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Celia Okoyino da Mbabi (l.) erzielte den Treffer zum 2:0-Endstand gegen Nordkorea © AFP

Nach dem Sieg gegen Nordkorea warnt Rekordtorschützin Prinz die WM-Gegner. Dabei erhöht Neid bewusst die Anforderungen.

Aus Ingolstadt berichtet Mathias Frohnapfel

Ingolstadt - Ihre Lieblingsarbeitskleidung hatte sie seit November nicht mehr getragen.

Umso wohler fühlte sich Birgit Prinz im DFB-Dress beim 2:0-Sieg über Nordkorea (Spielbericht), in voller Montur berichtete die deutsche Rekordtorschützin auch vom Einstieg in die heiße Phase vor der WM im eigenen Land.

"Wir haben wenig Chancen zugelassen", stellte Prinz zuerst einmal fest.

Die Spielführerin hatte zuvor auf dem Platz alles dafür getan, damit das wichtige erste Testspiel für den amtierenden Weltmeister nicht mit einem verkorksten Resultat endete.

Nordkorea wehrt sich

Denn das hätte der Frauen-Nationalmannschaft gegen die Nummer acht der Weltrangliste durchaus widerfahren können. Die Nordkoreanerinnen wehrten sich hartnäckig und hatten vor der Pause mit einem Pfostentreffer durch Ye Gyong Ri die bis dahin beste Möglichkeit.

Am Ende besiegte aber Deutschland den WM-Teilnehmer - auch dank eines von Prinz herausgeholten Elfmeters.

"Gegner beeindrucken"

Entsprechend zufrieden analysierte die Torjägerin das erste Länderspiel nach sechsmonatiger Pause, das zugleich letzte Standortbestimmung vor der finalen Kader-Nominierung war.

"Natürlich wollten wir zeigen, dass wir in WM-Form kommen und wollten auch die Gegner ein bisschen beeindrucken", sagte Prinz auf SPORT1-Nachfrage.

Und gab zu: "Die Spritzigkeit fehlt uns noch, man sieht, dass wir zuletzt lange und harte Einheiten hatten."

Lob von Neid

Das beunruhigt sie aber nicht, sie kennt das Prozedere ja von bereits vier gespielten Weltmeisterschaften.

Dass noch "ein Stück fehlt bis zur WM-Form", ist daher aus Sicht von Prinz "normal".

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Die Tore von Kim Kulig und Celia Okoyino da Mbabi halfen, den Prüfstein Nordkorea richtig einzuordnen - in die Kategorie unangenehmer, aber machbarer Gegner.

Zu dem Schluss kam auch Silvia Neid. Die Bundestrainerin lobte das "sehr engagierte Spiel" ihrer Mannschaft, zumal sie nicht nur durch die Auswahl des physisch sehr robusten Gegners im Vorfeld dem Team eine Hürde aufgestellt hatte.

"Nach 70 Minuten platt"

Denn die Belastung in der Vorbereitung hatte sie vor der Partie keineswegs reduziert, der Test sollte ja einen möglichst hohen Schwierigkeitsgrad bieten. "Wir haben uns ins Spiel reingebissen, als der ein oder andere Pass nicht ankam", berichtete Neid und lächelte wie eine zufriedene Lehrerin.

Und auch ihre Spielerinnen, die sich seit Mitte März auf die am 26. Juni beginnende WM vorbereiten, hatten nichts dagegen, Teil von Neids Live-Experiment zu sein.

"Ich war nach 70 Minuten platt", gestand Simone Laudehr ehrlich.

"Ich habe die letzten Wochen bemerkt, das war auch ein Kampf gegen sich selbst, dass man sich durchbeißen musste."

Chance für Faißt

Diesen Kampfgeist zeigte genauso Verena Faißt. Die Abwehrspielerin des VfL Wolfsburg war überraschend von Anfang dabei und bekam so vor der finalen Kader-Nominierung am Freitag noch eine große Möglichkeit, um ihren WM-Platz zu kämpfen.

Die Bundestrainerin, die noch vier Feldspielerinnen und eine Torfrau aus ihrem Kader streichen muss, war mit der 22-Jährigen ziemlich zufrieden.

"Es hat zwar hier und da mal einen Stellungsfehler gegeben, doch sie ist noch nicht so lange bei uns. Was mir gefällt, ist, dass sie schnell aufnimmt, schnell lernt und umsetzt. Und sie hat den Vorteil, dass sie sehr schnell ist", lobte Neid.

Spannung vor der Nominierung

Die Nominierungsentscheidung wird sie sich nicht leicht machen. "Ich lass es mir offen bis zum Schluss, diskutiere es mit dem Trainerteam bis zum bitteren Ende", kündigte die Bundestrainerin an.

Sorgen um ihren WM-Platz muss sich Melanie Behringer eigentlich keine machen. Auch wenn die erfahrene Spielerin im Gespräch mit SPORT1 eingestand: "Die Anspannung vor Freitag ist da."

Gegen Nordkorea bereitete die Frankfurterin einige Chancen vor, war viel unterwegs.

"Wir sind zufrieden, wissen aber auch, dass wir noch an vielen Sachen arbeiten müssen. Dafür haben wir noch vier Wochen Zeit, dann werden wir auch eine gute WM spielen."

Bajramaj geschont

Ihre Mitspielerin Fatmire Bajramaj nannte das "Pass-Spiel" als Beispiel, die Potsdamerin selbst war aber nur 30 Minuten mit dabei.

Neid schonte sie wie die vier anderen Turbine-Spielerinnen mit Blick auf das Champions-League-Endspiel des Deutschen Meisters am Donnerstag in London.

Danach ist auch für die Potsdamerinnen wieder das Nationaltrikot Lieblingskleidungsstück.

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