Kuranyi kämpft gegen die "Negativspirale"
Von Felix Götz, Martin Volkmar
und Mathias Frohnapfel
München - Für Kevin Kuranyi ist das Hinspiel der Europa-League-Playoffs zwischen dem VfB Stuttgart und Dynamo Moskau (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) eine Reise in die Vergangenheit.
Der 30-Jährige trug zwischen 1997 und 2005 das Trikot der Schwaben, ehe sein Weg über Schalke 2010 nach Moskau führte.
"Der VfB wird immer ein ganz besonderer Verein für mich bleiben", sagte Kuranyi im Gespräch mit SPORT1: "Dort bin ich Bundesliga- und Nationalspieler geworden. Stuttgart ist meine Heimat." (DATENCENTER: Europa-League-Quali)
"Meine Familie lebt dort, auch die meiner Frau. Wir fühlen uns auch jetzt in Moskau sehr wohl. Aber es steht außer Frage, dass wir nach meiner Karriere wieder in Stuttgart leben werden."
An eine Rückkehr in die Bundesliga denkt Kuranyi nicht.
"Derzeit ist das kein Thema. Ich habe erst kürzlich meinen Vertrag bis 2015 in Moskau verlängert", erklärte er.
Der Stürmer hat großen Respekt vor seinem Ex-Klub: "Der VfB hat eine richtig gute Mannschaft. Taktisch gut eingestellt, sehr kompakt mit hervorragenden Einzelspielern."
"Er ist immer unermüdlich"
Auch am Neckar erinnert man sich sehr gut an Kuranyi - vor allem an seine Stärken, mit denen er in 99 Bundesligaspielen 40 Tore schoss.
"Er hat ein gutes Kopfballspiel und kann die Bälle gut halten", sagte Christian Gentner gegenüber SPORT1.
Der Schwabe lernte Kuranyi kennen, als er selbst noch in der A-Jugend des VfB spielte und dann zu den Profis aufrückte und erinnert sich an dessen offenen Umgang mit den jungen Spielern.
VfB-Trainer Bruno Labbadia meinte: "Er ist immer unermüdlich, sehr mannschaftsdienlich, sich für keinen Weg zu schade und auch torgefährlich."
"Wünsche Kevin schönen Tag, aber nicht auf dem Platz"
Trotz aller Sympathiebekundungen: Spätestens wenn der schottische Schiedsrichter William Collum die Partie anpfeift, gibt es auf beiden Seiten keine Geschenke mehr zu verteilen.
Das stellte auch Labbadia klar: "Ich wünsche Kevin einen schönen Tag in Stuttgart, aber nicht auf dem Platz."
Der VfB, in den vergangenen Jahren oft schlecht in eine Saison gestartet, muss einen Kaltstart in die Spielzeit 2012/2013 hinlegen.
Der souveräne 5:0-Sieg im DFB-Pokal gegen den Sechstligisten SV Falkensee-Finkenkrug ( Bericht) war nämlich nicht einmal im Ansatz ein echter Härtetest.
"Wo stehen wir?"
Labbadia sieht genau darin eine gewisse Gefahr. "Es gibt ein Fragezeichen", sagte der 46-Jährige: "Wo stehen wir?"
Und das ausgerechnet vor dem Spiel gegen Dynamo, dem wohl schwersten Gegner, den man in dieser Europa-League-Runde bekommen kann.
Dem VfB, der in der Sommerpause einsparen musste ( Bericht), würde der Einzug in die Gruppenphase auch aus finanzieller Sicht gut tun.
Kuzmanovic gesperrt
Verzichten muss der dreimalige DFB-Pokalsieger beim ersten Aufeinandertreffen mit Dynamo überhaupt auf Zdravko Kuzmanovic.
Der ohnehin angeschlagene Mittelfeldspieler flog beim bisher letzten Europa-League-Auftritt der Schwaben im Februar 2011 gegen Benfica Lissabon mit Rot vom Platz und wurde für drei Partien gesperrt.
Noch mehr unter Druck steht allerdings der elfmalige sowjetische Meister.
Dynamo schaltet Dundee aus
Die Moskowiter mussten als Tabellendritter der russischen Liga bereits in der vorherigen Runde in die Europa League einsteigen und setzten sich dort zwar nach einem 2:2 bei Dundee United im Rückspiel mit 5:0 gegen den schottischen Vertreter durch.
Es war allerdings das einzige Erfolgserlebnis in der bisherigen Saison.
In der Premier Liga läuft es für Dynamo, wo auch der aus der Bundesliga bekannte Zvjezdan Misimovic spielt, desaströs.
Desaströse Bilanz
Die Bilanz nach dem fünften Spieltag: Fünf Niederlagen, 1:11 Tore, Tabellenletzter.
Trainer Sergej Silkin trat bereits Anfang August zurück, der Rumäne Dan Petrescu übernahm.
"Wir haben in der ersten Partie gut gespielt, aber unsere Chancen nicht genutzt. Danach haben wir gegen Meister St. Petersburg verloren - und sind plötzlich in eine Negativspirale geraten", sagte Kuranyi: "Ich hoffe, dass wir da möglichst schnell wieder rauskommen."
Dem VfB wäre es wohl ganz recht, wenn sich das Ende der Krise bei Dynamo noch ein wenig hinauszögern würde.
Mittelfeldmann Gentner geht jedenfalls hochmotiviert in die Partie: "Wir haben unheimlich viel getan im vergangenen Jahr, um die internationalen Plätze zu erreichen, dafür wollen wir uns jetzt belohnen und Moskau in den beiden Spielen ausschalten."
Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Stuttgart: Ulreich - Hoogland, Tasci, Niedermeier, Boka - Kvist, Gentner - Harnik, Hajnal, Okazaki - Ibisevic
Moskau: Schunin - Wilkshire, Fernandez, Rykow, Lomic - Semschow, Jusupow - Kokorin, Misimovic, Dzsudzsak - Kuranyi
Schiedsrichter: Collum (Schottland)