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96-Ultras hatten Anfang November in Kopenhagen Bengalos abgebrannt. © getty

Der Bürgermeister droht Fans mit Haft, wenn sie die City betreten. Ein Affront, den Hannovers Verantwortliche kritisieren.

Von Maik Rosner

München/Lüttich - In Peking ist sie eine weltbekannte Touristenattraktion, in Lüttich wird sie zum europaweit zweifelhaften Beispiel für den Umgang mit Gästefans.

Hannovers Anhänger, so hat der Bürgermeister der wallonischen Stadt nahe der Grenze zu Deutschland verfügt, dürfen die sehenswerte City nicht betreten.

Lüttich wird heute vor und nach dem Gruppenspiel in der Europa League zwischen Standard und 96 (ab 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) zur verbotenen Stadt. Ein Fanschal der Niedersachsen genügt für 24 Stunden Haft.

Für Verwunderung sorgt diese Drohung allerorten, Hannovers Fans und Verantwortliche sind empört.

Nur Profis und VIPs dürfen übernachten

"Mit solchen Maßnahmen wie in Lüttich werden viele Menschen vor den Kopf gestoßen", sagte Alex Jacob, der Pressesprecher von Hannover 96 der Zeitung "Die Welt".

Geschäftsführer Jörg Schmadtke hält das restriktive Vorgehen aus Sorge vor Krawallen ebenfalls für überzogen: "Ein Bummel durch die Stadt gehört zum Erlebnis Europapokal."

Doch daraus wird nichts werden.

Die zwölf Fanbusse dürfen erst zwei Stunden vor Spielbeginn die deutsch-belgische Grenze passieren und werden direkt zum Stadion eskortiert. Nur den mitreisenden VIPs und den Profis ist eine Übernachtung gestattet.

1700 96-Fans werden erwartet

Sie haben ihr Quartier allerdings außerhalb bezogen ? und sollten wohl besser nicht im Trainingsanzug in die Innenstadt gehen.

Bis zu 1700 Fans werden aus Hannover erwartet, viele davon reisen auf eigene Faust ins gut 400 Kilometer entfernte Lüttich.

Das bereitet nicht nur den Behörden in der Gastgeberstadt Sorgen, sondern auch Hannovers Verantwortlichen. "Wir können unseren Fans nur raten, sich an die Vorgaben zu halten", sagt Jacob.

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Auch Thorsten Meier warnt: "Wer aus Hannover individuell nach Lüttich anreist, wird Probleme bekommen ? vor allem, wenn er sich als 96-Fan zu erkennen gibt."

Dialog gescheitert

Der Stadionchef ist in Hannover für die Sicherheit verantwortlich. Sein Versuch, Sonderzüge zu organisieren, scheiterte am Veto der Belgier, die Hannovers Fans unbedingt aus der Innenstadt fernhalten wollen.

Politiker, Funktionäre und andere Sicherheitsfachleute aus Hannover versuchten vergeblich, einen Dialog aufzunehmen. Lüttichs Bürgermeister Willi Demeyer, zugleich Polizeichef, soll darauf gar nicht reagiert haben.

Sonderverordnung fürs Sperrgebiet

Stattdessen wurde eine Sonderverordnung erlassen, um das Sperrgebiet durchzusetzen.

In Belgien sind die Erinnerungen an die die Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion noch immer sehr präsent.

Am 25. Mai 1985 starben dort im Landesmeister-Finale zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin bei einer Massenpanik 39 Menschen, mehr als 450 wurden verletzt.

Teil der Ultras gilt als gefährlich

Schlechte Erfahrungen, als der FC Zürich in dieser Saison in Lüttich zu Gast war, spielen ebenfalls eine Rolle.

Und ein Teil der Hannoveraner Ultras gilt als potenziell gefährlich. Sie waren in der Vergangenheit durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Stadien und andere Missachtungen der Hausrechte auffällig geworden, zuletzt am 3. November beim Gruppenspiel beim FC Kopenhagen (477383DIASHOW: Der 4. Europa-League-Spieltag).

Doch dass Lüttich nun die angemessenen Maßnahmen ergreift, wird von vielen bezweifelt.

96 vor größtem Erfolg der Klubgeschichte

Zuletzt bei Hannovers Gastspiel in Kopenhagen feierten 10000 96-Fans sich und den Verein, der erstmals seit 19 Jahren wieder im Europapokal vertreten ist, überwiegend friedlich.

Nun steht die Mannschaft des Trainers Mirko Slomka bereits im vorletzten Gruppenspiel dicht vor dem Einzug in die K.o.-Runde.

Ein Unentschieden mit Toren genügt, bei einem Sieg wäre sogar der Gruppensieg vorzeitig fix (DATENCENTER: Europa League).

Doch gefeiert werden muss der möglicherweise "international bisher größte Erfolg in der Vereinsgeschichte", wie Präsident Martin Kind sagt, im kleinen Kreis - und außerhalb der verbotenen Stadt.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Lüttich: Bolat - Goreux, Kanu, Felipe, Pocognoli - Mujangi Bia, Vainqueur, Buyens, Seijas - Cyriac, Tchite

Hannover: Zieler - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz - Schmiedebach, Pinto - Stindl, Pander - Schlaudraff, Abdellaoue

Schiedsrichter: Antonio Damato (Italien)

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