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Birgit Prinz (r.) absolvierte seit 1994 214 Länderspiele für Deutschland © getty

Die Rekordnationalspielerin verkündet ohne Tränen das Ende ihrer großen Karriere. Der Fall des Bayer-Stars dient als Warnung.

Frankfurt am Main - Eine Ära geht zu Ende, der Frauenfußball verliert seine größte Persönlichkeit.

Birgit Prinz hat nach ihrer WM-Demütigung keine Lust mehr auf den öffentlichen Druck und zieht einen Schlussstrich unter ihre grandiose Karriere - mit dem Leiden des Michael Ballack im Hinterkopf.

"Ich spiele immer noch leidenschaftlich gerne Fußball. Aber jeder Sportler sollte wissen, wann der richtige Moment ist, die Karriere zu beenden. Und dieser Moment ist jetzt gekommen. Ich bin froh, dass ich die Entscheidung bewusst und gut überlegt getroffen habe - und nicht aus der Emotion nach der WM heraus", sagte die dreimalige Weltfußballerin.

Prinz wirkt erleichtert

Tränen flossen bei dem erwarteten Rücktritt keine, die 33-Jährige wirkte erleichtert.

Nach den bitteren WM-Wochen und dem wochenlangen Hickhack um eine Vertragsverlängerung beim 1. FFC Frankfurt hing Prinz keineswegs der Fußball an sich zum Hals heraus, sondern die ständige Öffentlichkeit.

"Aber es war trotzdem eine sehr schwierige Entscheidung. Meine Stimmung hat sich oft gedreht. Manchmal sogar von der einen auf die andere Sekunde", sagte Prinz, die vom DFB ein Abschiedsspiel erhalten soll.

"Darüber haben wir natürlich bereits nachgedacht. Birgit wird mit Sicherheit in einem würdigen Rahmen verabschiedet", sagte DFB-Teammanagerin Doris Fitschen.

Zwanziger bedauert Entscheidung

Theo Zwanziger, Präsident des DFB und ein Freund des Frauenfußballs, zeigte sich berührt.

"Selbstverständlich bedauere ich diese Entscheidung, aber ich habe auch Respekt dafür. Birgit Prinz ist eine großartige und außergewöhnliche Sportpersönlichkeit, die unglaubliche Verdienste für den Frauenfußball in Deutschland hat. Es spricht für sie und ihre Art, dass sie keinen Schnellschuss gemacht hat", sagte Zwanziger.

Er wolle persönlich mit Prinz sprechen, um nach Wünschen für ihren Abschied zu fragen: "Ich kann ihr versichern, dass sie beim Deutschen Fußball-Bund und in mir persönlich jederzeit ein offenes Ohr und einen Ratgeber finden wird."

[kaltura id="0_3pyxif0g" class="full_size" title=" Alle hatten Tr nen in den Augen "]

Fall Ballack als Warnung?

Die Gründe für die Entscheidung von Birgit Prinz liegen auf der Hand.

Nachdem die umstrittene Bundestrainerin Silvia Neid ihre Kapitänin vor dem WM-Viertelfinal-Aus gegen Japan degradiert und anschließend bloßgestellt hatte, war eine mediale Welle auf die Angreiferin niedergerauscht, von der sie sich immer noch nicht richtig erholt hat.

Prinz will ihre Leistung nicht wie im Fall Ballack bei Bayer Leverkusen jeden Tag medial seziert sehen. Deshalb verkündete die 214-malige Nationalspielerin nach 25 Jahren ihr endgültiges Karriere-Ende.

Aushilfe nur im Notfall

"Für uns ist das natürlich ein ganz bitterer Moment. Aber ich bin froh, dass sie nach ihrem Rücktritt jetzt so positiv und entspannt ist", sagte FFC-Manager Siegfried Dietrich, der zuletzt jeden Tag mit Prinz gesprochen und um eine Verlängerung des Vertrages gekämpft hatte.

Doch die Rekordnationalspielerin ließ sich nicht erweichen. Nur im absoluten Ausnahmefall will die öffentlichkeitsscheue Prinz dem FFC noch als Stand-by-Spielerin zur Verfügung stehen.

Rückkehr als Teampsychologin?

Dennoch könnte es sein, dass die studierte Psychologin bald wieder einen Vertrag beim 1. FFC Frankfurt unterschreibt: Prinz will möglicherweise schon im Herbst als Teampsychologin einsteigen.

"Aber nicht auf ehrenamtlicher Basis", wie sie mit schelmischem Blick sogleich in Richtung Manager Dietrich betonte.

"Ich werde mich im Institut für Performance-Psychologie in Frankfurt weiterbilden und hoffe, dass ich dann auch der FFC-Mannschaft etwas mit auf den Weg geben kann. Denn eine Entwicklung im Frauenfußball findet ja nicht nur auf der körperlichen Ebene statt, sondern auch im Kopf", sagte Prinz.

Das Gleiche galt zuletzt auch für Prinz: Während ihr Körper nach ein paar Trainingseinheiten beim FFC eigentlich weitermachen wollte, wehrte sich ihr Kopf zu stark dagegen. Und so ging am Freitag eine außergewöhnliche Karriere zu Ende.

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