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Erstmals seit 2006 im Europapokal dabei: Eintracht Frankfurt © getty

Vorfreude in der Mainmetropole: Frankfurt ist zurück im Europacup. Bei den Fans weckt das Erinnerungen - und Hoffnungen.

Von Patrick Mayer

München/Frankfurt - Das Lied ist der Klassiker unter den Fangesängen der Eintracht.

Herrlich melancholisch trällert der Polizeichor mit tiefen Bass-Stimmen "Im Herzen von Europa liegt Frankfurt am Main".

Der Text aus den 70er-Jahren spendete den Frankfurter Anhängern viele Jahre Trost. Er erinnerte sie an glorreichere Zeiten.

An das Finale des Europapokals der Landesmeister 1960, das gegen Real Madrid spektakulär mit 3:7 verloren wurde.

Oder den Uefa-Cup-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach 1980.

Letzter Auftritt in Istanbul

Am 13. Dezember 2006 liefen die Frankfurter letztmals auf der europäischen Fußball-Bühne auf.

Ein 2:2 bei Besiktas Istanbul bedeutete damals das Aus - für fast sieben Jahre, wie sich herausstellen sollte.

Nach einer famosen Saison als Aufsteiger, an deren Ende Platz sechs stand, sind die Hessen nun aber zurück.

Am Abend geht es zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase gegen Girondins Bordeaux (ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Eine Stadt in Ekstase

Ein Fest, das Großteile der Stadt beinahe in Ekstase versetzt.

"Damals, nach dem Finale gegen Madrid sind die ganzen Lieder entstanden", erzählt Bernd Kottler, der Vorsitzende des Fanklubs "Mainhatten 98", im Gespräch mit SPORT1:

"Wir haben immer gehofft, auch zu Zweitliga-Zeiten, dass wir da wieder hinkommen."

Der 44-Jährige ist Eintracht-Fan seit er denken kann.

Für die Europapokalspiele hat er sich donnerstags und freitags Urlaub genommen, weil die Partien "Festtage für uns sind".

Reisen sind schon gebucht

Gemeinsam mit zwölf Klubmitgliedern hat er schon die Reise zum Rückspiel an der französischen Atlantikküste gebucht.

Karten haben sie noch keine. Doch das ist erst mal zweitrangig.

Er nennt die Auswärtsfahrten eine "kulturelle Bereicherung".

Nur zu gut erinnert er sich an das bis dato letzte Auswärtsspiel in Istanbul: "Zu sehen, wie fanatisch die Fans in der Türkei sind, war beeindruckend."

"Mindestens Zweiter"

Nach Istanbul geht es - vorerst zumindest - aber nicht.

Die weiteren Gegner neben Bordeaux heißen Maccabi Tel Aviv und Apoel Nikosia (DATENCENTER: Europa League).

Ein Freund, erzählt Kottler, habe extra eine Woche Urlaub in Israel gebucht, um das Spiel dort live zu sehen.

Es sollen weitere Fahrten folgen. "In dieser Gruppe musst du mindestens Zweiter werden", schildert Kottler die Erwartungshaltung der Fans.

Vorfreude ist greifbar

Die Eintracht ist in Frankfurt wieder angesagt.

Cafes, Behörden und auch die Müllabfuhr schmücken sich mit Fahnen, Schals und Wimpeln des Klubs.

Auch der sonst eher rationale Coach lässt sich von der Begeisterung anstecken.

"Nach der sehr guten Leistung können nicht nur wir uns auf Europa freuen. Vor allem kann sich Europa auf uns freuen. Wir haben jede Woche eine super Kulisse in Frankfurt, die das verdient", sagte Armin Veh nach dem 3:0 im Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen am vergangenen Wochenende.

Meier droht auszufallen

Diese dürfte mit Blick auf den Kader etwas getrübt sein: Bastian Oczipka, Pirmin Schwegler und Stephan Schröck werden verletzungsbedingt fehlen.

Und neben Jan Rosenthal droht auch Torjäger Alex Meier mit Oberschenkelproblemen auszufallen. Am Mittwoch konnte er zumindest wieder mit der Mannschaft trainieren.

Andere Spieler sollen in die Bresche springen.

Marco Russ zum Beispiel, der ankündigt, "wir werden gleich Vollgas geben. Ob wir jetzt 5:4 oder 1:0 gewinnen, ist mir egal".

Vom Klassiker zum Chartstürmer?

Es sind Worte, die die Fans gern hören.

Sie hoffen, dass die alten Klassiker bald schon zu Chartstürmern in der Mainmetropole werden.

"Man kennt sie nicht nur am Mainestrand, nein, auf der ganzen Welt", heißt es im Liedtext.

Das bleibt zwar noch ein weiter Weg. Aber der erste Schritt ist gemacht.

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