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Simone Laudehr (l.) laborierte zuletzt an einer Knieverletzung © getty

Mit dem Gruppensieg im Rücken plant Bundestrainerin Silvia Neid gegen Island ein ganz "neues" Team aufs Feld zu schicken.

Tampere - Eigentlich wollte Theo Zwanziger am Sonntag zum ersten Mal bei der Frauen-EM in Finnland als "Maskottchen" auf der Tribüne sitzen.

Doch zu einem bedeutungslosen Spiel einer wahrscheinlich auflaufenden B-Elf wollte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes dann doch nicht nach Tampere reisen und verschob seinen Besuch kurzerhand auf das Viertelfinale.

Grund für die Verlegung der Reise waren wohl nicht zuletzt die Aussagen von DFB-Trainerin Silvia Neid.

"Wir können uns überlegen, ob wir vielleich eine ganz andere Mannschaft aufstellen. Das könnte man in Erwägung ziehen, weil wir viele gute Spielerinnen haben", erklärte Neid vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Island.

Sicher nicht spielen werden die mit einer Gelben Karte belasteten Kim Kulig und Linda Bresonik.

Vorzeitige Qualifikation

"Wir können uns den Luxus leisten, nicht gewinnen zu müssen", meinte Neid nach den beiden souveränen Siegen gegen die im Vorfeld als Mitfavoriten gehandelten Mannschaften aus Norwegen (4:0) und Frankreich (5:1).

Die mühelosen Erfolge sorgten dafür, dass sich der Titelverteidiger als Sieger der Gruppe B bereits vorzeitig für das Viertelfinale qualifiziert hat und am kommenden Freitag in Lahti gegen den Zweiten der Gruppe C (Schweden, Italien, England, Russland) antreten muss.

Keine Wetttbewerbsverzerrung möglich

Die Deutschen können im letzten Gruppenspiel auch deshalb bedenkenlos mit der zweiten Garnitur antreten, weil Island nach zwei Niederlagen (1:3 gegen Frankreich und 0:1 gegen Norwegen) als Gruppenletzter feststeht.

Der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung kann somit nicht aufkommen. (Der EM-Spielplan: Ergebnisse und Tabellen)

DFB-Team aus dem Rhythmus?

Aufkommen könnte dagegen die Meinung, dass sich der zweimalige Welt- und sechsmalige Europameister durch die Schonung der Stammkräfte selbst schadet.

Schließlich war bei Turnieren in der Vergangenheit oft genug zu erkennen, dass eine Mannschaft dadurch aus dem Rhythmus gekommen ist.

Den jüngsten Beweis für diese These lieferte das niederländische Männerteam bei der EM 2008.

"Ich habe gar keine Bedenken"

Davon will sich Neid aber nicht abschrecken lassen. "Es gibt vielleicht Beispiele, bei denen das nach hinten los gegangen ist. Es gibt aber auch genügend Beispiele, bei denen man gesehen hat, dass die Mannschaften am Ende zu müde waren, um die wichtigen Spiel zu gewinnen", sagte die 45-Jährige.

"Ich habe da gar keine Bedenken. Wir haben auch in der Vorbereitung viel ausprobiert. Die Spielerinnen wissen, was zu tun ist."

Schon 22 EM-Spiele ohne Niederlage

Dass die deutschen Fußballerinnen wissen, was zu tun ist, haben sie in den ersten beiden Spielen in der Tat unter Beweis gestellt.

Die Dominanz der Deutschen, die zuletzt viermal in Folge bei der Europameisterschaft triumphierten und die seit mittlerweile 22 EM-Spielen ungeschlagen sind, hat bereits die Frage aufgeworfen, wer den Titelverteidiger in Finnland überhaupt schlagen soll.

Von einem Nimbus der Unbesiegbarkeit will Neid, in deren Kader 16 Weltmeisterinnen von 2007 stehen, allerdings nichts wissen: "Die Mannschaft hat bisher Eindruck gemacht. Aber es gibt ganz viele, die uns schlagen können, wenn wir nicht weiter so konzentriert wie bisher bleiben."

Die voraussichtliche Aufstellung gegen Island:

Deutschland: Angerer - Stegemann, Bartusiak, Hingst, Fuss - Bajramaj, Zietz, Laudehr, Mittag - da Mbabi, Prinz

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