerweise deutlich mehr kämpfen. Die Aussicht sein Gehalt - etwa sechs Millionen Euro - einsparen zu können reizt die Verantwortlichen offenbar.

Darüber hinaus ist bekannt, dass Rangnick kein Fan von Rauls Spielweise ist. Über zu viel Unterstützung der Verantwortlichen kann sich der introvertierte Stürmer in jedem Fall nicht beschweren.

Alter Kumpel lockt

Da kommt ein lukratives Angebot aus der Heimat vielleicht gerade recht.

Denn neben Paris St. Germain ist laut der spanischen Tageszeitung "AS" nun offenbar auch der FC Malaga an einer Rückholaktion der Ikone interessiert.

"Wir haben es geschafft, dass Weltklasse-Spieler nach Malaga wollen, wie Raul", wird Klubbesitzer Abdullah Al-Thani in dem Blatt zitiert.

Auf dem "Gnadenhof" für in die Jahre gekommene Stars tummeln sich unter anderem bereits Ex-Bayer Martin Demichelis und der frühere Hamburger Ruud van Nistelrooy.

Außerdem ist Rauls früherer Real-Begleiter Fernando Hierro Manager des Klubs. Im Juli soll der Spanier bereits im holländischen Trainingslager der Mannschaft vorbeigeschaut haben.

S04 am Scheideweg

Bereits nach vier Pflichtspielen steht Schalke also am Scheideweg und muss sportlich wie personell schnell die richtigen Antworten finden.

"Im Fußball lernt eine Mannschaft aus Niederlagen am besten", sagte Lewis Holtby nach der offensiv und defensiv erschreckenden Vorstellung.

Zeit bleibt dafür kaum. Am Sonntag steht der schwere Gang zu Holtbys Ex-Klub Mainz 05 (ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER) auf dem Programm, dann folgt das vielleicht richtungsweisende Rückspiel gegen Helsinki.

Einen Trost gibt es aber für die Fans der Königsblauen: Langeweile kommt nie auf.

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