vergrößernverkleinern
Im Finale von London bleibt Bajramaj der erfolgreiche Abschluss ihrer Potsdamer Zeit verwehrt. Gegen Lyon verlieren die "Torbienen" mit 0:2. Trainer Bernd Schröder muss seine Star-Spielerin ziehen lassen. Er reagierte gar nicht begeistert auf Bajramajs Wechsel. "Sportlich oder menschlich - er hat mir unglaublich viel  mitgegeben", lobt Bajramaj ihren Trainer
Bernd Schröder (l.) und Lira Bajramaj arbeiten seit zwei Jahren zusammen © getty

Potsdam will im Champions-League-Finale den Titel verteidigen. Trainer Bernd Schröder spricht bei SPORT1 über die heikle Aufgabe.

Von Mathias Frohnapfel

München - Bernd Schröder hätte jede Menge Anlass, um zu jammern.

Denn vor dem Champions-League-Finale am Donnerstagabend wird der Trainer von Turbine Potsdam gerade zweimal mit seinem kompletten Team trainiert haben.

Zuvor fehlten die fünf deutschen Nationalspielerinnen dem Klub seit Mitte März wegen der vorgezogenen WM-Vorbereitung.

Gegner Olympique Lyon richtet indes seit Wochen die volle Konzentration auf die Revanche für das 2010 gegen Potsdam verlorene Finale.

Wie Guaradiola ohne Messi und Iniesta

Doch Schröder ist kein Typ fürs Lamentieren, sondern einer, der versucht, aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen.

Was wohl Barcelonas Trainer Pep Guardiola gesagt hätte, wenn er vor dem großen Finale gegen ManUnited wochenlang ohne Messi, Iniesta und Co. hätte trainieren müssen?

"Die Nationalspielerinnen haben einen anderen Rhythmus", deutet Schröder im Gespräch mit SPORT1 an, dass seinem Team im Stadion des FC Fulham nicht nur die Feinabstimmung fehlen könnte.

Schließlich ziele die Vorbereitung der DFB-Spielerinnen darauf, zu einem deutlich späteren Zeitpunkt, nämlich zum WM-Start Ende Juni, topfit zu sein.

Lyon mit Acht-Millionen-Euro-Etat

Im Moment muss es den Turbine-Spielerinnen so vorkommen, als würden sie in High Heels auf eine Bergwanderung geschickt.

Schröder weiß umgekehrt, wie erfolgshungrig die Französinnen sind, die er eigens hat beobachten lassen. "Sie sind im Rhythmus, haben vergangenen Sonntag gespielt", stellt Schröder fest.

Lyon nennt er einen "großen Verein" mit einer "sehr guten Mannschaft" und führt auch den Klub-Etat von acht Millionen Euro an.

WM soll aus den Köpfen

Dennoch hofft er auf die Titelverteidigung. Dafür müssten allerdings die Nationalspielerinnen im Endspiel die WM komplett aus den Köpfen verbannen.

Aus Sicht des Trainer-Fuchses dürfen Lira Bajramaj, Anja Mittag, Babett Peter, Bianca Schmidt und Josephine Henning erst gar nicht ins "Denken kommen, es gibt da noch die WM".

Im Vorjahr kletterte Turbine nach einem dramatischen Spiel und Elfmeterschießen auf Europas höchsten Thron, jetzt ist Schröder zuerst einmal stolz, überhaupt wieder das Finale erreicht zu haben.

Der 68-Jährige sieht das auch als Bestätigung für die akribische Arbeit der Potsdamerinnen.

"Man kann ja nicht davon ausgehen, dass man das Champions-League-Finale erreicht. Wir hatten auch keine einfache Saison in der Meisterschaft", erklärt er zum Bundesliga-Titelhattrick, den Turbine im Endspurt perfekt machte.

Schimmel im Hotel

Im Moment plagen die "Torbienen" immer wieder Handicaps. In London war es jetzt das Team-Hotel, das in Zimmern und Flur Schimmel aufwies.

Erst nach einem Protest bei der UEFA durfte das Team ein anderes Stockwerk beziehen.

Letztes Spiel für Bajramaj

Für Fatmire Bajramaj wird das Finale die Abschiedsvorstellung im Turbine-Trikot, die Flügelflitzerin wechselt zur neuen Saison zum Dauerrivalen 1. FFC Frankfurt.

Schröder ärgert sich noch immer darüber, dass der Wechsel bereits Mitte April und nicht erst nach dem Champions-League-Finale verkündet wurde.

"Das Theatralische", wie er es nennt, hat den pragmatischen Trainer gestört.

Dennoch fürchtet er nicht, dass sich Bajramaj von den besonderen Umständen ihres letzten Einsatzes beeinflussen lasse.

"Das war ja auch damals im Pokalfinale mit Duisburg nicht so", sagt Schröder und erinnert an das Jahr 2009, als Bajramaj mit Duisburg im Pokal über ihren neuen Klub Potsdam triumphierte.

"Keine Auswirkung aufs Finale"

Bajramaj sieht die Konstellation ähnlich gelassen.

"Das hat gar keine Auswirkungen auf das Finale. Für mich nicht, für die Mannschaft nicht - und auch nicht für den Trainer."

Dass sie aktuell einen Spagat aus Nationalteam und Klub hinlegen muss, weiß die 23-Jährige und gibt zu: "Das ist schwierig." Dann fügt sie aber hinzu: "Wir müssen das aber hinkriegen."

Und auch von ihrem Trainer strebt sie einen versöhnlichen Abschluss an. "Sportlich oder menschlich - er hat mir unglaublich viel mitgegeben."

Schröder wird es gerne hören und hofft jetzt auf Bajramajs Stärken für das Endspiel. Nach dem Triumph 2010 wurde sie zur Spielerin der Partie gewählt.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel