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Christian Streich begann seine Spielerkarriere 1983 beim Freiburger FC © getty

Freiburg-Trainer Christian Streich freut sich bei SPORT1 aufs Abenteuer Europa, warnt aber. Die Klub-Geschichte bestätigt ihn.

Von Reinhard Franke

München - Es ist ein kleines Fußballmärchen.

Und die Rolle als Hauptdarsteller spielt Christian Streich ganz ausgezeichnet.

Vor zwei Jahren war der 48-Jährige beim SC Freiburg noch Co-Trainer der Profis und gleichzeitig U-19-Coach, doch dann wurde alles anders - für Streich und Freiburg.

Die Verantwortlichen des Klubs machten den studierten Lehrer im Abstiegskampf über Nacht zum Cheftrainer und seine Beförderung sollte sich als goldrichtig erweisen.

Der kauzige Süd-Badener rettete den Verein 2012 vor dem Abstieg und schaffte in der letzten Saison Platz fünf. Eine Tabellenregion, mit der der Klub an sich so viel gemeinsam hat wie Streich und Designerklamotten.

Es war jedenfalls der Beginn einer Erfolgsstory, wie man sie im Breisgau seit 2001 nicht mehr erlebt hatte. Da nämlich spielte der Verein letztmals im Europapokal. Der Trainer damals: Volker Finke.

Erinnerungen an 2001

Nun gibt es am Donnerstag zu Hause gegen den tschechischen Erstligisten Slovan Liberec (ab 20.50 Uhr im LIVE-TICKER) das Comeback auf Europas Bühne.

Grund genug für ein besonderes Kribbeln? "Ein Kribbeln, wie es die Fans vor so einem Spiel verspüren, empfinde ich nicht", sagt Streich im Gespräch mit SPORT1.

"Aber ich freue mich wie alle in Freiburg auf das Abenteuer Europa League." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Streich tritt die Euphorie-Bremse

Die Euphorie ist überall in der Stadt spürbar.

Streich, von Haus aus eher der bodenständige Typ, tritt daher lieber mal auf die Euphorie-Bremse: "Ich glaube nicht, dass wir erfolgreicher spielen, wenn ich in Sachen Euphorie auf das Gaspedal trete."

Realist müsse er sein und "da gilt es einfach, unser ganzes Umfeld auf diese Mehrfachbelastung einzustimmen."

Ist das internationale Geschäft dann eher ein Fluch als ein Segen? Immerhin stieg der Sportclub am Ende der Saison 2001/2002 ab.

"Ein Fluch kann das schon deshalb nicht sein, weil es sich die Mannschaft verdient hat, dass sie als Fünfter an diesem Wettbewerb teilnimmt", findet Streich. "Natürlich müssen wir die entstehenden Belastungen so hinbekommen, dass am Ende die Bundesliga-Zugehörigkeit nicht in Gefahr ist."

Vom No-Name zum Kult-Trainer

Trotz dieser Gefahr dürfte auch Streich insgeheim ein wenig stolz sein, immerhin war er vor zwei Jahren nur hartgesottenen Freiburgern ein Begriff.

Heute kennt ihn die ganze Republik, steht der gebürtige Weiler mit seinem Team im internationalen Schaufenster und wird von Fans und Experten als Kult-Trainer gefeiert.

Das ist Streich aber alles andere als recht: "Ich möchte so nicht bezeichnet werden, Kult sind Leute, die über einen weit längeren Zeitraum etwas Außerordentliches geleistet haben, Rockstars vielleicht. So sehe ich mich nicht."

Immerhin werden seine Sprüche aber schon für eine regelmäßige TV- und Zeitungskolumne herangezogen

Holpriger Start in der Liga

Streich selbst richtet den Fokus aber voll aufs Sportliche. Denn der Start in die Liga ist nach dem Abgang vieler Leistungsträger mit zwei Punkten aus fünf Spielen sehr holprig.

Die Auftritte im Europapokal sorgen für einen "großen Reiz und für Motivation", so Streich. "Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes."

Liberec sei ein "sehr kompaktes Team, das ebenfalls über das Kollektiv kommt." Eine Mannschaft, "die sich auf ein sehr gutes Konterspiel versteht."

Keine Sehnsucht nach der Vergangenheit

Sehnsucht nach den Abwewanderten, allen voran Neu-Nationalspieler Max Kruse, verspürt Streich aber nicht.

"Unsere Idee ist, dass wir den neuen Kader möglichst bald wieder soweit haben, dass Leistungen wie im Vorjahr möglich sind", sagt Streich.

Auf diesem Weg muss die Mannschaft erstmal drei englische Wochen verkraften. Damit aus dem Freiburger Märchen in dieser Saison nicht ein Albtraum wird.

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