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Der FC Basel ist 15-facher Schweizer Meister und elffacher Cupsieger © getty

Basel schreibt mit dem Einzug ins Halbfinale der Europa League Geschichte. Für die Briten ist die Art des Aus nicht erstaunlich.

München/Basel - Als Marcelo Diaz um 23.43 Uhr den entscheidenden Elfmeter verwandelt hatte, stürzten nicht nur sintflutartige Regenfälle auf ihn ein.

Zwei Sekunden konnte der Chilene in Diensten des FC Basel seine Faust noch in Richtung Tribüne des ausverkauften St. Jakob-Parks strecken, bevor er unter seinen Mitspielern in einem rot-blauen Jubelknäuel versank. (701481DIASHOW: Die Bilder der Viertelfinal-Rückspiele)

Mannschaft schreibt Geschichte

Der Strafstoß von Diaz besiegelte nicht nur das 4:1 im Elfmeterschießen im Achtelfinalrückspiel gegen Tottenham Hotspur, sondern mit dem erstmaligen Einzug Basels in ein Europapokal-Halbfinale auch ein Stück Schweizer Fußballgeschichte.

Nun wartet der Topfavorit FC Chelsea. "120 Jahre und noch nie im Halbfinale. Es ist eine unglaubliche Geschichte", fasste der ehemalige Kölner und Stuttgarter Stürmer Marco Streller den Triumph fast schon schockiert zusammen.

Sein ebenfalls bundesligaerfahrener Mitspieler Philipp Degen gibt sich dagegen betont selbstbewusst: "Jetzt haben wir den Anspruch, ins Finale zu kommen und den Pott zu gewinnen. Alles andere wäre fehl am Platz."

Erfolg nach langer Durststrecke

Selbstbewusstsein, das harte Arbeit war. Denn es ist lange her, dass sich die Schweiz zuletzt über einen heimischen Verein unter den besten Vier eines europäischen Wettbewerbs freuen durfte.

1978 schlugen die Grashoppers Zürich im Viertelfinale des UEFA-Cups Eintracht Frankfurt, um eine Runde später gegen den SEC Bastia auszuscheiden - danach fanden die entscheidenden Spiele um internationale Titel 35 Jahre lang ohne Schweizer Beteiligung statt.

Dass der FC Basel ausgerechnet in dieser Saison erstmals den Durchbruch schafft, kommt überraschend.

Basler Ausverkauf

Zwar standen die Rot-Blauen aus dem Dreiländereck bereits im vergangenen Jahr im Achtelfinale der Champions League, nach den überzeugenden Auftritten in der europäischen Königsklasse - unter anderem wurde Englands Rekordmeister Manchester United in der Gruppenphase ausgeschaltet - begann der Ausverkauf.

Granit Xhaka zog es nach Mönchengladbach, Xherdan Shaqiri schloss sich Bayern München an, Verteidiger David Abraham landete über den Umweg Getafe in Hoffenheim.

Es folgten ein schwacher Start und nach dem Trainerwechsel unter dem ehemaligen Bundesligaprofi Murat Yakin eine starke Wende - die nur für einen zu spät kommt: Stürmer Alex Frei wird die Krönung seiner Karriere verwehrt bleiben, der ehemalige Dortmunder wechselt am kommenden Montag als Sportdirektor zum Ligakonkurrenten FC Luzern.

Chelsea muss Englands Ehre retten

Für die unterlegenen Briten aus London blieb da nur Häme. "Ich habe zum Golf umgeschaltet - und Adebayors Ball ist auf dem 13. Grün gelandet. Er hat sicher auch den Putt vermasselt", twitterte Fußball-Legende Gary Lineker nach dem aufreizend lässig verschossenen Elfmeter des togoischen Stürmers.

Die verlorene Ehre muss jetzt der FC Chelsea retten, der letzte verbliebene britische Verein in Europa. Die sollten ihren möglichen Sieg gegen Basel und in einem eventuellen Finale gegen Fenerbahce Istanbul oder Benfica Lissabon allerdings spätestens in der Verlängerung einfahren.

Elfmeterschießen liegt den Vereinen von der Insel nicht - erkannte auch Tottenhams Lewis Holtby nach nur zehn Wochen bei den Spurs:

"Das", sagte der Deutsch-Brite, "war typisch englisch."

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