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Schon zwölf Tore in sechs Pflichtspielen: Schalkes Klaas-Jan Huntelaar © getty

Mit seiner Gala gegen Helsinki kommt Huntelaar endgültig bei Königsblau an und sorgt für eine Europa-League-Sternstunde.

Von Christian Paschwitz

München/Gelsenkirchen - Es war ihm wohl fast ein bisschen peinlich.

Und nach einer Ehrenrunde mit den Teamkollegen wirkte Klaas-Jan Huntelaar so, als wolle er nur noch schnell in die Kabine.

Dabei hätte der Niederländer, mit vier Toren Matchwinner beim fulminanten 6:1 (2:1) von Schalke 04 gegen HJK Helsinki im Playoff-Rückspiel (Spielbericht), allen Grund gehabt, sich wesentlich ausgiebiger feiern zu lassen.

Doch Huntelaar gab sich bescheiden: "Wir haben 6:1 gewonnen, das ist das Wichtigste." 445821(DIASHOW: Die Playoff-Rückspiele).

Der Bedeutung seiner Treffer, zweimal per Elfmeter (15., 49.) und zweimal aus dem Spiel heraus (25., 63.), war sich der 27-Jährige aber schon bewusst:

"Wenn du vier Tore machst, bist du Matchwinner, glaube ich."

Rangnick voll des Lobes

Es muss eine Genugtuung gewesen sein für den Stürmer, neben dem auch Kyriakos Papadopoulos (57.) und Julian Draxler (82) den zwischenzeitlichen Ausgleich von Teemu Pukki (20) bedeutungslos machten.

Denn so richtig angekommen ist Huntelaar erst jetzt auf Schalke, das nach der peinlichen 0:2-Hinspiel-Pleite gegen den finnischen Meister doch noch das Ticket für das zumindest kleine europäische Geschäft löste. (DATENCENTER: Europa League)

"Man hat gesehen, dass er einen Lauf hat. Wenn man viele Chancen kreiert, hat er die Qualität, um Tore zu machen", lobte 04-Coach Ralf Rangnick.

Im Sommer fast Verkaufskandidat

Dabei galt Huntelaar in der Sommerpause bei Königsblau noch als Verkaufskandidat.

Gewisse Zweifel an seinem Potenzial waren durchaus angebracht nach einer Vorsaison, in der dem "Hunter" auch wegen einer längeren Verletzungspause in der Bundesliga gerade mal acht Tore glückten.

Zu wenig für jemanden, der zuvor beim AC Mailand und Real Madrid unter Vertrag stand und als 13-Millionen-Euro-Einkauf mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht worden war.

[kaltura id="0_bstquxcp" class="full_size" title="Holtby lobt den Hunter "]

Zwischendurch war Huntelaar sogar über 1000 Minuten erfolglos geblieben und von den Fans ausgepfiffen worden, die ihm nach dem Husarenstreich gegen Helsinki nun mit langgezogenen "Hun-te-laar, Hun-te-laar"-Rufen huldigten.

Huntelaar omnipräsent

Verdient hatte es sich Schalkes Nummer 25 allemal, der neben seiner Kaltschnäuzigkeit vom Elfmeterpunkt bei den übrigen Treffern auch technisch glänzte, als er zum Beispiel das 2:1 unter die Latte hämmerte.

Seine wieder erlangte Schnelligkeit wiederum, die Huntelaar als Strafraumspieler in der Vergangenheit häufig vermissen ließ, spielte er beim 5:1 aus, dem ein einstudierter Querpass mit dem starken Jefferson Farfan vorausging.

Raul als kongenialer Partner

Die neue Laufstärke von bislang mehr als zehn Kilometern pro Spiel zahlt sich aus:

In sechs Pflichtspielen dieser Saison hat Huntelaar bereits zwölf Teffer erzielt, womit er auch in der Bundesliga-Torjägerliste derzeit ganz oben rangiert.

Dass der Fußballer Huntelaar wieder bestens funktionierte gegen Helsinki - Schalkes höchste Europapokal-Sieg übrigens - , lag auch an Sturm-Kollege Raul, der an drei Torvorlagen beteiligt war und den Strafstoß zum 1:0 herausholte.

Der Spanier hielt trotz eines bösen Zusammenpralls durch, spielte mit blauem Verbands-Turban:

"Für ihn gibt es ein Sonderlob. Dass er mit dieser Platzwunde weitergespielt hat - davor ziehe ich den Hut. Das sah erst nicht gut aus", sagte Rangnick.

Heldt genießt den Moment

Nicht immer gut aus sahen die Königsblauen überdies in der Defensive - was Rangnick nervt:

"In den ersten 20 Minuten haben wir abenteuerlich gegen den Ball gespielt, da habe ich mich teilweise in einem falschen Film gewähnt. In der Bundesliga dürfen wir uns so nicht verhalten."

Manager Horst Heldt ("In beiden Spielen haben wir uns das Leben sehr schwer gemacht") wollte das im Moment des Triumphs indes nicht zu hoch hängen:

"Es gibt immer etwas zu verbessern, aber das ist jetzt zweitrangig."

Genauso sahen es die Schalker Spieler - und feierten Torjäger Huntelaar.

"Er ist ja neulich zum zweiten Mal Papa geworden. Er kann gern noch ein Kind zeugen, wenn er dann noch mehr Tore schießt", flachste Kapitän Benedikt Höwedes.

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