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Silvia Neid (2.v.l.) beendete 1996 ihre Spielerkarriere © getty

Glücksfee Netzer bringt Glück: Bei der Auslosung zur Frauen-WM erwischt das Neid-Team dankbare Vorrunden-Gegner.

Von der WM-Auslosung berichtet Martin Volkmar

Frankfurt/Main - "Ersatz-Losfee" Günter Netzer hat Titelverteidiger Deutschland Glück gebracht.

Assistiert von Topmodel Adrian Karembeu zog der frühere Weltstar Kanada, Nigeria und Frankreich als Vorrundengegner für die Weltmeisterschaft im nächsten Sommer (26. Juni bis 17. Juli 2011) im eigenen Land.

Auftaktgegner im Eröffnungsspiel im Berliner Olympiastadion wird der Weltranglisten-9. Kanada sein, der zuletzt in einem Testspiel 5:0 gschlagen wurde, danach kommt es am 30. Juni in Frankfurt/Main zum Duell mit Afrikameister Nigeria, den die DFB-Auswahl vergangene Woche 8:0 deklassiert hatte.

Zum Abschluss trifft der von Silvia Neid trainierte Weltmeister von 2003 und 2007 in Mönchengladbach auf den vermutlich schwersten Kontrahenten, den Weltranglisten-8. Frankreich. (Der WM-Spielplan)

Titel ist das Ziel

Die DFB-Trainerin zeigte sich nicht unzufrieden mit den Gruppengegnern und blickte nach vorn.

"Unser Ziel ist klar: Wir wollen erstmal die Vorrunde überstehen. Wir denken Schritt für Schritt. Das oberste Ziel bleibt die Titelverteidigung. Das wäre sehr schön, dafür werden wir alles tun", sagte Neid.

Netzer: "Nervös wie noch nie"

Netzer war kurzfristig für den ursprünglich vorgesehenen Oliver Kahn eingesprungen, der wegen des Wetterchaos nicht von München nach Frankfurt fliegen konnte.

"Ich habe erst kurz vorher erfahren, welche Ehre mir zuteil wird", meinte Netzer vor Beginn im Gespräch mit SPORT1, und fügte ironisch an: "Ich bin nervös wie noch nie in meinem Leben."

Seiner Aufgabe war er dann aber erwartungsgemäß souverän gewachsen, und auch bei den DFB-Verantwortlichen sorgte die Wahl für zufriedene Gesichter.

Startschuss für die Endrunde

Die Zeremonie vor 600 Gästen in der Frankfurter Messe, die live in mehr als 200 Länder übertragen wurde, bildete den Startschuss für die mit Spannung und Vorfreude erwartete erste Endrunde der Frauen in Deutschland.

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"Mit der Auslosung beginnt der eigentliche WM-Countdown", hatte FIFA-Präsident Sepp Blatter vorher erklärt.

Der Schweizer selber hatte allerdings wegen der Vorbereitung der Vergabe der Männer-WM 2018 und 2022 am Freitag abgesagt, wofür er sich am Montag noch einmal in einem Telefonat mit OK-Präsidentin Steffi Jones persönlich entschuldigt hatte.

Auch Beckenbauer fehlt

Aufgrund des Wintereinbruchs stand Blatter damit jedoch nicht alleine, denn wie schon bei der Auslosung der U-20-WM im April in Dresden spielte das Wetter nicht mit.

Damals war der Luftverkehr aufgrund der isländischen Aschewolke lahmgelegt, diesmal hinderte das Schneechaos auf zahlreichen Flughäfen kurzfristig auch FIFA-Exekutivmitglied Franz Beckenbauer und Kahn an der Anreise.

"Schade, Oliver hat sich ja noch nie so zum Frauenfußball geäußert. Wenn er das heute nicht richtig gemacht hätte, hätte ich den Knüppel ausgepackt", meinte Steffi Jones.

Trotz der nicht nur aus ihrer Sicht hervorragenden Situation des Frauenfußballs in Deutschland, soll die WM der Sportart weltweit einen weiteren Schub geben.

Jones: "Wir wollen Geschichte schreiben"

"Wir wollen mit dieser WM Geschichte schreiben", sagte die frühere Nationalspielerin, die nach bislang zweieinhalb Jahren Arbeit sportlich und organisatorisch von einer Neuauflage des Sommermärchens von 2006 ausgeht ? natürlich im kleineren Rahmen.

Die Voraussetzungen sind bestens. Bislang sind mehr als die Hälfte der rund 700.000 im freien Verkauf erhältlichen Tickets weg, weitere 150.000 Karten gab die FIFA unmittelbar nach der Auslosung frei.

Darunter befinden sich auch 50.000 Karten für die drei Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft, die ansonsten schon längst alle ausverkauft wären. "Aber wir wollen es schaffen, dass am Ende alle neun Stadien ausverkauft sind", erklärte Jones.

Bereits jetzt ausverkauft ist das Eröffnungsspiel mit der DFB-Auswahl am 26. Juni im Berliner Olympiastadion gegen Kanada und auch das Finale am 17. Juli in Frankfurt am Main.

Die WM-Vorrundengruppen im Überblick

Gruppe A: Deutschland (Titelverteidiger, WR-2.), Kanada (WR-9.), Nigeria (WR-27.), Frankreich (WR-8.)

Die deutschen Spiele: 26. Juni gegen Kanada in Berlin (Eröffnungsspiel), 30. Juni gegen Nigeria in Frankfurt/Main, 5. Juli gegen Frankreich in Mönchengladbach

Gruppe B: Japan (WR-5.), Mexiko (WR-22.), Neuseeland (WR-23.), England (WR-10.)

Gruppe C: USA (WR-1.), Nordkorea (WR-6.), Kolumbien (WR-32.), Schweden (WR-4.)

Gruppe D: Brasilien (WR-3.), Australien (WR-12.), Äquatorial-Guinea (WR-62.), Norwegen (WR-7)

Die WM-Spielorte:

Berlin (nur Eröffnungsspiel, 74.244 Plätze), Frankfurt (u.a. Finale, 49.240), Augsburg (25.579 Zuschauer), Bochum (23.000), Dresden (27.190), Leverkusen (30.000), Mönchengladbach (46.297), Sinsheim (25.641), Wolfsburg (25.361)

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