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Starke Vorstellung auf der Sechser-Position: Linda Bresonik (l.) © getty

Beim Remis gegen Brasilien wissen die DFB-Frauen vor Rekordkulisse zu überzeugen. Nur zwei Details mindern die Zufriedenheit.

Aus Frankfurt berichtet Jessica Pulter

Frankfurt - Zuschauerrekord gebrochen, ein attraktives und offensives Spiel geliefert, viele Torraumszenen gezeigt:

Eigentlich müsste die deutsche Frauen-Nationalmannschaft mit der Partie gegen Brasilien hoch zufrieden sein, wenn da nicht das Ergebnis wäre.

Das 1:1 (1:1)-Unentschieden im Testspiel entsprach nicht dem Spielverlauf, doch zeigte deutlich, woran das junge Team bis zur EM 2009 in Finnland im August und September noch arbeiten muss.

Baustelle Offensivspiel

Anja Mittag hatte in der 24. Minute nach guter Vorarbeit von Linda Bresonik das 1:0 markiert, doch in der Folge ließen die deutschen Frauen vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit mehrere hochkarätige Chancen aus.

"Wir hatten deutlich mehr vom Spiel", ärgert sich Babett Peter gegenüber Sport1.de über die ausgelassenen Möglichkeiten.

"Wir sind auf einem guten Weg in Richtung EM", meinte auch Bundestrainerin Silvia Neid. "Doch wir müssen uns noch im Präzisionsspiel nach vorne, im Laufverhalten der Spitzen und im Abschluss verbessern."

Starke Defensivleistung

An der Abwehr gab es kaum etwas zu bemängeln, denn Brasiliens Starspielerinnen wie Marta und Cristiane waren fast vollständig abgemeldet bei der deutschen Viererkette um Annike Krahn.

So fiel der Ausgleich durch Maurine (35.) auch nach einem Freistoß, bei dem das DFB-Team unsortiert war.

"Wir haben defensiv gut gestanden und nur wenig zugelassen, doch beim Gegentor haben wir gepennt", ärgerte sich Peter. "Aber daraus können wir auch lernen."

Schachzug geht auf

Immer deutlicher wird, dass Neids Schachzug funktioniert, auf eine Doppelsechs mit Bresonik und der jungen Kim Kulig zu setzen.

Die beiden Spielerinnen hatten nicht nur das brasilianische Aufbauspiel im Griff, sondern setzten auch in der Offensive Akzente.

"Wir haben uns auf der Position gefunden", sagte auch Neid.

Neuer Zuschauerrekord

Insgesamt sahen 44.825 Zuschauer die Partie im Stadion - ein neuer europäischer Rekord im Frauen-Fußball, der nicht nur der deutschen Mannschaft Gänsehautstimmung verlieh.

"Das war eine tolle Stimmung", lobte auch Marta die Fans, die vor allem in Halbzeit zwei für Furore auf den Rängen sorgten.

"Das war schon etwas ganz besonderes", freute sich Kerstin Garefrekes darüber, dass trotz des Wochentags und der Tatsache, dass es "nur" ein Freundschaftsspiel war, so viele Zuschauer ins Stadion gekommen waren.

"Das ist ein sehr positives Signal. Wir können uns wirklich auf die WM 2011 freuen."

Fröhlich sein durfte auch das deutsche WM-Organisationskomitee: Die Begegnung brachte dem Verband einen Einnahme-Rekord für ein Frauen-Länderspiel in Höhe von rund 450.000 Euro.

Prinz im Pech

Leider waren diese Rekorde nicht das Einzige, was am Mittwoch gebrochen wurde. Birgit Prinz erlitt bei einem Zusammenstoß mit Melanie Behringer einen Rippenbruch und musste noch vor der Halbzeit ausgewechselt werden.

Ein weiterer Rückschlag für die 31-Jährige, die sich erst von einer Wadenverletzung erholt hatte. Doch immerhin scheint die Teilnahme an der EM in Finnland (23. August bis 10. September) nicht gefährdet - und auch bei der WM im eigenen Land soll sie dabei sein.

"Birgit und ich hätten beide gerne, dass sie 2011 mitspielt", erklärte Neid. "Aber dafür muss sie auch von Verletzungen verschont bleiben."

Prinz selbst wird mit Sicherheit alles dran setzen, um mit der deutschen Mannschaft dann im Finale zu stehen. Denn das findet wieder in Frankfurt statt - und da genießt nicht nur Prinz einen Heimvorteil.

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