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Sylvia Arnold spielt seit 2006 beim USV Jena © imago

Das deutsche Team bekommt es bei der WM 2011 mit CONCACAF-Champ Kanada, Afrikameister Nigeria und Nachbar Frankreich zu tun.

Frankfurt/Main - Im kommenden Jahr will die deutsche Auswahl bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land (26. Juni bis 17. Juli) endgültig aus dem Schatten der Männer treten.

Mit dem dritten WM-Triumph in Folge würde das Team von DFB-Trainerin Silvia Neid zum alleinigen Rekord-Weltmeister aufsteigen. (Der WM-Spielplan)

"Wir wollen einen großen Traum verwirklichen und zum dritten Mal in Folge Weltmeister werden", sagt Neid.

Diesem Ziel, mit dem die Professionalisierung des Frauenfußballs in Deutschland einhergehen soll, wird alles untergeordnet.

So endet die Bundesliga bereits am 13. März, damit sich das Nationalteam rund zwei Monate auf das Unternehmen Titelverteidigung vorbereiten kann.

Deutschland klarer Favorit

In der Zeit zwischen dem 11. April und dem 17. Juni stehen insgesamt sieben Lehrgänge und vier Länderspiele auf dem Programm.

Dabei wird nichts dem Zufall überlassen, bevor sich die DFB-Auswahl am 21. Juni in Berlin einfindet, um fünf Tage später im Olympiastadion das Eröffnungsspiel gegen Kanada zu bestreiten.

Die Erfolge der Vergangenheit und der Heimvorteil erheben die deutschen Frauen zum großen Favoriten der Gruppe - und des gesamten Turniers.

Zudem ist es dem deutschen Team in den vergangenen Jahren immer gelungen, auf den Punkt topfit und bestens vorbereitet zu sein.

Wohl letztes Turnier für Prinz

Birgit Prinz, die wohl zum letzten Mal auf der internationalen Bühne stehen wird, möchte noch einmal den WM-Pokal in den Händen halten.

Die Voraussetzungen sind gut, schließlich gilt ihre Trainerin als Titelgarant. Seitdem Neid im Sommer 2005 den Posten übernommen hat, ging die deutsche Auswahl in bisher zwölf Endrundenspielen bei einer EM oder WM nur einmal nicht als Sieger vom Platz.

England trotzte den Deutschen in der WM-Vorrunde 2007 ein Unentschieden ab - den Titel holte sich das DFB-Team am Ende aber trotzdem.

Deutschlands Gruppengegner im Überblick:

KANADA:

Kanadas Nationalmannschaft kommt mit enormem Rückenwind nach Deutschland. Im November krönte sich "Big Red" mit dem Sieg beim Qualifikationsturnier der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone zum zweiten Mal nach 1998 zum CONCACAF-Champion.

Das WM-Ticket hatten die Kanadierinnen bereits mit dem Einzug ins Endspiel in der Tasche.

Der bislang größte Erfolg bei einer WM-Endrunde datiert aus dem Jahr 2003. In den USA beendete Kanada das Turnier als Vierter. Doch die erhoffte Weiterentwicklung blieb aus: Vier Jahre später in China kamen die Ahornblätter nicht über die Vorrunde hinaus.

In der Weltrangliste kratzt Kanada immer wieder an den Top Ten - derzeit rangiert das Team auf Rang neun. Doch im Kräftemessen mit dem Weltmeister im September zeigte Deutschland der athletischen kanadischen Auswahl mit einem 5:0-Erfolg in Dresden noch einmal deutlich die Grenzen auf.

Unbestrittene Anführerin der kanadischen Mannschaft ist Christine Sinclair. Die beim US-Profi-Klub FC Gold Pride aktive Ausnahmestürmerin ist mit 145 Länderspielen (108 Tore) Rekordspielerin ihres Landes - und das mit gerade einmal 27 Jahren.

NIGERIA:

In Afrika sind Nigerias Fußballerinnen eine Macht, doch auf internationalem Terrain warten die "Super Falcons" noch auf den Durchbruch.

Mit dem Finaleinzug bei der U20-WM in diesem Sommer in Deutschland unterstrichen die Westafrikanerinnen jedoch ihre Ambitionen im Frauenfußball - auch wenn es nicht zum Titel reichte.

Silvia Neid ist ein heimlicher Fan der Nigerianerinnen, schätzt deren Athletik sowie die Zweikampf- und Dribbelstärke. Doch beim jüngsten 0:8-Debakel gegen die DFB-Auswahl in Leverkusen wurde auch das große Manko der antiquierten Verteidigung mit Libera und zwei Innenverteidigerinnen ersichtlich.

Bei der diesjährigen Afrikameisterschaft löste das Team von Trainerin Eucharia Uche, die erste weibliche Trainerin überhaupt auf der nigerianischen Bank, mit dem Einzug ins Endspiel (5:1 im Halbfinale gegen Kamerun) das WM-Ticket, die Kontinentalkrone setzte sich der Weltranglisten-27. mit einem 4:2 gegen Äquatorial-Guinea zum achten Mal auf.

Zu den auffälligsten Spielerinnen Nigerias gehört Perpetua Nkwocha. Die in Schweden aktive Angreiferin wurde zweimal (2004 und 2005) zu Afrikas Fußballerin des Jahres gewählt.

FRANKREICH:

Nach der verpassten Qualifikation für die WM 2007 war die Enttäuschung im französischen Frauenfußball groß - umso größer fiel dann die Erleichterung über die souveräne Vorstellung auf dem Weg nach Deutschland aus.

Nach zwölf Spielen, davon elf Siege (ein Unentschieden), 53 Toren und nur zwei Gegentreffern hatten Les Bleus das Ticket für die Endrunde 2011 in der Tasche.

Kein Wunder also, dass Coach Bruno Bini auch für die FIFA-Wahl zum Frauen-Trainer des Jahres nominiert wurde. Er hat der französischen Auswahl neues Leben eingehaucht.

Bei der EM 2009 in Finnland setzte sich der Aufwind fort, dort scheiterte er jedoch mit seinem Team im Viertelfinale unglücklich an den Niederlanden.

Klammheimlich haben sich die Französinnen auf Position acht der Weltrangliste vorgearbeitet und sind somit die Nummer vier in Europa hinter Weltmeister Deutschland (2), Schweden (4) und Norwegen (7).

Mit ihren 37 Jahren ist Rekordnationalspielerin Sandrine Soubeyrand (155 Länderspiele) unumstrittene Führungskraft neben Verteidigerin Sonia Bompastor (121). Nach vorne sorgen junge Spielerinnen wie Louisa Necib (23 Jahre) und Elodie Thomis (24) für Wirbel.

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