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Trainerin Silvia Neid führte die DFB-Frauen bereits 2007 zur Weltmeisterschaft © getty

Nach gelungener Auslosung zur Frauen-WM 2011 ist Trainerin Silvia Neid zufrieden, warnt aber gleichzeitig vor Überheblichkeit.

Von der WM-Auslosung berichtet Martin Volkmar

Frankfurt/Main - Als die kurzweilige Show in der Frankfurter Messe beendet war, blieben Theo Zwanziger und Silvia Neid noch lange vor der großen Tafel auf der Bühne stehen. (318845DIASHOW: WM-Auslosung)

Der DFB-Präsident und seine oberste Frauen-Trainerin steckten minutenlang die Köpfe zusammen und fachsimpelten über die Auslosung der WM 2011 in Deutschland.

Mit den Vorrundengegnern Kanada, Nigeria und Frankreich waren beide angesichts potenzieller Gegner wie Nordkorea oder Schweden zufrieden. (Der WM-Spielplan)

"Es hätte für uns schlimmer kommen können", sagte Zwanziger. "Damit können wir sehr gut leben", meinte auch Neid. "Aber man kann sicher nicht sagen, dass wir schon im Viertelfinale stehen."

"Schwere Gruppe, aber machbar"

Auch Nadine Angerer, WM-Heldin beim letzten Triumph 2007, wollte nicht von einem Glückslos sprechen.

"Es ist eine schwere Gruppe, die aber machbar ist", sagte die Nationaltorhüterin SPORT1. "Aber wir werden den Teufel tun, einen Gegner zu unterschätzen."

Dennoch sprechen nicht nur die beiden Kantersiege in den letzten Testspielen gegen Afrika-Meister Nigeria (8:0) und Kanda (5:0) für die DFB-Auswahl.

Nur Siege gegen Kanada und Nigeria

Gegen den Weltranglisten-Neunten Kanda, Rivale im WM-Eröffnungsspiel am 26. Juni im Berliner Olympiastadion, gab es in neun Länderspielen neun Siege. Gegen Afrika-Meister Nigeria, Kontrahent am 30. Juni in Frankfurt/Main, in sechs Begegnungen ebenfalls nur Siege.

Lediglich gegen den abschließenden Gruppengegner und Weltranglisten-Achten musste man zwei Testspielniederlagen in bislang neun Spielen hinnehmen. Bei Turnieren allerdings hatte die "Equipe Tricolore" keine Chance, so zuletzt beim EM-Sieg 2009 (5:1).

Und gegen die beiden Mitfavoriten Brasilien oder USA kann der zweifache Weltmeister frühestens im Halbfinale der bis zum 17. Juli dauernden Endrunde treffen.

"Natürlich wollen wir den Titel verteidigen"

So gab sich im DFB-Tross auch niemand die Mühe, die Rolle als Topfavorit auf den WM-Hattrick abzustreiten. "Natürlich wollen wir unseren Titel verteidigen", erklärte Angerer.

Und Spielführerin Birgit Prinz, die ihre fünfte WM bestreiten wird, sagte SPORT1: "Es wäre komisch, wenn wir uns als Titelverteidiger und Europameister nicht zu den Favoriten zählen würden."

Neid: Keine Angst vor hohen Erwartungen

So sieht es auch die ?"Chefin". "Wir denken Schritt für Schritt. Das oberste Ziel bleibt die Titelverteidigung", meinte Neid, die sich auch keine Sorgen vor der hohen Erwartungshaltung der Fans macht:

"Wir dürfen uns davon nicht verrückt machen lassen. Wir setzen uns schon selbst genug unter Druck. Wir müssen Spaß haben. Und wenn unser Spiel - vor allem nach vorne - gut läuft, dann sind wir nur ganz schwer zu stoppen."

Bis dahin steht Neid allerdings noch viel Arbeit bevor. Nach ihrem Dezember-Urlaub "geht es ab dem 1. Januar richtig los", kündigte die 46-Jährige an.

Zwei Schwerpunkte in der Vorbereitung

Ein Schwerpunkt wird die Beobachtung und Analyse der WM-Rivalen sein, auf die die DFB-Trainerin ihr Team möglichst perfekt einstellen will. Zum anderen muss Neid die eigenen Spielerinnen sichten, um am Ende den besten Kader zu nominieren.

Dazu wird es nach dem frühen Bundesliga-Ende am 13. März ab April bis Mitte Juni insgesamt sieben rund einwöchige Lehrgänge sowie vier Länderspiele (21. Mai, 3., 7. und 16. Juni) geben. Ende Mai will Neid die 21 Auserwählten für die "Mission Gold" bekanntgeben.

Steffi Jones ist zuversichtlich, dass die Erfolgstrainerin ihr Team optimal vorbereiten wird. "Ich kenne das noch aus eigener Erfahrung. Wir waren immer auf den Punkt fit", sagte die Weltmeisterin von 2003.

OK-Chefin Jones zufrieden

Sportlich macht sich die Chefin des Organisationskomitees wenig Sorgen, und auch in der Vorbereitung läuft alles nach Plan. Am Montagabend sorgte aber vor allem die gelungene Auslosungszeremonie für Aufatmen bei der 37-Jährigen.

"Ich war in der Tat sehr aufgeregt. Aber mir hat alles supergut gefallen und jetzt freue ich mich, dass die WM durch den Spielplan ein großes Stück greifbarer und konkreter ist", sagte Jones SPORT1.

"Wir wollen den Rahmen für eine perfekte WM schaffen. Natürlich ist unsere Zielsetzung, dass alle Stadien voll sein werden. Da müssen wir noch einiges tun."

Schon 370.000 Karten verkauft

Immerhin gingen schon nach dem Start der neuen Verkaufsphase unmittelbar nach der Auslosung weitere 20.000 Karten weg, so dass jetzt knapp sieben Monate vor dem Anpfiff bereits rund 370.000 der 700.000 WM-Tickets verkauft sind.

Die Voraussetzungen für das anvisierte "kleine" Sommermärchen sind also gegeben. Torjägerin Inka Grings kann es kaum noch erwarten. "Von mir aus kann die WM schon morgen losgehen", sagte sie.

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