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Mehr als 8000 Fans empfingen die Europameisterinnen auf dem Frankfurter Römer © getty

Die DFB-Frauen feiern den EM-Titel und nehmen schon die WM 2011 im eigenen Land ins Visier. Neid bremst ihre "Party-Löwen".

Helsinki - Nachdem das große Ziel endlich erreicht war, verwandelten sich die deutschen Fußballerinnen im Club "The Tiger" in richtige Party-Tiere.

Bis in den Freitamorgen feierten die "Wildkatzen" in Helsinki ihr 6:2 (2:1) im EM-Finale gegen England, den siebten EM-Triumph und den fünften EM-Titel in Folge.

Die Fete in der finnischen Hauptstadt nach dem höchsten Endspielsieg der Geschichte soll allerdings nur der kleine Vorgeschmack auf das Freudenfest gewesen sein, das in zwei Jahren in ganz Deutschland erwartet wird.

Von einer langen feuchtfröhlichen Nacht sichtlich gezeichnet, stiegen die EM-Heldinnen am Freitagmittag aus dem Flugzeug und ließen sich anschließend von rund 8000 begeisterten Fans vor dem Frankfurter Römer feiern. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch präsentierte Birgit Prinz auf dem Balkon des Rathauses stolz die silberne EM-Trophäe.

WM-Heimspiel im Blick

"Der Erfolg ist ein toller Einstieg für uns in die WM 2011. Dann gilt es. Dann wollen wir den WM-Titel verteidigen", erklärte DFB-Präsident Theo Zwanziger noch vor dem Empfang durch die Fans am Freitagnachmittag in Frankfurt/Main.

"Der EM-Titel ist das Signal, um etwas loszutreten. Die Menschen haben gesehen, dass die Mannschaft die WM gewinnen kann. Diese Botschaft wird nachhaltig wirken."

Euphorie ist nicht verkehrt

Wie Zwanziger ist auch Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz davon überzeugt, dass der Triumph bei der Europameisterschaft die Begeisterung im Hinblick auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land schüren wird.

"Wenn wir die Euphorie mit dem Erfolg angefacht haben, ist das sicher nicht verkehrt", meinte die Spielführerin des zweimaligen Weltmeisters, die einen erheblichen Anteil am Erfolg vor 15.877 Zuschauern im Olympiastadion von Helsinki hatte.

Torfestival im Finale

Die dreimalige Weltfußballerinen des Jahres, die zuvor ohne Treffer während des Turniers geblieben war, steuerte zwei Tore (20., 76.) zum Sieg bei.

Zweimal erfolgreich war auch Inka Grings (62., 73.), die sich damit zum zweiten Mal nach 2004 den Titel der Torschützenkönigin (sechs Treffer) sicherte.

Zudem trafen Melanie Behringer (22.) und Kim Kulig (50.) im offenen Schlagabtausch mit den Engländerinnen, für die Karen Carney (24.) sowie Starspielerin Kelly Smith (55.) erfolgreich waren.

Neid warnt vor Überheblichkeit

Doch trotz des am Ende deutlichen Erfolgs, für den jede Spielerin die vom DFB ausgelobte Siegprämie in Höhe von 12.000 Euro kassierte, warnte DFB-Trainerin Silvia Neid vor einer eventuellen Überheblichkeit in den kommenden beiden Jahren.

"Wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sonst sind wir bald nicht mehr die Besten der Welt", sagte die 45-Jährige.

Neid weiß, dass sie nun vor der schweren Aufgabe steht, die Spannung bis zur WM hochzuhalten.

Brauchen starke Gegner

"Das Niveau der anderen Teams wird weiter steigen. Das macht die Sache immer schwieriger. Wir müssen schauen, dass wir starke Gegner bekommen", erklärte die Trainerin, deren Team als Gastgeber gesetzt ist und daher nicht durch die Qualifikation muss.

"Als Welt- und Europameister hat man aber eigentlich immer Pflichtspiele, weil uns alle schlagen wollen", blickt Neid voraus.

Für 2011 kein Komplett-Umbruch

Die Phase bis zu den Titelkämpfen wird zudem ein Testlauf für nachrückende Spielerinnen.

"Auf der einen oder anderen Position werden wir sicher junge Spielerinnen einsetzen, weil man nicht weiß, ob die eine oder andere von Verletzungen verschont bleibt", sagte die Bundestrainerin, die allerdings keinen kompletten Umbruch des Teams anstrebt:

"Dennoch müssen wir die jungen Spielerinnen so ausbilden, dass sie in der Lage sind, 2011 dabei zu sein."

Stegmann geht von Bord

Ganz sicher nicht mehr dabei sein wird Kerstin Stegemann. Für die 31-Jährige war die EM der Abschluss ihrer Karriere im DFB-Trikot.

Die Außenverteidigerin absolvierte insgesamt 191 Länderspiele (8 Tore) und belegt auf der Liste der Rekordnationalspielerinnen Platz zwei hinter Prinz (198).

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