vergrößernverkleinern
Birgit Prinz hat bislang 125 Länderspieltore für die DFB-Auswahl erzielt © getty

Birgit Prinz steht vor ihrem 200. Länderspiel und baut sich ihr eigenes Denkmal. Platini, Löw und Zwanziger gratulieren.

Düsseldorf - Vor ihrem 200. Länderspiel ist Rekordnationalspielerin Birgit Prinz ausgerechnet am Rosenmontag gegen den Düsseldorfer Karneval angetreten.

"Und hat verloren", sagte die 32-Jährige mit einem Schmunzeln bei einer kleinen beschaulichen Pressekonferenz vor ihrem eigentlichen großen Auftritt am Mittwoch in Duisburg beim Länderspiel gegen Asienmeister Nordkorea.

Im Mannschaftsquartier der deutschen Fußball-Frauen in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt blickte Prinz auf ihre einzigartige Karriere zurück.

"Keine Quelle der Motivation"

"200 Spiele, die hat noch niemand erreicht. Es ist schon etwas Besonderes, dass ich das geschafft habe", sagte sie: "Für mich ist das zwar nicht ganz so bedeutend, aber es ist schon eine coole Zahl."

Wenn sie dann am Mittwoch auf dem Platz steht, "ist es aber ein Länderspiel wie jedes andere auch", sagte die Torjägerin, die Zahlenspiele eigentlich nicht mag.

"Ich habe nichts dagegen, dass Statistiken geführt werden. Nur für mich sind sie nicht von Bedeutung, weil ich keine Tabellen über meine Spielzeiten, Einsätze oder Tore führe, darin sehe ich keinen Mehrwert für mich, das ist keine Quelle der Inspiration oder Motivation", so Prinz.

Titel wie Briefmarken

Die Stürmerin des siebenmaligen deutschen Meisters 1. FFC Frankfurt, die im Juli 1994 ihr Debüt gegen Kanada feierte, erzielte damals 17 Minuten nach ihrer Einwechselung den Treffer zum 2:1-Sieg.

Es folgte eine beispiellose Karriere, Prinz sammelte Titel wie Briefmarken: Zwei WM-Triumphe, fünf EM-Erfolge, zweimal Olympia-Bronze, dreimal Weltfußballerin, drei UEFA-Cup-Siege, neun deutsche Meisterschaften, neun DFB-Pokalsiege, einmal US-Meister, WM-Torschützenkönigin, beste WM-Spielerin.

Sogar UEFA-Präsident Michel Platini ist angesicht dieser Erfolge ein Fan von Prinz: "Der deutsche Frauenfußball kann sich einer echten Legende rühmen."

"Ich bewundere sie"

Auch Männer-Bundestrainer Joachim Löw ("Ich bewundere sie"), "Kaiser" Franz Beckenbauer ("Wo der deutsche Frauenfußball heute weltweit steht, das verkörpert Birgit Prinz") und Männer-Rekordspieler Lothar Matthäus ("Keine andere Spielerin auf der Welt hat wohl solche Erfolge erreicht") sind voll des Lobes.

Solche Aussagen machen Prinz aber "im Prinzip eher verlegen" als stolz. Im vergangenen Jahr kam erstmals so etwas wie Kritik an der Galionsfigur des deutschen Frauenfußballs auf.

Grund dafür war die Durststrecke der Angreiferin bei der Europameisterschaft in Finnland. Erst beim 6:2-Finalsieg über England ließ Prinz mit zwei Toren jene Kritiker verstummen, die sie zuvor bereits abgeschrieben hatten.

Medienscheue Prinz

Die Länderspiel-Treffer Nummer 124 und 125 änderten aber nichts daran, dass Prinz damals von der Kritik hart getroffen wurde und dünnhäutig reagierte.

Die Psychologie-Studentin, die im Sommer ihren Abschluss machen will, hat die schweren Tage im August und September des vergangenen Jahres, in denen sie im Schatten der EM-Torschützenkönigin Inka Grings stand, nicht vergessen und steht den Medien nach wie vor kritisch gegenüber.

"Es ist nicht so, dass ich dank meiner Leistungen in die Öffentlichkeit will. Da fühle ich mich nicht zu Hause", so die Frankfurterin.

"Die Pressearbeit gehört zwar zum Fußball dazu, dessen bin ich mir bewusst, und ich habe es auch mal eine Weile versucht, sie intensiv zu begleiten, aber es ist nicht meine Welt", meinte Prinz, die aber für sich entschieden hat, "nicht mehr ganz so defensiv mit Kritikern umzugehen und eher den Dialog zu suchen".

"Birgit ist die Fußballerin der vergangenen zehn Jahre"

Trotz der Schwierigkeiten mit den Medien kann sich Prinz der Rückendeckung der Mannschaft und des DFB sicher sein.

Die Mitspielerinnen und Trainerin Silvia Neid werden nicht müde, die nach wie vor große Bedeutung der Spielführerin zu betonen. Selbst für DFB-Präsident Theo Zwanziger ist das deutsche Team ohne Prinz noch undenkbar:

"Birgit ist sicher die überragende deutsche Fußballerin der vergangenen zehn Jahre und auch jetzt nicht aus der Mannschaft wegzudenken. Sie ist eine Teamspielerin und stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft."

Krone zur WM

In den Dienst der Mannschaft wird sich Prinz auch bei der WM 2011 in Deutschland stellen. In der Heimat will die gebürtige Frankfurterin ihre ruhmreiche Karriere zu einem krönenden Abschluss bringen:

"Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und eine Form haben werde, die eine Nominierung für das Turnier gerechtfertigt."

Neid setzt auf Bewährtes

WM-Gold im eigenen Land ist das große Ziel der Ausnahmespielerin - und von Silvia Neid.

Deshalb setzt die Bundestrainerin vorläufig auf Bewährtes: 18 Europameisterinnen, Rückkehrerin Lena Goeßling (Bad Neuenahr) und Debütantin Alexandra Popp vom FCR Duisburg bilden den 20-köpfigen Kader für das Spiel gegen Nordkorea und den Algarve Cup.

Experimente beim Algarve Cup

Für den Test gegen Nordkorea und den folgenden Algarve Cup, bei dem der Weltmeister in seiner Gruppe auf Dänemark (24. Februar), Finnland (26. Februar) und China (1. März) trifft, hat Neid Experimente angekündigt.

"Wir werden sicherlich einige Spielerinnen auf verschiedenen Positionen ausprobieren."

Grundsätzlich sei die Tür zur Nationalmannschaft weiterhin offen. "Wir haben alle Spielerinnen im Blick", betonte Neid und forcierte den Druck innerhalb des Nationalteams.

Die voraussichtliche Aufstellung:

Angerer - Bresonik, Fuß, Bartusiak, Peter - Laudehr, Kulig - Garefrekes, Prinz, Bajramaj - Grings (Mittag)

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel