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Martin Harnik wechselte 2010 von Werder Bremen zum VfB Stuttgart © getty

Die Stuttgarter legen sich nach der Molde-Pleite mit den eigenen Fans an. Bei Gladbach und leverkusen überzeugen die Alternativen.

Stuttgart/München - Martin Harnik hatte am Ende die Faxen dicke.

Der Österreicher zeigte dem eigenen Anhang wegen des Pfeifkonzerts der Fans den Vogel.

Die Leistung beim 0:1 (0:1) gegen Molde FK aus Norwegen (Bericht) war schlecht, der Zuschauerzuspruch mies, Fans und so zofften sich Spieler und Fans nach dem Schlusspfiff. (648571DIASHOW: 6. Spieltag)

"Man könnte sagen, der VfB ist weitergekommen, und keiner merkt es", sagte Labbadia süffisant. Freude löste das alles an diesem Abend bestenfalls unterschwellig aus.

Rund um diesen letzten internationalen Auftritt des Jahres gab es somit fast nur Verdruss. Und wegen des Treffers von Davy Claude Angan (45.+1) brauchte der VfB gar die Hilfe von Steaua Bukarest im Fernduell mit dem FC Kopenhagen, um am 14. und 21. Februar 2013 in der K.o.-Runde antreten zu können. (DATENCENTER: Europa League)

Labbadia: "Wettbewerbsverzerrung"

Neben dem Ärger mit dem Fans sorgte auch der Spielkalender für Kopfschütteln.

Labbadia sprach von "Wettbewerbsverzerrung", Martin Harnik schlicht vom "Tribut, den man zahlen muss, wenn man international spielt".

Gut 43 Stunden, nachdem sich der VfB Stuttgart in die Zwischenrunde der Fußball-Europa-League gemogelt hat, warten in der Bundesliga am Samstag besser ausgeruhte Schalker.

Die Königsblauen hatten ihre internationale Aufgabe schon am Dienstag absolviert. Das Weiterkommen in der Champions League stand vorher fest, Trainer Huub Stevens gönnte in Montpellier einigen Stars eine Pause.

Körperlicher Nachteil

Für Labbadia ein klarer Nachteil, denn gerade körperlich könne sich seine Mannschaft in der Kürze gar nicht erholen.

Auch nicht mit Eisbädern, Massagen und was man heute sonst noch so macht, um schnell zu regenerieren.

"Das ist ein großes Spiel, deshalb ist es jammerschade. Die Laufintensität bekommst du in zwei Tagen nicht hin", haderte der 46-Jährige. Harnik will die geringere Erholung gleichwohl nicht als "Ausrede" gelten lassen.

Und Labbadia muss sie mit dem bekannt engen Kader bewältigen, aus dem erneut Tunay Torun herausfällt, der sich gegen Molde wieder eine Muskelverletzung am Oberschenkel zuzog. Dennoch werde seine Elf gegen Schalke "alles rauspusten, was wir drin haben".

Hoffen auf Wintertransfers

Aber der Entschluss, sich im Winter zu verstärken, der steht. Sportdirektor Fredi Bobic hat dafür Handlungsspielraum. Allerdings ist dieser, wie schon im Sommer, wohl recht eng begrenzt. Labbadia hofft dennoch, "dass das eine oder andere geht". (623461DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt)

Der VfB will ja, trotz aller Umstände, möglichst lange auf drei Hochzeiten tanzen.

Gladbach siegt mit B-Elf

Mehr Grund zum Jubeln hatte Borussia Mönchengladbach. Das 3:0 beim türkischen Rekordmeister Fenerbahce Istanbul (Bericht) hat gezeigt, dass Trainer Lucien Favre über Alternativen verfügt.

"Wir haben einen guten, breiten Kader", sagte Sportdirektor Max Eberl nach dem beherzten Auftritt der B-Elf und den Treffern von Tolga Cigerci (23.), Mike Hanke (28./Foulelfmeter) und de Jong (79.).

Allerdings verzichteten auch die Türken, die schon vor dem Spiel als Gruppensieger vor Gladbach feststanden, auf einige ihrer Stars.

Riedel als Bayer-Held

Gleich gilt für Bayer Leverkusen. Beim 1:0 gegen Rosenborg Trondheim (Bericht) bekam besonders der eigene Nachwuchs eine Chance. Besonders einer machte auf sich aufmerksam: Siegtorschütze Julian Riedel.

"Ich kann es noch gar nicht fassen, ich bin beinahe sprachlos", sagte der eloquente junge Mann, der kurz zuvor noch mit dem Megafon auf dem Zaun der Fankurve gefeiert hatte, sichtlich aufgewühlt: "Das war ein perfekter Abend. Schon mit dem Spiel an sich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, nun ist es eigentlich unfassbar."

Am Mittwochabend hatte der 21-Jährige den Anruf bekommen, dass Bayer Leverkusen für ihn eine Sondergenehmigung beantragt hatte und er im letzten Gruppenspiel der Europa League in der Startelf steht.

Vom Nobody zum gefeierten Mann

24 Stunden später war der Außenverteidiger, der gerade seine Prüfungen zum Sport- und Fitnesskaufmann ablegt, der Matchwinner.

Und nicht nur seine Freunde unter den 10.513 Zuschauern in der BayArena feierten ihn minutenlang.

"Wir haben in der Kabine schon geflachst. Manche von uns schaffen es nie, ein Tor zu schießen oder Sprechchöre zu bekommen - und er schafft das alles in nur einem Spiel", meinte Stefan Reinartz schmunzelnd.

96-Trainer Slomka: "Ungeschlagen hört sich gut an"

Den Abend rundete Hannover 96 mit dem 2:2 bei UD Levante ab (Bericht), das gleichbedeutend mit dem Gruppensieg war.´

"Ungeschlagen hört sich irgendwie gut an", sagte ein bestens gelaunter Trainer Mirko Slomka: "Jetzt hoffe ich für unsere Fans auf einen renommierten, aber schlagbaren Gegner."

Allerdings droht dem Bundesligisten trotz des Gruppensieges in der Runde der letzten 32 am 14. und 21. Februar ein echtes Hammerlos.

Hammerlos droht

Unter anderem kann es zu einem erneuten Duell mit Titelverteidiger Atletico Madrid, Inter Mailand oder Tottenham Hotspur kommen.

"Wir müssen es ja sowieso nehmen, wie es kommt", sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke, "jetzt ist keiner mehr dabei, von dem wir sagen können: Den hauen wir im Vorbeigehen weg."

Zudem muss 96 eine herben Rückschlag verkraften. Lars Stindl, der das erste Tor selbst erzielte (18.) und das zweite von Didier Ya Konan mustergültig vorbereitete (26.) muss einer Verletzung am Sydesmoseband operiert werden und wird den Niedersachsen länger fehlen.

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