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Doris Fitschen absolvierte als Spielerin 144 Partien für das DFB-Team © getty

Die Managerin des Frauen-Nationalteams spricht bei SPORT1 über die Hoffnung auf den Titel und den neuen Stellenwert beim DFB.

Von Mathias Frohnapfel

München - Sie wurde viermal Europameisterin und ja, Doris Fitschen gehört zu den Spielerinnen, die für den ersten europäischen Titel vom DFB mit einem Kaffeeservice beschert wurde.

Seit diesem ersten Triumph 1989 hat der Frauenfußball einen gewaltigen Sprung gemacht.

Und dass die deutschen Nationalspielerinnen für den Titelgewinn im eigenen Land (Datencenter: Der WM-Spielplan) 60.000 Euro erwartet, hat auch mit Fitschen zu tun.

Die 42-Jährige managt seit August 2009 die Nationalelf und hat als weibliches Pendant zu Oliver Bierhoff alle Hände voll zu tun, ihr Team bestmöglich zu vermarkten.

Im SPORT1-Interview spricht Fitschen über die Vorbereitung auf die WM, große Ziele für die Frauen-Bundesliga, Charakterköpfe im DFB-Team und Bundestrainerin Silvia Neid.

SPORT1: Frau Fitschen, jeder erwartet vom Nationalteam erneut den WM-Titel. Erschwert das nicht alles?

Doris Fitschen: Uns muss erst mal ein anderes Team schlagen. Die Spielerinnen freuen sich auf die WM, die Vorfreude ist größer als der Druck, der von außen kommt.

SPORT1: Ihr persönliches Ziel muss es sein, den Frauenfußball so gut wie möglich zu verkaufen, oder?

Fitschen: Natürlich haben wir eine Riesenchance, den Frauenfußball in eine ganz andere Dimension zu bringen. Am meisten können wir den Frauenfußball aber pushen, wenn wir Weltmeister werden. Das wäre die beste Werbung.

SPORT1: Ist das Marketingpotenzial des Frauenfußballs bald ausgeschöpft?

Fitschen: Was heißt ausgeschöpft? Das gab es noch nie, dass eine WM mit sechs nationalen Förderern fast anderthalb Jahre vor dem eigentlichen Event quasi ausverkauft war und damit die Hälfte des Turniers refinanziert wurde. Das ist ein Riesenschritt. Die Herausforderung wird sein, danach dieses Level zu halten.

SPORT1: Was wäre Ihr großer Traum - auch für die Frauen-Bundesliga?

Fitschen: Wir erhoffen uns für die WM einen Sprung für die Frauen-Bundesliga, mein Ziel ist es, die Spielerinnen bekannter zu machen. Wenn die Stars dort spielen, dann zieht das auch die Fans an, insbesondere die jungen Mädchen. Ich wünsche mir, dass wir doppelt so viele Zuschauer haben wie bisher. Das ist ein realistisches Ziel.

SPORT1: Verkaufen sich die Spielerinnen denn gut genug?

Fitschen: Die Spielerinnen präsentieren sich in der Öffentlichkeit, wie sie sind. Das zeichnet sie aus und das ist für viele Unternehmen sehr interessant. Nicht nur der DFB, sondern auch die Spielerinnen wie Lira Bajramaj oder Birgit Prinz haben namhafte Sponsoren. Das zeigt, dass solche Testimonials in der Wirtschaft gut ankommen.

SPORT1: Müssen Sie auf das Gleichgewicht im Team achten, wenn manche Spielerinnen besonders nachgefragt sind?

Fitschen: Da geht es nicht um Neid, sondern darum, dass die Spielerinnen sich auf den Sport konzentrieren können. Da kann nicht jeden Tag die gleiche Spielerin zu den Terminen gehen. Alle unsere Spielerinnen haben etwas zu sagen. Unsere Mannschaft zeichnet es aus, dass es viele unterschiedliche Charaktere gibt. Lira Bajramaj ist eine Persönlichkeit, die Spaß daran hat, sich öffentlich zu präsentieren. Das ist gut, aber wir haben auch andere Spielerinnen. 386765 (DIASHOW: Die Vorbereitung des DFB-Teams)

SPORT1: Die Prämie für die WM liegt bei 60.000 Euro. Ist das auch eine Auszeichnung für den Frauenfußball in Deutschland?

Fitschen: Es ist ein Zeichen, dass der DFB voll hinter dem Team steht. Wir haben da sicher Dr. Theo Zwanziger viel zu verdanken, der ein großer Verfechter des Frauenfußballs ist. Und es zeigt, dass die Frauen-Nationalmannschaft eigene Sponsoren hat, das kommt ihr jetzt zugute.

SPORT1: Sie haben damals als Europameisterin 1989 als Prämie ein Kaffeeservice bekommen. Ärgern Sie sich darüber, nicht 20 Jahre später Teil der Mannschaft zu sein?

Fitschen: Es war damals eine tolle Zeit, ich war bei der ersten WM, Europameisterschaft und der Gründung der Bundesliga dabei. Ich habe unheimlich viel erlebt, ich habe sicher nicht so viel Geld verdient, aber die Erlebnisse sind eh nicht mit Geld zu bezahlen.

SPORT1: Sie waren auf dem Spielfeld früher ein Charakterkopf. Welche Spielerinnen sind heute fähig, voranzugehen und das Ruder rumzureißen, wenn es nicht so läuft?

Fitschen: Wir haben erfahrene Spielerinnen, die schon einige Titel gewonnen haben, und jüngere, die unbekümmert an die Sache rangehen. Wir haben eine Birgit Prinz, die die Ärmel hochkrempeln kann, aber auch andere Typen wie Annike Krahn oder Ariane Hingst.

SPORT1: Drei WM-Halbfinalisten scheinen von der Papierform mit Deutschland, USA und Brasilien schon festzustehen. Ist das nicht ein schlechtes Zeichen, was die Spannung anbetrifft?

Fitschen: Es ist inzwischen so, dass die Teams mit ihren Leistungen enger zusammengerückt sind. Kürzlich hat England die USA geschlagen. Es ist nicht so, dass Deutschland, USA und Brasilien automatisch ins Halbfinale kommen. Auch Kanada, Japan und Schweden sind sehr hoch einzuschätzen. Das ist sicher gut für die Spannung bei dieser WM.

SPORT1: Ist Deutschland als zweifacher Titelverteidiger der große Favorit?

Fitschen: Deutschland ist einer der großen Favoriten. Weltranglistenerster sind die USA, die muss man auch erst mal schlagen. Unser Ziel ist aber, Weltmeister zu werden, daran arbeiten wir jetzt.

SPORT1: Sie arbeiten schon lange mit Silvia Neid zusammen. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur Bundestrainerin beschreiben?

Fitschen: Ich kenne Silvia seit 25 Jahren - auch als ehemalige Mitspielerin im Verein. Das hilft in Stresssituationen, dann weiß man, wie die andere tickt. Und es macht uns unheimlich viel Spaß, miteinander zu arbeiten.

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