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Kathrin Lehmann (2.v.r.) reiste von Lyon weiter zur Eishockey-Nationalmannschaft der Schweiz © getty

Der FCR Duisburg erkämpft sich im UEFA-Cup-Halbfinale bei Olympique Lyon ein 1:1. Für Aufsehen sorgt die eingeflogene Torfrau.

Lyon - Den Traum vom UEFA-Cup-Sieg am Leben erhalten und mit einem spektakulären Last-Minute-Coup auf der Torwartposition für Aufsehen gesorgt:

Der deutsche Frauenfußball-Vizemeister FCR Duisburg hat durch das 1:1 (0:1) beim französischen Top-Team Olympique Lyon nicht nur mit einem sportlich überzeugenden Auftritt von sich Reden gemacht.

Der Klub überraschte zudem mit dem kurzfristigen Entschluss, die Schweizer Torhüterin Kathrin Lehmann einfliegen zu lassen.

Ohne vorab mit der Mannschaft trainiert zu haben, stand die 29-Jährige, die im "Zweitberuf" Eishockey-Nationalspielerin ist, am Samstagabend ausgerechnet in dieser wichtigen Partie zum ersten Mal für den FCR zwischen den Pfosten.

In Lyon hatte sich gezeigt, dass die etatmäßige FCR-Torhüterin Kathrin Längert angeschlagen und Ersatzfrau Christina Bellinghoven nicht in Top-Form waren. Trainerin Martina Voss entschied daher, die seit dem 1. März vorsorglich für den Verein spielberechtigte Lehmann zu aktivieren.

Vom Tor auf die Kufen

Das Multitalent mit dem Spitznamen "Ka" ist in Deutschland keine Unbekannte. Sie spielte unter anderem bei Bayern München, Turbine Potsdam und TuS Niederkirchen. Lehmann hütete 31-mal das Tor der Schweizer Nationalelf, wechselte 2003 in die US-Collegeliga und spielte bis Ende Oktober für Hammarby IF in Schweden.

Seitdem war sie als Eishockeystürmerin, die im Schweizer Nationalteam in 167 Länderspielen bislang 79 Tore geschossen hat, für AIK Solna aktiv.

Nach fünf Monaten ohne Fußball-Spielpraxis saß Lehmann am Samstagmorgen im Flieger nach Lyon, stand abends im Tor und reiste am Sonntag weiter nach Helsinki, wo sie sich mit den eidgenössischen Kufencracks auf die WM (4. bis 12. April) vorbereitet. Dass sie sich in der siebten Spielminute nach einer Rettungsaktion gegen die Brasilanerin Katia eine Platzwunde an der Augenbraue zuzog, passte ins Bild dieser kuriosen Geschichte.

Maes sorgt für den Ausgleich

Unter diesen erschwerten Bedingungen war es umso überraschender, dass die Duisburgerinnen im strömenden Regen von Lyon von Beginn an selbstbewusst und druckvoll gegen "die momentan beste Mannschaft Europas" (Voss) zu Werke gingen.

Selbst nach dem Rückstand durch Ingvild Stenslands Freistoßtreffer (24.), bei dem Lehmann und die Mauer nicht optimal positioniert waren, zeigte sich der FCR unbeeindruckt.

Doch erst nach einer Stunde, als Voss durch die Hereinnahme der quirligen Turid Knaak neuen Schwung ins Spiel brachte, gelang der belgischen Nationalspielerin Femke Maes (67.) in ihrem ersten UEFA-Pokal-Spiel der hochverdiente Treffer zum Ausgleich.

Hoffnung auf ausverkauftes Haus

Voss zeigte sich nach dem Spiel mit dem Ergebnis und der Leistung zufrieden: "Ich muss der gesamten Mannschaft ein Kompliment machen. Wir haben gezeigt, dass wir gut sind und selbst mit dieser europäischen Spitzenmannschaft mithalten können."

Dank der guten Ausgangsposition rechnet der FCR beim Rückspiel am Sonntag - vier Tage nach dem Bundesligaduell mit Bayern München - mit einem ausverkauften Stadion. Ob Lehmann dann extra aus Finnland nach Duisburg anreisen wird, ist noch ungewiss.

"Möglicherweise wird sie zum Rückspiel sogar von der WM zu uns kommen, um erneut auszuhelfen. Es gibt entsprechende Vereinbarungen mit dem Eishockey-Verband", sagte FCR-Manager Guido Lutz.

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