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Martina Müller (r.) und Kerstin Garefrekes treffen beim Sieg gegen Russland © getty

Im letzten Test vor dem Projekt "EM-Titelverteidigung" überzeugt die DFB-Elf gegen Russland erst in der zweiten Halbzeit.

Bochum - Große Zufriedenheit war in den glühend roten Gesichtern der deutschen Fußballerinnen unmittelbar nach der Hitzeschlacht gegen Russland bei der Generalprobe für die Europameisterschaft in Finnland (23. August bis 10. September) nicht zu erkennen.

Als eine der letzten abgekämpften Spielerinnen humpelte nach dem 3:1 (0:0)-Arbeitssieg die sichtlich niedergeschlagene Simone Laudehr aus der Kabine des Bochumer Ruhrstadions.

Bei einem Pressschlag (51.) hatte die Mittelfeldspielerin einen Schuss mit voller Wucht gegen den Fuß bekommen und sich das rechte Knie verdreht.

Entwarnung bei Laudehr

Mit Verdacht auf einen Innenbandriss verließ die Duisburgerin, die erst im April nach einer viermonatigen Pause in Folge einer schweren Schulteroperation zurückgekehrt war, das Feld.

"Ich muss jetzt die MRT-Untersuchung abwarten", sagte die 23-Jährige frustriert. Immerhin bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen nicht: Die Untersuchung ergab eine Bänderzerrung.

Die Spekulationen über Laudehrs Verletzung überschattete die Erkenntnisse, die der Härtetest gegen den möglichen Viertel- oder Halbfinalgegner einbrachte. DFB-Trainerin Silvia Neid zog nach dem Kraftakt ein positives Fazit:

"Ich habe eine starke russische Mannschaft gesehen, die organisiert und nickelig gespielt hat. Es war keine einfache Aufgabe heute, aber wir haben sie gelöst."

Schwache erste Halbzeit

In der ersten Halbzeit präsentierte sich die deutsche Mannschaft noch nicht in Titelform. Der Abschluss war wie beim 0:0 der Vorwoche gegen Japan verhalten und es folgten Fehlpässe durch falsche Zeitpunkte beim Freilaufen und Abspielen.

"Dadurch haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht und mussten über Zweikämpfe ins Spiel kommen," analysierte Neid, "aber das haben wir nach der Pause besser gemacht."

Als die DFB-Auswahl in der zweiten Hälfte ins Spiel fand und durch Kerstin Garefrekes (52.) in Führung ging, wackelte beim Gegentor (53.) nach einem Konter die Defensive.

Abwehrpatzer führt zu Ausgleich

"Das 1:1 geht ganz klar auf unsere Kappe. Da haben wir in der Innenverteidigung gepennt", gestand Annike Krahn, die bei ihrem Heimspiel in Bochum 90 Minuten durchspielte,

"aber besser, so ein Fehler passiert jetzt, als bei der EM. Wir werden die Lehren daraus ziehen."

In der Viererkette hat Neid viel gewechselt und ausprobiert. Auf eine Stammformation wollte sie sich auch nach dem Test unter der Beobachtung der EM-Gruppengegner Norwegen und Frankreich sowie der englischen Nationaltrainerin bewusst nicht festlegen.

"Wir sind so flexibel, dass wir innerhalb des Turniers die Spielerinnen wechseln und uns gezielt auf den Gegner einstellen können", erklärte die ehemalige Nationalspielerin.

Schöne Kombination kurz vor Schluss

Ihr gewohntes spielerisches Potenzial bewies die deutsche Elf Sekunden vor Abpfiff, als die kurz zuvor eingewechselte Martina Müller (90.+3) nach einer mustergültigen Kombination von Celia Okoyino da Mbabi und Garefrekes traf.

Zuvor hatte ein von der Russin Xenia Zybutowitsch (63.) per Kopf ins eigene Tor gelenkter Freistoß von Linda Bresonik zum 2:1 geführt.

Im abschließenden sechsten Lehrgang (10. bis 14. August) und nach der Abreise nach Tampere am 19. August hat der zweimalige Welt- und sechsmalige Europameister noch Gelegenheit, an den Defiziten zu feilen.

Am 24. August beginnt gegen Norwegen die Mission Titelverteidigung, es folgen die Partien gegen Frankreich (27. August) und Island (30. August).

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