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OK-Chefin Steffi Jones wurde als Spielerin 2003 Weltmeisterin © getty

Der WM-Countdown läuft: OK-Chefin Jones spricht bei SPORT1 über den Titeltraum, Make-Up vorm Spiel und verfängliche Angebote.

Von Mathias Frohnapfel

München - Einen Rekord haben Steffi Jones und ihr Team schon gebrochen.

Für das Eröffnungsspiel der Frauen-WM am 26. Juni in Berlin sind bereits 60.000 Tickets verkauft, damit ist eine neue Bestmarke für den europäischen Frauenfußball erreicht.

Die Präsidentin des WM-Organisationskomitees freut sich über die gute Nachricht, viel wichtiger ist Jones aber die Begeisterung, die sie mit der WM 2011 für ihre Sportart entfachen möchte.

Sie weiß, dass die WM, inklusiver der großen Werbe- und PR-Offensive, eine enorme Chance für den Frauenfußball in Deutschland ist (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Der Terminplan der 38-Jährigen ist daher randvoll, die heiße Phase vorm Turnierstart hat längst begonnen.

Und am Donnerstag wurde der vorläufige Kader des DFB-Teams präsentiert. Die Weltmeisterin von 2003 kennt auch die Erwartungen der Nationalspielerinnen.

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Zum einen sollen sie mannschaftsdienliche Arbeiterinnen sein, zum anderen können sie mit einer erfolgreichen WM und entsprechender Bewerbung als Ich-AGs durchstarten.

Im SPORT1-Interview spricht OK-Chefin Jones über ihre Ziele für den Sommer, die Vermarktung der Fußballerinnen und Bilder, die für sie "ein No-Go" wären.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

SPORT1: Frau Jones, der Countdown bis zum WM-Eröffnungsspiel am 26. Juni läuft. Wie voll ist mittlerweile Ihr Arbeitstag?

Steffi Jones: Der ist relativ voll. Da gibt es keine freien Tage mehr.

SPORT1: Das heißt Sieben-Tage-Woche?

Jones: Ja, aber es war schon von Anfang an so, dass es nur wenige freie Tage gab.

SPORT1: Träumen Sie schon vom Anpfiff des Eröffnungsspiels gegen Kanada, 70.000 Zuschauern in Berlin und der Ball rollt?

Jones: Da werde ich neidisch. Ich würde gerne mit auflaufen vor diesem tollen Publikum. Und ich bin etwas eifersüchtig, dass ich nicht mehr jung genug bin, um auf dem Platz dabei zu sein. Ich darf aber den Pokal trotzdem anfassen, ob wir jetzt Weltmeister werden oder nicht (lacht). Das entschädigt mich.

SPORT1: Ist die WM auch dann ein Erfolg, wenn Deutschland nicht ins Finale kommen sollte?

Jones: Organisatorisch gesehen vielleicht. Als Austragungsland wünscht man sich jedoch, dass die Mannschaft weit kommt. Ich spreche nicht von einem Misserfolg, wenn wir nicht im Endspiel stehen. Wenn die andere Mannschaft an diesem Tag besser sein sollte, dann muss man sportlich fair sein. Wünschenswert wäre es aber schon, wenn die Mannschaft das Finale erreicht.

SPORT1: Auf die Spielerinnen kommt sehr viel zu. Mit Blick auf Ihre eigene Karriere: Wie gehen die Nationalspielerinnen, von denen einige noch arbeiten, damit am besten um?

Jones: Die Spielerinnen sind ja ab Mitte März frei, da wird auch keine mehr arbeiten gehen. Vom Kopf her werden sie dennoch Druck spüren, sie wissen, man geht als zweimaliger Weltmeister in diese Heim-WM. Das ist nicht einfach.

SPORT1: Wie kann der DFB da helfen?

Jones: Wir haben ein Umfeld mit den beiden Trainerinnen, das versuchen wird, den Druck von den Spielerinnen ein Stück weit weg zu nehmen. Die Erwartungshaltung in Deutschland ist aber groß, alle sagen: Ihr müsst Weltmeister werden.

SPORT1: Einige Spielerinnen wie Fatmire Bajramaj sind als Werbepartner deutlich gefragter als andere. Muss man aufpassen, dass dies keinen Keil ins Team treibt?

Jones: Nein, das war immer so, dass es Spielerinnen gab, die mehr im Vordergrund stehen. Es ist wichtig, dass die Spielerinnen nicht ihren eigenen Vorteil sehen, sondern sich in den Dienst der Mannschaft stellen.

SPORT1: Das sagt sich leicht.

Jones: Ich finde, die Frauennationalmannschaft lebt das und zeigt, dass sie eine Einheit ist. Es gibt keine sogenannten Stars, die irgendetwas raushängen lassen. Auch früher gab es Birgit Prinz oder Nia Künzer und das hat auch keinen Keil ins Team gebracht. Ich finde es auch schön, wenn Spielerinnen einen Vorteil haben und vielleicht noch etwas extra verdienen können. Das würde jeder andere auch annehmen.

SPORT1: In der Werbung geht es sehr stark ums Äußere. Wird damit dem Frauenfußball gedient?

Jones: Wir wollten das ja immer, dass wir uns nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Platzes präsentieren. Und es sind nun mal Frauen, die Fußball spielen. Also sollen sie auch ihre Attraktivität ausstrahlen, so wie sie sich das vorstellen. Ich finde, da ist nichts Schlimmes dran, wenn es der Sache dient.

SPORT1: Haben Sie sich früher eigentlich vor einem Spiel geschminkt?

Jones: Ich habe mich nicht geschminkt. Das ist aber ein Generationswechsel, der stattgefunden hat. Die jungen Spielerinnen treten noch femininer auf als zu meiner Zeit. Ich schminke mich heute natürlich aber auch zu bestimmten Anlässen (lacht).

SPORT1: Gibt es eine bestimmte Werbung, ein bestimmtes Angebot, von dem sie einer Spielerin abraten würden?

Jones: Ich rede keiner Spielerin rein, inwiefern sie sich und den Sport vermarktet. Ich kann nur für mich selbst antworten, was für mich ein No-Go gewesen wäre. Das sind bestimmte Bilder - zum Beispiel für den "Playboy". Die hätte ich nicht genutzt, um für den Sport zu werben, sondern um für mich selbst zu werben. Das kann jeder für sich selbst entscheiden.

SPORT1: Welches Bild wollen Sie von Deutschland während der Welcome-Tour, die Sie in die Teilnehmerländer führt, vermitteln?

Jones: Wenn ich jetzt unterwegs bin, erinnern mich alle natürlich an die WM 2006 und sagen: Das war das Größte und Schönste überhaupt. Dann kommt die Frage, werden wir das wieder erleben? Dann muss ich sagen: Wir werden wieder diese tollen Gastgeber sein, es ist aber eine Frauen-WM, das ist der Unterschied. Wir können und wollen nichts kopieren. Wir wollen volle Stadien, aber mit einer realistischen Einschätzung dahinter.

SPORT1: Wird die Frauen-WM die Bundesliga pushen?

Jones: Wir haben einiges auf den Weg gebracht, auch in der Frauen-Bundesliga. Das werden wir fortführen, aber auch in den Möglichkeiten, die der Frauen-Bundesliga zur Verfügung stehen. Die WM wird sicherlich einen kurzfristigen Hype auslösen, diesen gilt es dann nachhaltig für die Bundesliga zu nutzen. Die Erwartungen sollten aber immer realistisch bleiben.

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